Seit Donnerstagabend hat Stuttgart ein neues Musical. Im Stage Palladium Theater hatte "& Julia" Premiere. Ab sofort läuft das Pop-Musical sieben Mal in der Woche.
- Worum geht es in dem Musical "& Julia"?
- Wie ist die Musik im Musical "& Julia" in Stuttgart?
- Wie ist der Cast in neuen Musical?
- Wie ist das Bühnenbild bei "& Julia" in Stuttgart?
- Das ist die beste Szene im Musical "& Julia".
- Ist das neue Musical in Stuttgart was für die ganze Familie?
- Lohnt sich ein Besuch im Musical "& Julia"?
Worum geht es in dem Musical "& Julia"?
Der Autor William Shakespeare steht kurz vor der ersten Aufführung seines Stücks "Romeo und Julia", als seine Frau Anne Hathaway einschreitet: Das Ende, in dem Julia stirbt, gefällt ihr ganz und gar nicht. Aus ihrer Sicht gibt es keinen Grund, warum die Heldin am Schluss sterben muss.
Anne schlägt vor die Geschichte neu zu denken: Julia soll ein ein selbstbestimmtes Leben in Paris beginnen. Auch Shakespeare selbst bringt immer wieder eigene Ideen ein, wie es mit Julia weitergehen könnte. Aus diesem Schlagabtausch entsteht eine chaotische, witzige Story über Liebe, Female Empowerment, und Queerness.
Wie ist die Musik im Musical "& Julia" in Stuttgart?
Das Musical besteht ausschließlich aus weltbekannten Hits der 90er- und 00er-Jahre wie "Baby One More Time" von Britney Spears, "Larger Than Life" von den Backstreet Boys, "I Kissed a Girl" von Katy Perry, "It’s My Life" von Bon Jovi und "That’s the Way It Is" von Céline Dion. Was all diese Songs verbindet: Sie stammen vom selben Komponisten und Produzenten, dem Schweden Max Martin.
Auf der Bühne singen die Darstellerinnen und Darsteller die Titel im englischen Original. An vielen Stellen werden jedoch die ersten Zeilen auf Deutsch angestimmt, damit das Publikum den Inhalt der Songs erfasst.
Wie sind die Darstellerinnen und Darsteller in neuen Musical in Stuttgart?
Star des Musicals ist Sabrina Weckerlin aus Furtwangen im Schwarzwald. Sie spielt Shakespeares Frau Anne Hathaway. Seit Jahren gehört sie zu den gefragtesten Musicaldarstellerinnen in Deutschland - und das zurecht. In "& Julia" sorgt sie für viele Lacher, berührende ruhige Momente und begeistert mit ihrer facettenreichen Stimme.
An ihrer Seite steht als Shakespeare der Wahl-Stuttgarter Maximilian Mann, vielen Musicalfans noch als Flaschengeist Dschinni aus "Aladdin" bekannt. Er interpretiert inbrünstig die großen Hits verschiedener Boygroups. Seine Rolle ist allerdings deutlich schwächer angelegt als die von Anne Hathaway.
Julia wird von Sebeya verkörpert, die in Stuttgart bereits als Prinzessin Jasmin ebenfalls in "Aladdin" auf der Bühne stand. Ihre stimmliche Power ist beeindruckend. Das queere Paar May und Frankie wird von Ibi und Esmael Agostinho gespielt - mit unglaublich viel Gefühl und beeindruckender Authentizität.
Wie ist das Bühnenbild bei "& Julia" in Stuttgart?
Das Bühnenbild erinnert eher an eine Popkonzert-Bühne. Im Hintergrund steht eine große LED-Wand. In den einzelnen Szenen werden Elemente auf die Bühne geschoben oder von oben herabgelassen. Die Atmosphäre entsteht vor allem durch Licht. Aufwendige oder spektakuläre Kulissen wie bei den Stuttgarter Musicals "Tanz der Vampire" oder "Die Eiskönigin" gibt es bei "& Julia" nicht.
Das ist die beste Szene im Musical "& Julia" in Stuttgart.
Die emotionalste Szene ist die, in der Julias non-binäre Begleitung May mit ihrer geschlechtlichen Identität ringt und dabei Britney Spears "I’m Not a Girl, Not Yet a Woman“ ("Ich bin weder ein Mädchen noch eine Frau") singt. Plötzlich bekommt der Song eine völlig neue Bedeutung. So berührend war er nicht einmal im Original.
Ein optisches Highlight ist "Roar" von Katy Perry: Julia singt auf einem Gerüst, hinter ihr explodiert geradezu die LED-Wand - und im Großteil des Saals regnet es Konfetti. Eine bombastische Szenerie in einer ansonsten optisch eher konventionellen Inszenierung.
Ist das neue Musical in Stuttgart was für die ganze Familie?
Die Veranstalter empfehlen "& Julia" ab acht Jahren - woran man durchaus zweifeln kann. Die bunte Show, die Songs und die Choreografien dürften bei vielen Kindern gut ankommen. Die Handlung setzt allerdings ein Vorwissen über das Originalstück "Romeo und Julia" voraus. Ansonsten bleibt vieles unverständlich. Eltern sollten ihre Kinder daher vorab kurz in die Ur-Geschichte einführen. Einige Handlungsstränge und viele Wortwitze werden für Kinder aber auch dann nur schwer nachvollziehbar sein.
Lohnt sich ein Besuch im neuen Stuttgarter Musical "& Julia"?
Fans der Hits aus den 90er- und 00er-Jahren kommen voll auf ihre Kosten: Die Songs sind in eine wirklich intelligente und gleichzeitig extrem lustige Geschichte eingebettet. Es gibt viel zu lachen, manchmal denkt man: "Oh nein, das kann doch jetzt nicht passieren!" Und genau dann passiert es. Das Stück macht Spaß.
Gleichzeitig hat es, gerade mit Blick auf Geschlechteridentität, eine erstaunliche Tiefe. Die queere Liebesgeschichte wird völlig ohne Klischees und mit einer im besten Sinne großen Portion Menschlichkeit erzählt. So viel Wärme und Selbstverständlichkeit findet man selten auf einer so großen Bühne.
Fans klassischer, opulenter Musicals könnten allerdings enttäuscht sein: Bühnenbild und Kostüme sind eher schlicht und das Ensemble umfasst nicht einmal 20 Darstellende. Große Massentanzszenen gibt es daher nicht.
Ab sofort läuft das Stück im Stage Palladium Theater in Stuttgart. Tickets sind für die Vorstellungen an Wochentagen günstiger als am Wochenende. Die Preise beginnen bei 49,99 Euro.