Was wäre, wenn Julia nicht gestorben wäre? Darum dreht sich das Pop-Musical "& Julia". Bis Anfang dieses Jahres war es in Hamburg zu sehen. Jetzt kommt es nach Stuttgart. Am 8. Oktober hat "& Julia" Premiere im Stage Palladium Theater. Mit dabei: Musical-Star Sabrina Weckerlin, aufgewachsen in Furtwangen im Schwarzwald, und der Wahlstuttgarter Maximilian Mann. In "& Julia" verkörpern sie "Shakespeare" und dessen Frau "Anne Hathaway".
SWR Aktuell: Die wohl bekannteste Liebesgeschichte "Romeo und Julia" bekommt eine Fortsetzung - allerdings ohne Romeo. Was erwartet die Zuschauer in Stuttgart?
Sabrina Weckerlin: Ein eigentlich alter Stoff, der aber neu aufgerollt wird. Wir schreiben die Geschichte um. Romeo kommt noch vor, aber wir schmeißen die Frage in die Runde: Wie können wir lieben? Ist das bestimmt, wie wir lieben, wen wir lieben? Es geht um Selbstbestimmung. Wir laden ein, über manche Dinge nachzudenken, in einem modernen Gewand.
SWR Aktuell: "& Julia" wird unterstrichen von bekannten Pop-Songs. Welche Songs reißen da die Zuschauer mit?
Weckerlin: Das Tolle ist, dass die Geschichte ohne die Songs schon das alles könnte, aber dann kommt noch diese preisgekrönte Popmusik von Max Martin dazu. Ich glaube, jeder kann zu "Can't Stop The Feeling" mitwippen und "Domino" von Jessie J und Céline Dion. Wir haben so viele Songs eingefädelt in diese berührende, lustige und sehr wichtige Geschichte.
SWR Aktuell: Und wie passen diese modernen Lieder zu diesem alten Stoff?
Weckerlin: Naja, was wir zeigen, ist natürlich nicht der alte Stoff. Es basiert auf "Romeo und Julia". Jeder kennt die Geschichte, aber wir schreiben sie eben neu. Was ich spannend finde: Wir haben einen neuen Blickwinkel auf die Geschichte, die ins Heute kommt. Es ist auch spannend, zu sehen, wie Shakespeare das vielleicht heute geschrieben hätte, und vielleicht so wie wir.
SWR Aktuell: Du spielst Shakespeares Frau "Anne Hathaway". Wie erweckst du sie zum Leben?
Weckerlin: Anne Hathaway ist eine wahnsinnig faszinierende Figur. Ich kann als Schauspielerin alles machen. Ich kann nicht nur wunderschöne Songs singen, ich kann auch die vierte Wand durchbrechen, was nicht so oft im Musical der Fall ist. Ich kann spontan auf Dinge agieren, interagieren und die Energie vom Publikum mit aufnehmen. Das ist wahnsinnig spannend, auch herausfordernd, aber es ist einfach eine Traumrolle!
SWR Aktuell: Du kommst ja ursprünglich aus Villingen im Schwarzwald. Was bedeutet dir die Rolle hier in Stuttgart?
Weckerlin: Ich finde es wahnsinnig schön, in meiner Heimat auf der Bühne zu stehen. Man hat ja immer im kleinen Kinderzimmer davon geträumt, mal auf den großen Bühnen zu stehen. Und jetzt auch die Songs, die man da im Kinderzimmer gesungen hat, jetzt hier auch zu singen in dem Stück, die teilweise darin vorkommen, ist wirklich ein Geschenk.
SWR Aktuell: Im Stage Palladium Theater wird es bei "& Julia" im Zuschauersaal zum ersten Mal eine Party-Zone mit Bar geben. Glaubt ihr, dass euch das als Künstler ablenken könnte?
Weckerlin: Das finden wir heraus! Es ist für alle eine neue Erfahrung. Erstmal ist es ja immer gut, wenn sich Theater weiterentwickelt und viele Dinge muss man erstmal ausprobieren, um sie bewerten zu können. Der Grundstein ist, dass man damit eben auch ein anderes Publikum anspricht. Jemanden, der nicht ins Musical geht und dann haben wir vielleicht einen neuen Musicalgänger gefunden, der sich daran begeistert.
Maximilian Mann: Es ist eine wichtige Idee so eine Theatersituation neu zu denken und zu gucken, wie erreichen wir anderes Publikum, wie erreichen wir neues Publikum? Was können wir moderner machen, was können wir neu denken? Die Herausforderung wird sein, dass im Gegensatz zu einem sonst eher statisch sitzenden Publikum, es da jetzt wahrscheinlich deutlich mehr Bewegung gibt. Wir gehen jetzt erstmal positiv an die Sache ran und freuen uns darauf zu sehen, was passiert.
SWR Aktuell: Die Sängerin Nina Chuba hat ja vor Kurzem das Stuttgarter Publikum kritisiert. Mit "& Julia" werdet ihr mit einem Party-Musical auf der Bühne stehen. Habt ihr da Bedenken?
Weckerlin: Da haben wir heute noch drüber geredet (lacht). Ich glaube, man kann das nicht an Städten festmachen. Es kommen ja auch nicht immer dieselben Menschen in die Vorstellungen. Aber ich habe da gar keine Bedenken. Wenn ich in Stuttgart war, in den Arenen oder auf Konzerttournee, war es eigentlich immer ein super Publikum. Deshalb glaube ich, die sind bereit auszuflippen.
Mann: Ich habe das Publikum in Stuttgart immer als sehr warmherzig erlebt, als sehr offen erlebt, als wahnsinnig begeisterungsfähig. Deswegen bin ich absolut sicher, dass das bei "& Julia" genauso sein wird und der Funke da relativ schnell überspringt.
SWR Aktuell: Max, du bist Wahlstuttgarter, richtig?
Mann: Ich bin tatsächlich 2018 für den "Glöckner von Notre-Dame" nach Stuttgart gezogen, mit dem großen Plan, dass das hier nach einem Jahr dann auch wieder erledigt wäre und ich dann wieder wegziehe. Das Schicksal wollte es anders. Ich bin jetzt seit achteinhalb Jahren hier, fühle mich wahnsinnig wohl und habe in Stuttgart wirklich eine neue Heimat gefunden.
SWR Aktuell: Und wie bist du jetzt Shakespeare geworden?
Mann: Ich habe mich, nachdem ich hier in Stuttgart den "Genie" in "Aladdin" gespielt habe, ein bisschen von der Bühne zurückgezogen. Habe Regiearbeiten gemacht und war künstlerischer Leiter beim Musical "Die Eiskönigin". Jetzt habe ich aber die Bühne so sehr vermisst, dass ich mich wieder beworben habe. Das hat erschreckend gut funktioniert. Deswegen darf ich diese wahnsinnig tolle Rolle spielen.
SWR Aktuell: Wie würdest du denn "& Julia" im Vergleich zur Originalgeschichte von "Romeo und Julia" beschreiben?
Mann: Ein ganz neuer, frischer Denkansatz, eine moderne Version mit dem Hintergrund zu überlegen, was wäre, wenn Julia sich nicht umbringt? Wie könnte das Ganze dann ausgehen? Es gibt viele Aspekte, die da eine Rolle spielen. Es ist ein vielseitiges Stück. Es klingt immer ein bisschen lapidar, aber da ist wirklich für jeden was dabei. Es ist unglaublich berührend, sehr witzig und dazu diese wahnsinnige Musik, die jeder kennt.
SWR Aktuell: Vielen Dank für das Gespräch!