Schon von außen lässt sich erahnen: Das ist kein normaler Zirkus. Rot-schwarz gestreift ragt das Zelt in den Himmel über Böblingen. Im Eingangsbereich werden Besucherinnen und Besucher von Totenköpfen, Särgen und Spinnenweben begrüßt - willkommen im "Zirkus des Horrors"! Der Popcorn-Verkäuferin läuft Kunstblut aus dem Mund, der Selfie-Spot ist eine Köpfmaschine.
Triggerwarnung im Zirkus: schonungsloser Horror der Welt
Auf der Website gibt es eine Triggerwarnung: Man "begegnet dem realen Horror unserer Welt - ungeschönt und schonungslos. Die Show thematisiert die dunklen Seiten der Menschheit und zeigt, was wir lieber oft verdrängen", so der Veranstalter. Aber was man in der Horror-Show sehe, habe mit dem realen Horror auf der Welt wenig zu tun, so Kevin Leppien, einer der Organisatoren. "Das ist eher ein fiktiver Horror, ein Nervenkitzel, den die Besucher ja auch suchen." Der Zirkus provoziere und das sei gut so, so Leppien.
Doch manche kritisieren, im Zirkus würden vor allem Frauen Opfer von Gewalt. Das nehme man ernst und bespreche es im Team, verspricht Kevin Leppien. Kritisch äußerte sich das Publikum am Abend, als der SWR da war, auf Nachfrage aber nicht. "Ich liebe das Abartige, ich finde das richtig schön", sagte zum Beispiel Julia Schwarz. Und Gudrun Wolf war vor allem froh, als es wieder vorbei war: "Die Erleichterung, dass hinterher alles wieder normal ist, das macht einfach Spaß."
Mal so ne kleine Flucht aus dem realen Horror in den falschen Horror - warum nicht?!
Zirkusclown: Der "Master of Hellfire" in teuflischem Schwarz
Neben Nervenkitzel, Akrobatik und Spannung zog sich durch die komplette Show eine Geschichte - und der Clown, der hier keine rote Nase und zu große Schuhe trägt, sondern schwarze Leder-Hotpants und Smokey Eyes. Er nennt sich "Master of Hellfire" ("Meister des Höllenfeuers"). Im echten Leben heißt er Hubertus Wawra. Das Skurrile: "Ich mag eigentlich keine Horror-Filme mehr in meinem Leben sehen, ich habe genug gesehen", so Wawra. Vielleicht ist er gerade deshalb der Richtige, um den Horror durch Humor aufzulockern.
Ich bin nicht wirklich komisch, aber wenn ich mich anzünde, lachen die Leute.
Das wichtigste Element für den "Master of Hellfire" ist natürlich das Feuer: Er schießt Flammen über die Bühne und zündet sich sogar selbst an.
Die Faszination für Feuer packte ihn schon als Kind. "Ich habe immer meine Matchbox-Autos angezündet", erzählt er. Das habe ihm viel Ärger eingebrockt und zugleich sei er damit aufgefallen. Und nun verdiene er als Erwachsener sein Geld mit dem Feuer, denn er habe gemerkt, dass er als Künstler dadurch engagiert werde.