Über 80.000 gehörlose Menschen gibt es in Deutschland. Julia Fraschka ist eine von ihnen. Das hielt sie aber nicht davon ab, ihren Traumberuf zu ergreifen: Sie ist bundesweit die erste gehörlose Notfallsanitäterin und arbeitet bei den Maltesern in Winnenden-Hertmannsweiler (Rems-Murr-Kreis). Mit ihrer Arbeit möchte die 26-Jährige ein Zeichen setzen und anderen Menschen zeigen, dass es möglich ist, auch mit Handicap ein völlig selbstbestimmtes Leben zu führen. Von nicht behinderten Menschen wünscht sie sich mehr Verständnis.
Ganz viele haben mich abgelehnt, indem sie mir nicht mal die Chance gegeben haben, 'Hallo' zu sagen und zu zeigen, dass ich eigentlich normal mit ihnen kommunizieren kann.
In der Pubertät verliert sie komplett das Gehör
Schon als Kleinkind trägt Julia Hörgeräte. In der Pubertät verliert sie komplett das Gehör. Trotz ihrer Gehörlosigkeit beschließt sie nach dem Abitur die Ausbildung zur Notfallsanitäterin zu machen. Julia will nicht am Schreibtisch arbeiten. Um diesen speziellen Job als Gehörlose ausüben zu können, musste viel Vorarbeit geleistet werden. So gab es beispielsweise Absprachen mit dem Betriebsarzt und den Versicherungen.
Ich möchte zeigen, dass es geht
Prothesen stimulieren den Hörnerv
Sie trägt Cochlea-Implantate. Das sind technische Hörprothesen für schwerhörige oder taube Menschen. Dadurch wird der Hörnerv stimuliert und ein Höreindruck im Gehirn hervorgerufen. So wie man eine Brille auf die Nase setzt, setzt sie die Implantate hinter die Ohren.
Rettungskollege Markus Schmidt wusste zuerst nichts von ihrer Gehörlosigkeit. Erst als er die Implantate gesehen hat, hat er danach gefragt. Er sagt, man merke beim Einsatz gar nichts von ihrem Handicap, es funktioniere alles einwandfrei.
Die Gehörlosigkeit hat sogar einen Vorteil für Julia, sagt sie: Wenn sie sich richtig konzentrieren oder schlafen will, schaltet sie ihre Implantate einfach aus. Dann ist es für sie still.