Reisenden auf der Gäubahn droht 2026 doppelt Ungemach: Im April soll der Gäubahn-Damm und damit die Panoramabahn zwischen dem Hauptbahnhof Stuttgart und Stuttgart Vaihingen außer Betrieb gehen - also ein dreiviertel Jahr vor dem anvisierten Start des Tiefbahnhofs von Stuttgart 21 im Dezember. Laut Bahn muss dieser Damm weichen, damit dort die Gleise zur neuen S-Bahn-Strecke über die künftige Haltestelle "Rosenstein" fertiggestellt werden können. Mit der Panoramabahn nach Stuttgart-Vaihingen ist dann auch die Gäubahn gekappt.
Untersuchung: Abbruch des Bahndamms doch nicht notwendig Gäubahn: Wird die Bahnstrecke Singen-Stuttgart doch erst später gekappt?
Die Bahnstrecke von Singen nach Stuttgart soll im April 2026 gekappt werden. Das würde viele Reisende und Pendler treffen. Der Verkehrsclub Deutschland zeigt, dass das offenbar nicht sein muss.
Zudem wurde nun klar, dass die Fahrgäste im Sommer 2026 auch nicht auf die S-Bahn zum Hauptbahnhof umsteigen können - wegen erneuter Sanierungsarbeiten an der S-Bahn-Stammstrecke, was sich 2027 wohl wiederholen wird. Der Interessenverband Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn (GNNB) kündigte nun an, diese im Grunde doppelte Unterbrechung der Gäubahn "mit allen Mitteln" verhindern zu wollen.
Anrainer der Gäubahn wollen Druck auf Bund ausüben
"Es ist unbegreiflich und empörend", lässt sich Guido Wolf (CDU) als Vorsitzender des Interessenverbands in einer Pressemitteilung zitieren. Der Gäubahn drohe als Verkehrsmittel ein "massiver" Bedeutungsverlust. "Für die Menschen entlang der Gäubahn muss ab dem ersten Tag der Unterbrechung ein verlässlicher und optimal abgestimmter Anschluss an das Stuttgarter S-Bahn-Netz sichergestellt sein", sagt Wolf. Schließlich würden so Fahrgäste aus dem Bodensee-Raum, dem Schwarzwald und dem oberen Neckar-Raum vom deutschlandweiten Fernverkehr weitgehend abgehängt - und sogar wer aus Zürich kommt, muss sich auf Umwege einstellen.
"Es ist unbegreiflich und empörend."
Nun wollen sich Wolf und der Interessensverband GNNB "mit Nachdruck für eine Lösung einzusetzen" - mit "stetigem, entschlossenem Druck" auch gegenüber der Bundesregierung. Nur: Wie die doppelte Kappung tatsächlich verhindert werden kann, lassen die Gäubahn-Anrainer offen. Die Situation ist schließlich reichlich verfahren - ein Resultat der ursprünglichen Planungen für Stuttgart 21 plus der jahrelangen Verzögerungen bei der Neugestaltung des Bahnknotens Stuttgart.
Streit um Streckenunterbrechung Stuttgart 21: Wie geht es weiter mit der Gäubahn?
Auch im Stuttgarter Gemeinderat wurde über die Unterbrechung der Eisenbahnstrecke nach Singen und Zürich gestritten. Im Februar wird diese Frage vor dem Verwaltungsgericht verhandelt.
Auch Oberbürgermeister reagieren empört
Die Oberbürgermeister der Städte entlang der Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn reagieren mit einer scharfen Protestnote auf die angekündigte doppelte Kappung: "Wir fühlen uns gehörig verschaukelt. Und das ist noch milde ausgedrückt!", schreiben sie kaum noch diplomatisch. Schon die mindestens sieben Jahre Unterbrechung seien ein "Unding".
Dass die Verantwortlichen jetzt fast beiläufig mitteilen, selbst diese Notlösung nicht hinzubekommen, ist eine verkehrspolitische Bankrotterklärung.
Bei der Volksabstimmung zu Stuttgart 21 im Jahr 2011 hätten die Bürgerinnen und Bürger entlang der Gäubahn für das Bahnprojekt votiert - im Vertrauen darauf, dass die Gäubahn an den Stuttgarter Hauptbahnhof angebunden bleibe, sich die Anbindung sogar verbessere. "Wenn jetzt die Gäubahn vom Hauptbahnhof abgekoppelt wird und sogar die Überbrückung per S-Bahn nicht wie versprochen steht, dann ist jegliches Restvertrauen zerstört", erklären die Oberbürgermeister.
Kappung der Gäubahn: Fahrgäste auf S-Bahn angewiesen
Ursprünglich sollte nach der Fertigstellung von Stuttgart 21 die Gäubahn über den Flughafen Stuttgart dem neuen unterirdischen Tiefbahnhof im Stuttgarter Kessel zugeführt werden - weitgehend über jene Tunnel und Geleise, die schon heute die S-Bahn auf den Fildern nutzt. S-21-Kritiker hatten diese Pläne von Anfang an mit dem Hinweis kritisiert, Gäubahn und S-Bahn würden sich gegenseitig blockieren, sobald Züge verspätet sind. So wurde zunächst am Flughafen Stuttgart, wo ebenfalls ein Tiefbahnhof für Fern- und Regionalzüge entsteht, eine Erweiterung geplant (Variante "Drittes Gleis").
Mittlerweile hat man sich auf den Bau einer separaten Trasse, den Pfaffensteigtunnel geeinigt. Die Planungen dafür laufen, auch wenn die Finanzierung noch nicht geklärt ist. Klar ist: Der Tunnel wird frühestens 2032 fertig sein. Die Gäubahn ist derweil für etwa sieben Jahre entkoppelt und auf die S-Bahn-Stuttgart-Anbindung angewiesen - so denn diese überhaupt von Stuttgart-Vaihingen aus zum Hauptbahnhof Stuttgart fahren kann.