Aktionstag Freedom Day

Warum Initiativen Schwarzfahrer aus dem Gefängnis freikaufen

Tausende Schwarzfahrer landen jedes Jahr in Gefängnissen, weil sie ihre Strafe nicht zahlen können, auch im Raum Stuttgart. Der "Freedom Day" am 27.11. macht darauf aufmerksam.

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Stand

Von Autor/in Aita Koha, Maxim Flößer, Egzona Hyseni

Wer bei einer Kontrolle in den öffentlichen Verkehrsmitteln keine gültige Fahrkarte vorweisen kann, muss in der Regel 60 Euro Beförderungsentgeld bezahlen, so auch beispielsweise bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Schwarzfahren ist in Deutschland eine Straftat. Wiederholungstäter und -täterinnen müssen deshalb mit einer Anzeige rechnen, auf die ein Strafverfahren und meist eine Geldstrafe folgt. Wer diese Geldstrafe nicht bezahlen will oder kann, landet im Gefängnis. Im Fachjargon heißt das Ersatzfreiheitsstrafe (§43 StGB). Sie ersetzt also eine nicht bezahlte Geldstrafe.

50,5 Tage im Durchschnitt im Gefängnis

Aktuell sitzen nach Angaben des Justizministeriums in Baden-Württemberg 356 Menschen eine Ersatzfreiheitsstrafe ab. Also Menschen, die wegen einer Straftat zu einer Geldstrafe verurteilt wurden und diese nicht bezahlt haben. Die Delikte sind vielschichtig, darunter "einfacher" Diebstahl oder Fahren ohne Fahrerlaubnis. Betrachtet man das gesamte Jahr 2025, saßen bisher 2.618 Menschen in Baden-Württemberg eine Ersatzfreiheitsstrafe ab.

Ist Armut das Hauptkriterium?

Für die Initiative Freiheitsfonds ein Unding, sofern es sich dabei um Menschen handelt, die wegen Schwarzfahrens einsitzen. Unter den Betroffenen seien 87 Prozent arbeitslos, manche von ihnen auch wohnungslos und suizidgefährdet. Etwa 9.000 solcher Menschen würden laut Initiative Freiheitsfonds jedes Jahr in Deutschland ihre Strafe absitzen, weil sie sich kein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr leisten könnten. Beruhend auf dem Paragraph 265a Strafgesetzbuch. Ein Gesetz, das die Nationalsozialisten 1935 eingeführt haben.

Freiheit schenken: Am 27. November ist "Freedom Day"

An sogenannten Freedom Day am 27. November kauft die Initiative mithilfe von Spendengeldern Gefangene frei. Nach eigenen Angaben hat sie auf diese Weise seit 2021 rund 1.500 Menschen die Freiheit wieder geschenkt, 1,3 Millionen Euro investiert und 21 Millionen Euro Steuergelder gespart. Denn die Haft von Schwarzfahrerinnen und - fahrern, die ihre Strafe nicht bezahlen können, kostet alle Steuerzahlerinnen und -zahler. Nach Angaben des baden-württembergischen Justizministeriums rund 175 Euro pro Tag und Häftling.

SSB: Mehr als 2.000 Menschen fahren im Jahr schwarz

Die SSB hat nach eigenen Angaben in den Jahren 2024 und 2025 jeweils zwischen 2.100 und 2.200 Fahrgäste mehrfach ohne gültigen Fahrausweis erwischt und angezeigt. In rund 98 Prozent der Fälle, die die SSB anzeigt, würde es nicht zu einer Verurteilung kommen, sagt die SSB. Das Gesetz habe aber für das Verkehrsunternehmen eine "wichtige und notwendige Signalwirkung", um "notorische Täter wirksam zu belangen", so die SSB.

Was ist die Alternative zur Ersatzfreiheitsstrafe?

Eine Möglichkeit ist, die Geldstrafe in Raten zu bezahlen. Damit kann der Verurteilte die Ersatzfreiheitsstrafe vermeiden. Das muss der Verurteilte bei der Staatsanwaltschaft beantragen. Für die, die auch das nicht schaffen, gibt es Programme wie "Schwitzen statt Sitzen". Damit können Verurteilte der Ersatzfreiheitsstrafe entgehen und stattdessen gemeinnützige Arbeit verrichten. Die Regeln dazu legt jedes Bundesland für sich fest. Aber auch hier gilt: Wer die Geldstrafe nicht zahlen kann und stattdessen gemeinnützige Arbeit leisten möchte, muss das bei der Staatsanwaltschaft beantragen.

Ein Ticketautomat steht an einer Haltestelle einer U-Bahn in Stuttgart-Sillenbuch.

Diskussion um Schwarzfahren Fahren ohne Ticket: Immer weniger Menschen deshalb verurteilt

In Baden-Württemberg sind in den vergangenen Jahren deutlich weniger Menschen wegen Schwarzfahrens verurteilt worden. Die meisten Urteile zogen demnach Geldstrafen nach sich.

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Aita Koha
Aita Koha
Maxim Flößer
Maxim Flößer ist Redakteur im SWR Studio Stuttgart
Egzona Hyseni

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