In mehreren Rathäusern in der Region Stuttgart wird darüber nachgedacht, ob Straßen vor Schulen für sogenannte "Elterntaxis" gesperrt werden. Denn eine neue Regelung des Verkehrsministeriums erleichtert das nun. Grund dafür ist, dass Eltern mit ihren Autos teilweise für Verkehrschaos vor den Schulen sorgen und sogar die Sicherheit von Kindern gefährden. Eine Umfrage des SWR bei mehreren Städten in der Region Stuttgart zeigt, dass über ein solches Verbot bereits nachgedacht wird - und manche haben sogar bereits konkrete Pläne.
"Elterntaxis": Städte haben nun mehr Möglichkeiten
Elterntaxis sind für die Kommunen schon seit längerem ein Problem, zeigt die Umfrage. Und obwohl ebenfalls schon länger über Lösungsansätze diskutiert wird, nehme das Problem eher zu, heißt es aus Waiblingen und Ludwigsburg. Alle angefragten Städte zeigen sich erfreut darüber, dass sie durch den Erlass der Landesregierung nun mehr dagegen unternehmen können: Nun können sie die Straße vor der Schule einfacher zu einer sogenannten "Schulstraße" erklären und sie dadurch zeitweise für Autos sperren.
Gesperrte "Schulstraßen" sind in Planung
Da die Landesregierung den Erlass erst vor wenigen Wochen veröffentlicht hat, kann es noch eine Weile dauern, bis mehr Schulstraßen oder Schulzonen tatsächlich ausgewiesen werden. Doch bereits zu Beginn des Schuljahres gibt es zumindest in Ludwigsburg eine konkrete Veränderung: Dort soll die Schulgasse zur Sophie-Scholl-Schule zur "Schulstraße" werden.
Aus Waiblingen heißt es, Schulstraßen seien in Planung. Doch ob und wo sie eingeführt werden, müsse der Gemeinderat entscheiden. Ähnliche Aussagen kommen auch aus anderen Rathäusern: Man prüfe, ob und wo sich "Schulstraßen" eignen und wolle dann abwarten, ob der Gemeinderat sie beschließt.
Tigerparty statt Verkehrschaos vor der Schule Weniger Elterntaxis: Grundschule belohnt Kinder, die zu Fuß kommen
Das Kind mit dem Auto vor die Schule fahren? Unnötig und gefährlich, sagt die Grundschule Bodelshausen. Dort werden Kinder fürs Laufen belohnt - mit Stempeln und Party.
Städte erwägen Alternativen zu "Schulstraßen"
Außerdem heißt es, an jeder Schule müsse man individuell abwägen, ob dort eine "Schulstraße" und damit ein Verkehrsverbot eingeführt werden soll. Denn Straßen dienten oft nicht nur als Weg zu einer Schule. Wenn sie zum Beispiel auch eine Zufahrt zu einem Parkhaus darstellten, könne man sie natürlich nicht ohne weiteres absperren, gibt die Stadtverwaltung Ludwigsburg zu bedenken. "Hier bieten sich dann eher bauliche Veränderungen an, zum Beispiel Einengungen oder Poller", teilt sie mit. So könne man zumindest verhindern, dass die ganzen "Elterntaxis" vor der Schule die Straße zuparken.
Kinder sollten ohne "Elterntaxi" zur Schule kommen
Die Kommunen sind sich darin einig, dass noch einiges getan werden muss, um "Elterntaxis" wirklich in den Griff zu bekommen. Die Stadt Waiblingen teilt mit, sie wünsche sich rechtlich verbindliche Regelungen - zum Beispiel, indem es ein Verkehrszeichen mit der Aufschrift "Schulzone" oder "Schulstraße" gibt.
Wichtig sei aber vor allem, dass Eltern umdenken: Sie sollten ihren Kindern beibringen, selbstständig zur Schule zu kommen - egal, ob zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus, wünscht sich die Waiblinger Stadtverwaltung. Das würde nicht nur Nachhaltigkeit fördern, sondern stärke auch die Sicherheit von Schülerinnen und Schülern. Die Ludwigsburger Stadtverwaltung äußert sich ähnlich. Es hänge in erster Linie von den Schulen ab, Eltern stärker für das Thema zu sensibilisieren.