Die Asiatische Tigermücke wird auch in der Region Stuttgart immer stärker heimisch. In rund jeder dritten Kommune im Kreis Ludwigsburg sei das Tier mittlerweile nachgewiesen worden, erklärt Tim Noseck, Sachgebietsleiter Klima- und Umweltschutz bei der Stadt Korntal-Münchingen. Der Kreis Ludwigsburg und das Stuttgarter Stadtgebiet bieten der Asiatischen Tigermücke gute Lebensbedingungen - und auch in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) wird das Tier zunehmend zum Problem.
Tigermücke hat sich in Korntal etabliert
"Die ersten Fälle der Asiatischen Tigermücke im Ortsteil Korntal wurden im Jahr 2021 gemeldet und bestätigt", erklärt Noseck. Da die Tiere mehrere Winter überstanden, könne man von einer etablierten Population sprechen. "Dies bedeutet, dass wir wie bei den meisten invasiven beziehungsweise gebietsfremden Arten tatsächlich wenig bis keine Chancen mehr haben, diese Population zu eliminieren", so der Klima- und Umweltschutzexperte. Durchgeführte Untersuchungen im Stadtgebiet hätten gezeigt, dass sich die Tigermücke großflächig im gesamten Ortsteil Korntal ausgebreitet habe. Allerdings seien nicht alle Straßen und Straßenzüge und somit auch nicht alle Haushalte dort betroffen.
Insektenstiche Juckende Mückenstiche: Welches Mittel schützt am besten?
Welche Inhaltsstoffe sind am wirksamsten gegen Insektenstiche? Was in den klassischen Mückensprays steckt, wie gut Hausmittel schützen und worauf man bei der Anwendung achten muss.
Experte: Tigermücke verschwindet nicht mehr
Ähnlich äußert sich die Stadt Waiblingen (Rems-Murr-Kreis). "Die Mücke hat sich in Teilen Waiblingens etabliert", erklärt Klaus Läpple vom Waiblinger Stabsbereich Klima und Umwelt. Erstmals sei sie 2023 in der Stadt nachgewiesen worden, in den beiden Folgejahren gab es weitere betroffene Straßen. Räumlich betrachtet gibt es einen Schwerpunkt in Waiblingen-Süd, vereinzelt sind aber auch andere Gebiete betroffen. "Die Meldungen haben 2025 zugenommen, aber nach wie vor mit Schwerpunkt Waiblingen-Süd", so Läpple. Das Landesgesundheitsamt gehe davon aus, dass sich die Asiatische Tigermücke weiter im Stadtgebiet ausbreiten werde. Man könne nicht damit rechnen, dass die Tigermücke wieder verschwinde, so Läpple.
Städte lassen kostenlos bti-Tabletten ausgeben
Die Tigermücke kann Arbovirosen wie Chikungunya-Fieber oder Dengue übertragen. In Korntal-Münchingen können die Menschen auf Kosten der Stadt entsprechende bti-Tabletten erhalten, die die Larven abtöten. "Die Kosten sind hier über die Jahre auf circa 10.000 Euro im Jahr 2025 gestiegen", heißt es aus dem Rathaus. Dies zeige zugleich, dass das Angebot wahrgenommen werde. "Noch sind die Wahrscheinlichkeiten sehr gering, infiziert zu werden", teilt die Stadt Waiblingen mit. Mit fortschreitendem Klimawandel und zunehmender Ausbreitung der Tigermücke erhöhe sich das Risiko aber.
Auch die Stadt Stuttgart hat ihren Kampf gegen die Tigermücke verschärft. In den besonders betroffenen Stadtbezirken Weilimdorf, Vaihingen und Mühlhausen können Anwohnende ab sofort eine kostenlose Beratung sowie Tabletten für die Bekämpfung der Tiere erhalten.
Plage im Südwesten Chikungunya-Virus: Wie gefährlich wird die Tigermücke am Oberrhein?
In Zukunft könnte die Tigermücke auch in Baden-Württemberg tropische Krankheiten übertragen. In Frankreich häufen sich bereits die Fälle des Chikungunya-Fieber.
Wo eine Tigermücke sticht, ist die Brutstätte nicht weit
Schon zu Beginn des Frühjahrs müsse eine Stadt wie Korntal-Münchingen wieder mit der Bekämpfung beginnen, erklärt Noseck. Das Ziel sei dann, die Anzahl der Tigermücken zu reduzieren, "damit die Hochphase der Tigermückensaison von August-Oktober für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger erträglich wird", so Noseck. Wer eine Tigermücke entdeckt oder sogar von ihr gestochen wird, kann sich als betroffene Person recht sicher sein, dass die Brutstätte auf dem eigenen Grundstück ist oder zumindest in der Nähe sein muss. Das liegt laut Noseck daran, dass Tigermücken relativ wenig fliegen und in ihrem Leben nur rund 100 bis 200 Meter zurücklegen.
Offene Wasserstellen sollten vermieden werden
Am wichtigsten bei der Bekämpfung der Tigermücke sei aber nicht die Tötung von erwachsenen Tieren. Stattdessen müssten mögliche Brutstätten vermieden werden, erklärt Tim Noseck. Dies gilt für sämtliche Stellen, an denen sich Wasser sammeln kann und wo es mehrere Tage lang steht, ohne zu verdunsten. Die Liste der Empfehlungen ist lang und umfasst beispielsweise auch Regentonnen und Gießkannen. "Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bewegtes Wasser (zum Beispiel Zierbrunnen), belebtes Wasser (Teich mit Fischbesatz) oder Wasserstellen ohne Rand (zum Beispiel Pfütze) keine bevorzugten Brutstätten sind", erklärt Noseck. Doch auch er ist sich sicher: "Diese Maßnahmen können bereits zu einer Besserung des Problems beitragen, dennoch werden wir definitiv mit dieser invasiven Art leben lernen müssen."