Nach Brandanschlag in Reutlingen

Baden-Württemberg will kritische Infrastruktur bei Google Maps löschen oder verpixeln

Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf das Umspannwerk in Reutlingen reagiert das Innenministerium. Fotos kritischer Infrastruktur sollen bei Google Maps und Co. verpixelt werden.

Teilen

Stand

Von Autor/in Henning Otte

Bei Online-Diensten wie Google Maps kann man sogar sehen, ob der Nachbar den Gartenzaun neu gestrichen hat. Aber wer Böses im Sinn hat, kann auch etwas auskundschaften. Zum Beispiel ein Umspannwerk.

Das baden-württembergische Innenministerium will bei Online-Diensten wie Google Maps die Straßenansichten von kritischer Infrastruktur löschen oder verpixeln lassen. Da geht es zum Beispiel um Bilder von Umspannwerken, also dem Knotenpunkt vieler Stromleitungen.

Hagel will Transparenz bei kritischer Infrastruktur anpassen

Innenminister Manuel Hagel (CDU) zieht damit Konsequenzen aus dem mutmaßlichen Brandanschlag auf ein Umspannwerk in Reutlingen vor knapp einem Monat. Bei Google Street View könne man zum Beispiel erkennen, wie hoch der Zaun um ein Umspannwerk sei. "Sie können quasi ganz bequem zuhause von der Couch mit dem Handy im Zweifelsfall einen Anschlag planen." Das müsse man dringend unterbinden. "Es kann doch nicht sein, wenn da jemand ein Umspannwerk ins Visier nimmt, dass wir gleich den passenden Kartenausschnitt noch mitliefern."

Zur kritischen Infrastruktur gehören neben der Energie- und Wasserversorgung unter anderem auch der öffentliche Nahverkehr, Kliniken und Telekommunikation. Bislang habe der Staat in vielen Bereichen auf maximale Transparenz gesetzt, sagte Hagel. Doch nicht jede Transparenzregel passe noch in die Zeit. Es sei zum Beispiel auch bedenklich, dass man auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes an sensible Daten komme und diese weiterverbreiten könne. Auch das müsse man korrigieren.

Reaktion auf Brandanschlag in Reutlingen

Durch das Feuer in dem Umspannwerk in Reutlingen am 8. Juni waren zeitweise Zehntausende Menschen über Stunden ohne Strom gewesen, auch ein Krankenhaus sowie zahlreiche Unternehmen waren betroffen. Schnell hatten sich Hinweise auf Brandstiftung verdichtet, nachdem ein möglicher Brandbeschleuniger entdeckt worden war. Ein oder mehrere Täter waren nach Erkenntnissen der Ermittler in das Gelände eingedrungen und hatten gleich an mehreren Stellen Feuer gelegt.

Reutlingen

Feuer löste Stromausfall aus Brandstiftung an Reutlinger Umspannwerk: LKA wertet Videoaufnahmen aus der Tatnacht aus

Nach dem Stromausfall in Reutlingen wertet das Landeskriminalamt Material von Überwachungskameras aus. Die Aufnahmen stammen von Firmen und Haushalten beim Umspannwerk.

Reutlingen

LKA sucht Täter, Haushalte und Betriebe wieder am Netz Nach dem Stromausfall in Reutlingen: Was bisher zur Brandstiftung und den Folgen bekannt ist

Nach dem Stromausfall in Reutlingen läuft die Suche nach den Brandstiftern. Was ist zu den Ermittlungen bekannt und was sind die Folgen?

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Baden-Württemberg

Bevölkerungsschutz immer häufiger gefordert Nach Stromausfall in Reutlingen: Rotes Kreuz will Erste Hilfe und Selbstschutz stärken

Hitze, Hochwasser und Sabotageakte. Das Rote Kreuz fordert, dass wir alle wieder fit in Erster Hilfe und Selbstschutz werden müssen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Henning Otte
SWR-Reporter und -Redakteur Henning Otte, SWR Landespolitik

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!