Seit Wochen bleibt es zu Beginn der Spiele in den deutschen Profi-Ligen still. Zwölf Minuten lang keine Fan-Gesänge, keine Anfeuerungsrufe, keine Pfiffe. Die Fans als sogenannter 12. Mann protestieren damit gegen Pläne einiger Landesinnenminister für mehr Sicherheit in den Stadien, über die bei der Innenministerkonferenz ab Mittwoch in Bremen diskutiert werden soll.
Neue Regelungen könnten mehr Aufwand für Fans bedeuten
Im Gespräch sind Stadionverbote, die vorsorglich ausgesprochen werden können - also, bevor eine betreffende Person eine Straftat begangen hat. Auch fünf baden-württembergischen Vereine (VfB Stuttgart, SC Freiburg, 1.FC Heidenheim, TSG Hoffenheim und Karlsruher SC) haben sich in einem gemeinsamen Statement gegen kollektive Einschränkungen ausgesprochen: "Gleichzeitig sprechen wir uns klar gegen kollektiv wirkende Einschränkungen wie verpflichtende Ticket-Personalisierungen oder pauschale Sanktionen aus, die den Großteil der Fans, die friedlich agieren, unverhältnismäßig treffen würden."
Außerdem wird über personalisierte Tickets nachgedacht. Hier fürchten Fans unter anderem eine umfassende Datenerfassung von jedem Stadionbesucher und lange Warteschlagen durch die Einlasskontrollen.
Mehr Sicherheit durch Kooperation
Baden-Württemberg hält Verschärfungen nach SWR-Informationen nicht zwingend für notwendig. Das Land will einer zentralen Stadionverbots-Kommission nur zustimmen, wenn es weiterhin lokale Kompetenzen vor Ort gibt. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) macht sich aufgrund der guten Erfahrungen vielmehr für eine bundesweite Umsetzung der Stadion-Allianzen stark.
Der CDU-Politiker spricht von einem Erfolgsmodell, das in ganz Deutschland ausgerollt werden sollte: "Mit den Stadion-Allianzen haben wir in Baden-Württemberg seit 2017 Pionierarbeit geleistet." Kommunikation statt Konfrontation, Vertrauen statt Misstrauen, gemeinsam statt gespalten - Vereine, Verbände, Fanprojekt, Kommunen und Polizei hätten für die Sicherheit bei Fußballspielen an einem Strang gezogen, so Strobl. Statt über verschärfte Verbotsszenarien nachzudenken will der BW-Innenminister seine Kollegen auf der Innenministerkonferenz von diesem Modell überzeugen, das für einen Rückgang von Gewalt und Einsatzstunden gesorgt hat.
Weniger Kräfte - geringere Kosten
Durch einen Rückgang bei Einsatzstunden und Einsatzkräften habe Baden-Württemberg allein in der vergangenen Saison mit den Stadion-Allianzen rund eine Million Euro eingespart, so Strobl gegenüber dem SWR: "Das entspricht in etwa der Summe, die wir unseren sechs Bundesliga-Vereinen für die Hochrisikospiele in Rechnung hätten stellen können. Dadurch hätten wir aber noch lange keinen Sicherheitsgewinn gehabt."
Nach Angaben des Innenministeriums gab es in der Saison 2024/25 trotz einem Zuschauerplus in den ersten fünf Fußballligen weniger Gewalt und weniger Einsatzstunden. Demnach ist die Zahl der Verletzten um 13 Prozent gesunken - von 145 auf 132. Mit 25.500 Polizisten seien in der vergangenen Saison neun Prozent weniger Kräfte eingesetzt worden. Im Schnitt wurden laut Ministerium pro Spiel 69 Polizisten in den ersten fünf Fußballligen eingesetzt - elf weniger pro Partie als in der Vorsaison. Bei 368 Spielen insgesamt.
Strobl: Stadion-Allianzen senken Kosten
Fazit des Innenministeriums und Werbe-Argument Strobls bei der Diskussion mit seinen Innenminister-Kollegen: "Seit Einführung der Stadion-Allianzen in Baden-Württemberg im Jahr 2017 sind die jährlichen Einsatzstunden der Polizei um 34.000 Stunden gesunken. Zudem seien die Einsatzkosten in der Spitze um bis zu zwei Millionen Euro zurückgegangen.
Auch die baden-württembergischen Vereine haben sich in ihrem gemeinsamen Statement für die Stadion-Allianzen ausgesprochen. In ihrem Schreiben vor der Innenministerkonferenz sprechen sie von einem bundesweit anerkannten und empirischen Erfolgsmodell für mehr Sicherheit bei Fußballspielen. Sie würden daher eine konsequente Umsetzung des Modells bundesweit an allen Standorten befürworten.