Fan stürzte vom Zaun

Aufarbeitung des Unfalls in Heidenheim - "Stadien in Deutschland sind sehr sicher"

Nach einem Unfall während eines Bundesliga-Spiels in der Heidenheimer Arena wird über die Sicherheit in Stadien gesprochen. Experten sehen den deutschen Fußball gut aufgestellt.

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Von Autor/in Johannes Holbein

Fußball-Fans, die auf Zäune klettern: Szenen, die wöchentlich in Deutschlands Stadien zu beobachten sind und über die aktuell viel diskutiert wird. Denn erst jüngst ist ein Fan des 1. FC Heidenheim von einem dieser Zäune in die Tiefe gestürzt und hat sich schwere Verletzungen zugezogen. Er musste um sein Leben kämpfen, mittlerweile soll er stabil sein.

Unfälle wie in Heidenheim sind selten

Oft sei es die Euphorie, die die Fans dazu bringe, auf die meterhohen Zäune zu steigen, sagt Daniel Metz vom Fanprojekt der Stuttgarter Kickers. Es gehe darum, "einen Sieg zu feiern, ein Tor zu feiern, nah dran sein zu wollen. Es ist ja auch häufig so, dass die Mannschaft zum Zaun kommt. Da will man nichts dazwischen haben, freie Sicht haben."

Nicht in jedem Bundesliga-Stadion gibt es diese Zäune. Die Entwicklung gehe eher in die Richtung, dass sie nicht mehr gebraucht würden, da sich die Fankultur selbst im Zaum halte, erklärt Fanforscher Harald Lange. "Da sind wir auf einem guten Weg, da hat sich in der Fankultur enorm viel getan: Sie ist emotionaler denn je und reflektierter denn je."

Rechtliche Lage ist klar

Ohnehin sind Unfälle wie in Heidenheim sehr selten. Das Sicherheitskonzept in deutschen Stadien gilt europaweit als vorbildlich. Die Stadien sind in der Regel sehr gut konzipiert. In vielen Arenen gibt es beispielsweise spezielle Podeste, auf denen die Fans, vor allem die Vorsänger, über die Zäune blicken können und einen vergleichsweise sicheren Stand haben.

Wenn allerdings doch etwas passiert, ist die Rechtslage klar. "Der Zuschauer muss auf seinen Platz gehen und dort bleiben. Selbstverständlich ist es, dass er nicht auf Zäune klettert, da muss er wegbleiben", sagt Rechtsanwalt Christoph Schickhardt.

Fans auf Zäunen wird es auch in Zukunft geben

Dass Vereine dieses Verbot durchsetzten und Fans vom Zaun holten, sei aber unrealistisch, sagt Fanforscher Lange. "Das würde nur zu neuen Konflikten führen, zu neuer Gewalt." Entscheidend sei der Austausch zwischen Fans, Vereinen und der Liga. Aktuell ist es so, dass es in den Stadien geduldet ist, dass Fans auf den Zäunen stehen.

"So hat man die gesamte Szene in gewisser Weise befriedet und dann ist schlimmeres in aller Regel nicht zu erwarten. Mit dieser Strategie fährt man in der Bundesliga seit vielen Jahren aus meiner Sicht sehr gut, es passiert vergleichsweise wenig und gleichzeitig ist die Stimmung gigantisch gut", erklärt Lange.

1. FC Heidenheim dauerhaft im Dialog mit den Fans

Der 1. FC Heidenheim ist auch dauerhaft im Dialog mit seinen Fans, nicht nur nach diesem Unfall. Das Ziel sei immer, das Stadionerlebnis für die Fans so sicher wie möglich zu gestalten. Petra Saretz, Vorstand Organisation und Lizenzierung, betont: "Wir haben ein sehr gutes Muster-Sicherheitskonzept, das alle Clubs in der Bundesliga adaptieren können. Wir werden einmal im Jahr durch die Dekra geprüft in unserem Sicherheitsmanagement und müssen da sehr sehr viele Vorgaben, die auch sinnvoll sind, umsetzen. Wir versuchen laufend, das Sicherheitskonzept weiter zu verbessern und wir dürfen bei der ganzen Sache nicht vergessen, dass wir einfach eine Großveranstaltung sind, mehrere zigtausend Menschen befinden sich an einem Ort und tragischerweise passieren Krankheits- und Unfallsituationen."

Knapp 500.000 Menschen gehen in der Bundesliga und in der 2. Liga durchschnittlich Woche für Woche ins Stadion, so das Institut für Soziologie von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Bei solchen Massen bleiben Unfälle wohl nie ganz aus, deshalb geht es darum, das Risiko zu minimieren. In Heidenheim - und an allen anderen Standorten.

Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Martin Thiel
Autor/in
Johannes Holbein