Millionenkosten für Polizeieinsätze

Stadionallianzen helfen gegen Gewalt: Fußball-Clubs bekommen weiterhin keine Rechnung

BW ist Vorreiter bei den Stadionallianzen. Polizei und Vereine arbeiten eng zusammen. Doch das Land möchte die Clubs nicht an Mehrkosten für Hochrisikospiele beteiligen.

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Von Autor/in Knut Bauer

Nach der WM rollt an diesem Wochenende wieder der Ball im Profi-Fußball. Während die Bundesliga erst Ende August in die neue Saison startet, geht’s in der zweiten und dritten Liga an diesem Wochenende wieder los, ebenso in der Regionalliga und in der Oberliga Baden-Württemberg. Tausende von Fans strömen in die Stadien. Das bedeutet auch Arbeit für die Polizei, die rund um die Spiele nicht nur den Verkehr regeln, sondern auch für Sicherheit sorgen soll.

Um sich gegen Krawalle zu wappnen und auf mögliche Auseinandersetzungen gegnerischer Fans vorzubereiten, setzt die Polizei in Baden-Württemberg auf die Stadionallianzen. Hier arbeiten die Beamten eng mit den Vereinen, mit Fanprojekten und mit den jeweiligen Kommunen zusammen. Regelmäßige Absprachen und Risikoanalysen, die sich am jeweiligen Gegner orientieren, sollen den Fußball sicherer machen. Baden-Württemberg ist bundesweit Vorreiter bei dieser Idee: 2017 sind im Südwesten erstmals Stadionallianzen eingeführt worden.

Innenministerium spricht von Erfolgsmodell

Die Kooperation von Polizeikräften, Fanvertretern, Vereinen und Städten hat laut Innenministerium zu weniger Gewalt und weniger Einsatzkosten rund um die Fußballspiele geführt. Die Zahl der Verletzten ist in der vergangenen Saison auf 91 zurückgegangen, in der Spielzeit 2024/25 hat die Polizei rund um die Spiele der ersten fünf Ligen noch 132 Verletzte registriert. Gleichzeitig ist die Zahl der Straftaten von 474 auf 452 zurückgegangen.

Auch die Einsatzstunden der Polizei konnten laut Ministerium reduziert werden: Von 174.000 in der Saison 2024/25 auf 165.000 in der vergangenen Spielzeit. Für Innenminister Manuel Hagel von der CDU ist daher klar: "Das zeigt, dass der Weg der Stadionallianzen wirkt. Allein in der letzten Saison konnten wir die Einsatz-Kosten um 600.000 Euro reduzieren, weil wir in einer Sicherheits-Partnerschaft unterwegs sind."

Auch die Vereine unterstützen das Projekt. Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart steht hinter dem Modell. Die Stadionallianzen sorgen aus seiner Sicht wegen der strategischen Einsatzplanungen für mehr Sicherheit rund um die Spiele: "Die Datenlage ist klar, Polizeikosten gehen zurück und die Gewalttaten gehen zurück. Deshalb würde ich mir wünschen, dass die Stadionallianzen auf ganz Deutschland ausgeweitet werden." Außer in Baden-Württemberg gibt es das Modell inzwischen in Niedersachsen, Bayern, Hessen, Berlin, Bremen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Steuerzahler bezahlen die Polizeieinsätze

Die Polizeieinsätze kosten im Durchschnitt zwischen 30.000 und 40.000 Euro pro Spiel - runtergerechnet auf die 368 Partien in der letzten Saison. Wobei klar ist, dass ein Polizeieinsatz in der Oberliga mit 500 Zuschauern wesentlich weniger kostet als bei einem Bundesligaspiel des VfB Stuttgart, des SC Freiburg oder der TSG Hoffenheim. Was aber nicht heißt, dass es in den unteren Spielklassen keine Ausschreitungen gibt. Bei einem Oberligaspiel der zweiten Mannschaft des Karlsruher SC gegen den SSV Reutlingen im Mai kam es zu massiven Krawallen mit einer Massenschlägerei. Drei Menschen wurden verletzt, 36 Personen sind festgenommen worden. Innenminister Hagel spricht zwar davon, dass der Fußball in Baden-Württemberg noch nie so sicher war, wie es aktuell der Fall ist. Das jüngste Beispiel aus der Oberliga zeigt aber auch: Stadionallianzen sorgen insgesamt zwar für weniger Gewalt, aber es gibt sie rund um Fußball-Spiele nach wie vor. 

Bremen beteiligt als einziges Land die Vereine an Mehrkosten

Bei der Risikoanalyse wird das Gewalt- und Aggressionspotential der jeweiligen Fanlager vor jedem Spiel neu bewertet. Wenn klar ist, dass es Ausschreitungen geben könnte, wird die Partie als "High-Risk" eingestuft, als Hochrisikospiel. Das sind in der ersten und zweiten Liga pro Saison bundesweit zwischen 50 und 60 Spiele. In Baden-Württemberg gab es in der Saison 2024/25 in den fünf Ligen von der Bundesliga bis zur Oberliga 17 solcher Begegnungen. In der vergangenen Saison waren es 14 Hochrisikospiele.

Bei diesen Spielen sind mehr Polizeikräfte im Einsatz, daher fallen zusätzliche Kosten an. Diese Mehrkosten stellt Bremen seit Jahren den Vereinen in Rechnung und im Januar 2025 hat das Bundesverfassungsgericht diese Praxis bestätigt. Das höchste deutsche Gericht gab dem Land Bremen im Streit mit der Deutschen Fußball Liga recht. Damit haben nun alle Länder die Möglichkeit, die Vereine für zusätzlich anfallende Kosten bei Hochrisikospielen zur Kasse zu bitten.

Vereine werden nicht an Mehrkosten beteiligt

Beim Volkssport Fußball hält sich die Politik in den Ländern bisher aber vornehm zurück. Obwohl es sich pro Bundesland nur um eine Handvoll Spiele jährlich handelt, ist Bremen bisher immer noch das einzige Land, das den Vereinen die Mehrkosten für Hochrisikospiele in Rechnung stellt. Wie schon sein Vorgänger Thomas Strobl lehnt auch Baden-Württembergs neuer Innenminister Manuel Hagel von der CDU eine Kostenbeteiligung der Vereine ab. Er verweist auf den Erfolg der Stadionallianzen: "Es gibt hierfür im Moment gar keinen Anlass, weil sich die Vereine an den Gesamtkosten der inneren Sicherheit beteiligen. Zum Beispiel durch präventive Maßnahmen oder durch die Ordnungsdienste im Stadion."

Der baden-württembergische Rechnungshof sieht das anders. Er fordert von der Landesregierung eine Gebührenregelung. Der Rechnungshof sieht auch keinen Widerspruch darin, die Stadionallianzen fortzuführen und gleichzeitig den Vereinen die Mehrkosten für Risikospiele zu berechnen. Weil bei Hochrisikopartien deutlich mehr Beamte im Einsatz seien als bei normalen Spielen. Dies verursache zusätzliche Kosten. Fazit der Prüfer: "Der Rechnungshof hält es - anknüpfend an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts - für legitim, die Kosten solcher Einsätze nicht allein der Allgemeinheit aufzubürden."

Tatsächlich sind die Kosten für die Polizeieinsätze mit zuletzt gut 12 Millionen Euro seit zwei Jahren zwar wieder rückläufig. Doch sie liegen immer noch gut 30 Prozent über den 9 Millionen Euro bei der Einführung der Stadionallianzen im Jahr 2017.  

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Knut Bauer
SWR-Reporter und -Redakteur Knut Bauer

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