Erstmals Doppelspitze in BW

Isabel Cademartori und Robin Mesarosch zu neuen SPD-Vorsitzenden gewählt

Nach dem schlechten Abschneiden bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die SPD neue Vorsitzende gewählt. Cademartori und Mesarosch wurden mit deutlicher Mehrheit gewählt.

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Von Autor/in Julia Kretschmer

Isabel Cademartori und Robin Mesarosch sind neue Vorsitzende der baden-württembergischen SPD. Für Cademartori stimmten 87,8 Prozent, für Mesarosch 78,5 Prozent der Delegierten auf dem Landesparteitag in Ulm. Zuvor hatten sie sich in einer Mitgliederbefragung mit 56,5 Prozent der Stimmen gegen die Einzelkandidaten Dorothea Kliche-Behnke und Carsten Lotz durchgesetzt. Kliche-Behnke und Lotz stellten sich beim Landesparteitag deshalb nicht mehr zur Wahl.

Das neue Führungsteam will die BW-SPD aus ihrer historischen Misere befreien. Bei der Landtagswahl im März hatte die Partei unter Führung des bisherigen Spitzenkandidaten Andreas Stoch nur 5,5 Prozent der Stimmen geholt, bundesweit das schlechteste Ergebnis jemals bei einer Landtagswahl.

Wer sind die neuen SPD-Landesvorsitzenden?

Cademartori ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete aus Mannheim, in der vergangenen Wahlperiode gewann sie als einzige SPD-Abgeordnete aus Baden-Württemberg ein Direktmandat. 2025 zog sie über die Landesliste in den Bundestag ein. Davor war die 38-jährige im Mannheimer Stadtrat. Sie gehört dem eher konservativen Seeheimer Kreis der SPD an.

Robin Mesarosch aus Sigmaringen war von 2021 bis 2025 im Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 verlor er sein Mandat wegen des schlechten Wahlergebnisses der SPD. Zuvor war Mesarosch eigenen Angaben zufolge unter anderem als Social-Media-Referent von Andrea Nahles, Martin Schulz und der SPD-Bundestagsfraktion tätig. Der 35-jährige gehört zum linken Parteiflügel.

Neue Vorsitzenden wollen Kommunikation verändern

Die neuen Vorsitzenden streben vor allem eine Veränderung im Kommunikationsstil der Partei an. "Die Rezepte der vergangenen Jahre sind offenkundig gescheitert und deshalb muss sich jetzt grundlegend was ändern", so Isabel Cademartori nach der Verkündung des Ergebnisses der Mitgliederbefragung zu Beginn der Woche. Es habe nicht funktioniert, so Robin Mesarosch, "dass die SPD fünf, sechs, sieben, acht Botschaften pro Woche absondert". Stattdessen wolle man in Zukunft zwei bis drei Kampagnen pro Jahr machen, bei denen man für zwei oder drei Monate über ein Thema sprechen will. So sollen potenzielle Wählerinnen und Wähler von den Ideen der SPD überzeugt werden.

Inhaltlich setzt die neue Doppelspitze auf klassische sozialdemokratische Themen wie Bezahlbarkeit, Gesundheitsversorgung und Arbeitsplätze. Aber auch auf Klimaschutz. Außerdem unterstützen sie die Forderung, dass das Verfassungsgericht prüfen soll, ob die AfD verboten werden kann. Frustrierte AfD-Wählerinnen und -Wähler wolle man zurückholen, indem man grundsätzlich an die Wurzeln der Probleme im Land gehe, so Mesarosch.

Ehemaliger Vorsitzender Stoch nicht mehr angetreten

Der bisherige Landesvorsitzende Andreas Stoch hielt am Nachmittag seine letzte Rede in dieser Rolle vor dem Parteitag. In ihr appellierte er an die Genossen, jetzt geschlossen zusammen zu stehen und nicht zu streiten. "Wir sind eine Partei der Zuversicht und diese Zuversicht müssen wir auch wieder verbreiten", so Stoch. Gerade in dieser wirtschaftlichen Lage sei das wichtig. Stoch war seit 2018 SPD-Landesvorsitzender. Bei der Landtagswahl im März holte die SPD mit Stoch als Spitzenkandidat nur 5,5 Prozent der Stimmen, schaffte den Einzug in den Landtag also nur knapp. Bei der Wahl 2021 erreichte die SPD noch 11 Prozent. Stoch kündigte seinen Rücktritt vom Partei- und Fraktionsvorsitz noch am Wahlabend an. 

Wahl des Generalsekretärs am Samstag

Neben inhaltlichen Debatten und Wahlen für weitere Posten im Landesvorstand, wird am Samstag auch ein neuer Generalsekretär gewählt. Einziger Bewerber ist bisher Jan-Peter Röderer. Der 40-jährige aus dem Wahlkreis Sinsheim war in der vergangenen Legislaturperiode Abgeordneter im Landtag. Bei der Wahl im März verpasste er den Wiedereinzug. Dem SWR sagte Röderer, er wolle sich darauf konzentrieren, die Partei in ihrem inhaltlichen Profil zu schärfen, eine bessere Kommunikation nach außen aber auch innerparteilich zu erreichen, sowie eine Modernisierung des Parteiapparats. Außerdem möchte er die kommunale Ebene der Partei stärken. Der bisherige Generalsekretär Sascha Binder kandidiert wegen des schlechten Abschneidens der Partei bei der Landtagswahl nicht mehr für das Amt. Er wurde stattdessen im März zum neuen Vorsitzenden der Landtagsfraktion gewählt.

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Julia Kretschmer
Julia Kretschmer Portrait SWR Volontärin 2022

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