Aufgrund eines Softwarefehlers haben rund 100 Abiturientinnen und Abiturienten in Baden-Württemberg ein fehlerhaftes - meist ein zu gutes - Zeugnis ausgestellt bekommen. Schuld ist laut Kultusministerium ein Softwarefehler des verwendeten Verwaltungsprogramms (WinProsa), das aus den Punkten die Abinote errechnet.
Falsche Abinoten: Abweichung klein, aber mit Auswirkungen
Betroffen sind rund 100 Schülerinnen und Schüler an 54 Gymnasien in Baden-Württemberg. Bei ihren Abizeugnissen liegt die Abweichung größtenteils bei einem bis zwei Zehnteln, also 0,1 bis 0,2. In nur sehr wenigen Fällen weicht die tatsächliche Note stärker ab. Alle Schülerinnen und Schüler haben aber die Hochschulreife erlangt. Bei rund 70 von ihnen wird die Korrektur des Fehlers Auswirkungen auf den Abiturschnitt haben, teilte das Kultusministerium am Nachmittag mit.
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Deshalb steht das Ministerium eigenen Angaben zufolge im Austausch mit dem Wissenschaftsministerium. Man wolle pragmatische Anpassungen der Abiturnoten im laufenden Bewerbungsverfahren für Studienplätze ermöglichen.
Grund für die Panne ist ein Programmierfehler
Grund für die Abweichungen ist laut Ministerium ein Programmierfehler der Software WinProsa des kommerziellen Anbieters CMH. Diese wird an den Schulen zur Verwaltung und Planung der gymnasialen Oberstufe eingesetzt. Das Unternehmen bedauert den Softwarefehler. Man sei seit dem ersten Bekanntwerden von Problemen mit den entsprechenden Schulen in Kontakt.
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Landesprogramm bislang nicht voll ausgebaut
Laut Kultusministerium hat die überwiegende Zahl der Gymnasien in Baden-Württemberg die Abiturnoten mit WinProsa berechnet, an den meisten sind demnach keine Fehler aufgetreten. Die vom Land bereitgestellte Schulverwaltungssoftware ASV-BW ist nicht betroffen. Sie ist in den vergangenen Jahren weiterentwickelt worden, zuletzt im Juni 2026. Sie verfügt inzwischen auch über Funktionen, die bislang nur von WinProsa und anderen kommerziellen Anbietern abgedeckt wurden. Ab dem kommenden Schuljahr soll die Landessoftware ASV-BW deshalb an allen öffentlichen Gymnasien und Gemeinschaftsschulen genutzt werden.
Da die Vorbereitung für einen Abiturjahrgang zwei Jahre vor der Prüfung beginnt, nämlich mit dem Eintritt der Schülerinnen und Schüler in die Kursstufe, haben viele Schulen in diesem Jahr noch WinProsa genutzt.
In Baden-Württemberg gibt es rund 460 öffentliche und private Gymnasien und 14 Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe. Rund 29.000 Schülerinnen und Schüler haben in diesem Jahr Abitur gemacht.
Heftige Kritik vom Philologenverband
Der Philologenverband Baden-Württemberg kritisiert die IT-Panne. WinProsa sei über Jahre das benutzerfreundlichere Programm gewesen. Der staatlichen Software ASV-BW hätten Funktionalitäten gefehlt, weshalb Lehrkräfte parallel beide Programme bedient hätten. Wer Schulen zur Zweigleisigkeit zwinge, weil er in sein eigenes Produkt nicht genügend Ressourcen stecke, nehme potenzielle Fehlerquellen billigend in Kauf, so die Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, Martina Scherer. Sie fordert unter anderem eine praxistaugliche, attraktive Landessoftware und lückenlose IT-Qualitätssicherung.