Künstliche Intelligenz für Unternehmen

KI-Boom beschert SAP starkes Wachstum im Abo-Geschäft

Die starke Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz beschert dem Walldorfer Softwarekonzern SAP neue Aufträge. Allerdings hat der KI-Boom für das Unternehmen auch Schattenseiten.

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Von Autor/in Alexander Winkler

Auf dem Papier laufen die Geschäfte bei Europas größtem Softwarekonzern prächtig: Im ersten Halbjahr erzielte der Konzern fast 19,4 Milliarden Euro Umsatz und rund 4,2 Milliarden Euro Gewinn - 17 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Starkes Cloud-Wachstum dank KI-Nachfrage

Vor allem das Geschäft mit Softwarelösungen über das Internet lief sehr gut. Der Auftragsbestand für Cloud-Lösungen ist bei SAP im zweiten Quartal um mehr als ein Viertel gestiegen. Allein zwischen April und Juni nahm der Konzern hiermit fast 6,3 Milliarden Euro ein.

Hintergrund ist der weltweite KI-Boom. Viele Unternehmen hoffen, mit Künstlicher Intelligenz innovativer zu arbeiten und Kosten zu senken. Dafür investieren sie in moderne Softwaresysteme aus der Cloud, also Anwendungen, die über das Internet bereitgestellt werden und sich schnell um KI-Funktionen erweitern lassen.

Unternehmen kaufen Software dabei nicht mehr einmalig, sondern bezahlen dauerhaft für die Nutzung über das Internet. Das schafft für SAP planbare Einnahmen, erhöht aber auch den Druck, die Angebote ständig weiterzuentwickeln - etwa um immer neue KI-Anwendungen. Unternehmen setzen diese zum Beispiel für die Auswertung großer Datenmengen oder das automatisierte Schreiben von Texten und Programmier-Codes ein.

Die Schattenseite des KI-Booms: SAP-Aktienkurs halbiert

Doch ausgerechnet KI setzt das bisherige SAP-Geschäftsmodell gleichzeitig enorm unter Druck. Denn Künstliche Intelligenz kann inzwischen selbst immer besser Software schreiben. Vor allem an der Börse herrscht deswegen Skepsis, ob klassische Softwarehersteller insgesamt überhaupt noch eine Zukunft haben oder ob generative KI einen Teil der bisherigen Leistungen ersetzt.

Diese Zweifel schlagen sich vor allem im Aktienkurs nieder: In den letzten eineinhalb Jahren hat sich der Wert der SAP-Aktie in etwa halbiert - von mehr als 280 Euro auf zwischenzeitlich weniger als 130 Euro.

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SAP-Chef Christian Klein setzt "alles auf KI"

Um zukunftsfähig zu bleiben, strukturiert SAP intern immer wieder um. Konzernchef Christian Klein setzt auch hier inzwischen "alles auf KI". Das bedeutet: KI-Funktionen sollen nicht nur in möglichst viele Produkte integriert werden, sondern werden auch im Unternehmen selbst immer stärker genutzt. Beschäftigte müssen neue Fähigkeiten lernen oder werden nach und nach ausgetauscht.

Gleichzeitig kauft SAP Unternehmen zu, die passende Technologien und Fachwissen mitbringen. Erst im Mai gab der Softwarekonzern zwei neue Übernahmen bekannt, darunter das Forschungs-Startup Prior Labs aus Freiburg, das sich auf die Datenanalyse mit KI spezialisiert hat.

"Gesetzeskonforme KI": SAP-Vorstand sieht Geschäftsmodell nicht in Gefahr

Dass SAP von KI ersetzt werden könne, sieht SAP-Chef Christian Klein jedoch nicht als Gefahr. Solche Sorgen versucht der CEO immer wieder zu zerschlagen, etwa gegenüber Aktionärinnen und Aktionären auf der SAP-Hauptversammlung.

Klein betont, aktuelle KI-Modelle seien alleine nicht zuverlässig genug, um darauf Unternehmensprozesse aufzubauen. Wer nämlich seine zentralen Unternehmensdaten in der Cloud verarbeitet, ist besonders darauf angewiesen, dass Datenschutz, IT-Sicherheit und die Qualität der KI-Modelle stimmen. SAP arbeite deshalb an Lösungen, die sicher, präzise und nachvollziehbar seien.

Die aktuellen Geschäftszahlen sieht Klein als Beleg: Kunden würden sich für SAP-Produkte entscheiden, weil sie genaue und gesetzeskonforme KI-Ergebnisse liefern könnten, die auf ihren eigenen Geschäftsprozessen und Daten basieren.

Gewinne trotz KI-Risiko: Wie sicher ist SAPs Zukunft?

Fest steht: Der KI-Boom bringt SAP derzeit hohe Umsätze und Gewinne. Ob der Konzern diese Stärke langfristig behaupten kann, auch wenn Künstliche Intelligenz immer häufiger zur Konkurrenz wird, hängt davon ab, wie gut sich seine Lösungen im Alltag der Kunden bewähren - und ob Anleger ihm diesen Kurs weiter zutrauen.

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Kontinuierlicher Abbau statt große Streichrunden SAP will weiter Stellen abbauen, in Wachstumsbereichen sollen aber auch neue entstehen

Der 2024 bei SAP eingeleitete Abbau von 10.000 Stellen ist mittlerweile abgeschlossen. Die Walldorfer wollen vor allem in zwei bestimmten Bereichen weiter sparen.

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Autor/in
Alexander Winkler
SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler

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