Die aus Langensteinbach bei Karlsruhe stammende KI-Unternehmerin Nicole Büttner ist neue FDP-Generalsekretärin. Die 40-Jährige wurde beim FDP-Bundesparteitag am Samstag in Berlin mit 80 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt. Damit übernimmt Büttner den Posten von Marco Buschmann, der persönliche Konsequenzen aus der Wahlniederlage der Liberalen im Februar gezogen hatte und zurückgetreten war.
Büttner will Digitalstrategien voran bringen
Büttner ist seit 20 Jahren FDP-Mitglied und Mitgründerin sowie CEO des erst vor wenigen Jahren gegründeten Technologieunternehmens Merantix Momentum. Die Firma entwickelt im Bereich Künstliche Intelligenz und Datenanalyse Lösungen für Unternehmen in diversen Branchen wie Finanzen, Gesundheitswesen und Automobilindustrie. Als Technologieexpertin beklagte Büttner in ihrer Rede unter anderem die "technologische Rückständigkeit" im Land und eine überbordende Bürokratie.
Unzählige Digitalstrategien seien in der Vergangenheit vorgestellt worden, und nun gebe es sogar ein eigenständiges Ministerium, sagte sie. "Aber wir, die wir hier arbeiten wollen, wir stehen immer noch auf dem Amt und warten." Büttner sprach sich unter anderem für eine App für alle Behördenkontakte und eine digitale Identität für alle aus. Außerdem seien mehr Investitionen in Bildung auf diesem Gebiet nötig.
FDP will Niederlage bei Bundestagswahl aufarbeiten
Der FDP riet Büttner zu einer gründlichen Aufarbeitung der Niederlage bei der Bundestagswahl. "Die tat sehr weh", sagte sie. Die Partei müsse daraus nun die richtigen Schlüsse ziehen und sich für Zukunftsthemen aufstellen. "Niemand wählt uns, weil wir früher mal gut waren", so Büttner am Samstag in Berlin. Die Partei müsse wieder sichtbar werden als Stimme der Vernunft und des Fortschritts.
Büttner ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Datenanalystin und hat außerdem einen Abschluss in Ökonometrie. Bevor sie in die Technologiebranche einstieg, arbeitete sie einige Jahre lang in der Vermögensverwaltung. Büttner stammt aus der Nähe von Karlsruhe, ihre Mutter kommt aus Jamaika. Sie ist verheiratet, Mutter zweier Kinder und lebt und arbeitet in Berlin. Ihr Weg in die Politik sei "ungewöhnlich", sagte die Unternehmerin.
"Ich sehe mich als ungewöhnliche Lösung in ungewöhnlichen Zeiten."
FDP-Bundesparteitag in Berlin Murren über designierte FDP-Generalsekretärin Büttner: BW-Liberale fürchten um Einfluss
Sie soll die neue Hoffnungsträgerin der abgestürzten Liberalen werden: die Tech-Unternehmerin Nicole Büttner. Doch in BW geht die FDP auf Distanz. Grund ist die Sorge um Einfluss.
BW-Chef Rülke: Büttner sei "überraschender Vorschlag"
Für den Landeschef der baden-württembergischen FDP, Hans- Ulrich Rülke, ist Büttner "ein überraschender Vorschlag aus der Berliner Start-up-Szene". Das erklärte der Fraktionsvorsitzende im BW-Landtag Anfang Mai. Kurz vor dem Parteitag sagte ein Sprecher der BW-FDP: "Das Engagement von Nicole Büttner im Landesverband liegt bereits viele Jahre zurück, daher trauen wir uns keine Einschätzung der Person zu."