Reaktion auf angekündigte Brauerei-Schließung

Mannheims OB Specht zum Eichbaum-Aus: "Wir sind maximal enttäuscht"

Nach dem Aus für die Mannheimer Eichbaum-Brauerei ist die Enttäuschung groß, auch bei der Stadtspitze. OB Specht erklärte, es habe einen tragfähigen Vorschlag zur Rettung gegeben.

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Von Autor/in Matthias Wiest

Der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) spricht von einer "Riesen-Enttäuschung". Seit Oktober sei die Stadtverwaltung mit der Geschäftsführung der insolventen Eichbaum-Brauerei im Gespräch gewesen, um alle möglichen Optionen für die Weiterführung des Traditionsunternehmens zu gewährleisten.

Es habe ein "ausverhandeltes Angebot" des Uniklinikums gegeben, dem die Verantwortlichen aber nicht zugestimmt hätten. Er habe die "letzte Hoffnung aber noch nicht aufgegeben".

Für SWR Aktuell hat Reporterin Esther Uhrig über das Aus für Eichbaum berichtet:

Uniklinikum hätte das Eichbaum-Gelände übernommen

Das Uniklinikum als Teil des neuen Klinikverbunds Heidelberg-Mannheim hatte vor einigen Wochen Interesse an dem Gelände der Brauerei bekundet. Der Betrieb hätte dann fortgeführt werden können, hieß es damals. Nun sind all diese Pläne vom Tisch, die Brauerei soll geschlossen werden. Offenbar haben die Gläubiger des insolventen Unternehmens ihre Zustimmung verweigert.

Klinikverbund bedauert Entwicklung

Der Verbund der Universitätskliniken Heidelberg und Mannheim äußerte sich am Dienstagnachmittag ebenfalls zu der angekündigten Brauerei-Schließung. Man sei in konstruktiven Gesprächen mit der Eigenverwaltung und dem Sachwalter der insolventen Brauerei gewesen.

Dabei ging es um die mögliche Übernahme des Eichbaum-Areals, das man für die bauliche Weiterentwicklung des Klinikums nutzen wollte. Auch für den Erwerb und die Fortführung des Brauereibetriebs sei eine Lösung ausgearbeitet worden.

Allerdings habe die Eigenverwaltung diese Gespräche "neu bewertet", weil "die wirtschaftliche Entwicklung des Brauereibetriebs die angestrebte Lösung unmöglich gemacht hat", so der Klinikverbund. Man bedauere die Entwicklung mit Blick auf die Mitarbeitenden und das Unternehmen sehr.

Mannheim

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Für die Mitarbeitenden der Mannheimer Brauerei kam die Nachricht am Montag überraschend. 240 Mitarbeitende stehen nun doch vor dem Aus. Der Schock sitzt tief.

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CDU Mannheim: Eichbaum-Aus ist "weiterer Rückschlag"

Die Mannheimer CDU sprach von einem "weiteren Rückschlag für den Wirtschaftsstandort Mannheim". Die Stadt verliere eines ihrer traditionsreichsten Unternehmen, wenn eine Rettung nicht doch noch gelinge. Das Aus für die Brauerei sei ein "weiteres Zeichen dafür, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für viele Unternehmen in Deutschland zunehmend schwieriger" würden.

Aus für Eichbaum: Solidarität mit den Beschäftigten

Auch die Mannheimer SPD-Gemeinderatsfraktion zeigte sich "tief betroffen über das Aus" der Brauerei. Mit der Einstellung des Geschäftsbetriebs würde die Geschichte eines der traditionsreichsten Unternehmen der Stadt enden. Rund 250 Beschäftigte sollen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Laut dem Fraktionsvorsitzenden Reinhold Götz würde die Stadt nicht nur ein Unternehmen mit einer jahrhundertealten Geschichte verlieren, sondern "auch ein Stück ihrer Identität". Die Mitarbeitenden mit langer Betriebszugehörigkeit würden besonders hart getroffen, weil der Sozialplan im Rahmen eines Insolvenzverfahrens auf maximal drei Monatsentgelte gedeckelt ist.

Die Linke und die gemeinsame Gemeinderatsfraktion mit der Tierschutzpartei und der Klimaliste verurteilen die Schließung von Eichbaum und den Verlust von 240 Arbeitsplätzen. Der "Niedergang einer der noch vor wenigen Jahren größten Brauereien von Baden-Württemberg" sei "klar auf Managementfehler zurückzuführen".

Grüne: "Ein Verlust für Mannheim"

Die Mannheimer Grünen schreiben, mit dem angekündigten Aus der Eichbaum-Brauerei verliere Mannheim seinen ältesten Betrieb. Neben einem Teil der Stadtgeschichte sei Eichbaum "ein Stück Heimat und gelebte Handwerkstradition für viele Menschen". Die Hoffnung, mit einem tragfähigen Konzept die Krise überwinden zu können, habe sich leider nicht erfüllt. Die Beschäftigten bräuchten jetzt keine "warmen Worte, sondern schnelle Unterstützung."

SV Waldhof: Große Betroffenheit

Der Fußball-Drittligist SV Waldhof Mannheim teilte am Dienstag mit, man habe die Nachricht über das Aus für den langjährigen Partner Eichbaum mit "großer Betroffenheit" aufgenommen. Die Brauerei habe das Leben in der Stadt geprägt und den SV Waldhof über viele Jahre begleitet.

IG Metall: "Eichbaum darf nicht sterben"

Die Mannheimer IG Metall will das Aus für die Eichbaum-Brauerei nicht hinnehmen. Eichbaum dürfe nicht sterben, erklärte IG Metall-Geschäftsführer Thomas Hahl: "Wenn Fehlentscheidungen getroffen wurden, dann dürfen nicht die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Rechnung bezahlen. Verantwortung muss dort übernommen werden, wo Entscheidungen getroffen werden. Manager müssen für ihre Fehler haften und sich ihrer Verantwortung stellen." Jetzt sei die Politik gefragt.

Hahl regte an, dass der benachbarte Klinikverbund das Betriebsgelände übernimmt. Die Rothaus-Brauerei, die sich im Besitz des Landes befindet, solle den Weiterbetrieb übernehmen. Damit könne das Aus für die Brauerei verhindert werden, so der Gewerkschafter.

Das baden-württembergische Finanzministerium erklärte auf SWR Anfrage, man habe die Anregung der IG Metall zur Kenntnis genommen,. Über ein mögliches Engagement entschieden die zuständigen Organe der Rothaus AG "nach wirtschaftlicher und rechtlicher Prüfung."

Speyerer Brezelfest: Große Probleme, wenn Eichbaum als Sponsor ausfällt

Die geplante Schließung der Mannheimer Eichbaum-Brauerei wirkt sich auch auf das Brezelfest in Speyer aus. Seit über 50 Jahren hat das Volksfest einen Exklusivvertrag mit Eichbaum. Er sei geschockt über die Nachricht, dass die Brauerei geschlossen wird, sagte Uwe Wöhlert vom Verkehrsverein Speyer, der das Brezelfest organisiert. Die Mannheimer liefern das Bier und sämtliche nicht-alkoholischen Getränke für die 300.000 Brezelfestgäste.

Außerdem stellen sie Sonnenschirme sowie Biertische und -bänke bereit und eine Bierpipeline, die sämtliche Wirte auf dem Festplatz versorgt. Die Einnahmen aus dem Exklusivvertrag mit Eichbaum seien Voraussetzung dafür, dass das Brezelfest überhaupt stattfinden kann, so Uwe Wöhlert. Bis 1969 hatte die Speyerer Storchenbrauerei die Getränke fürs Brezelfest geliefert, dann wurde sie von Eichbaum übernommen.

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Matthias Wiest
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