Der Bundestag hat am Freitag das Gebäudemodernisierungsgesetz verabschiedet. Es erlaubt unter anderem wieder den Einbau von neuen Gas- und Ölheizungen. Um dennoch das erklärte Ziel zu erreichen, dass Heizungen bis 2045 klimaneutral sind, setzt die Bundesregierung auf die schrittweise Beimischung von Biogas und Bioöl. Die Details dazu sollen im Herbst geregelt werden. Dem Mannheimer Energieversorger MVV geht das alles nicht weit genug.
MVV hat auf umfassendes "Gaspaket" gehofft
Laut einer EU-Richtlinie müssen die Mitgliedsstaaten den Gasmarkt fit für die Energiewende machen. Das heißt, es soll weniger fossiles Erdgas verbraucht und mehr Wasserstoff in die Energieversorgung integriert werden. Dafür müssen die Netzbetreiber ihre Netze umbauen und weiterentwickeln. Und dafür wiederum brauchen die Netzbetreiber entsprechende gesetzliche Vorgaben. "Gaspaket" wird dieser ganze Vorgang auch genannt. Dass das nun erst im Herbst kommen soll, bedauert die Mannheimer MVV. Denn dadurch gebe es weniger Planungssicherheit für Verbraucher und Energieunternehmen. Außerdem trage es nicht zu einer effizienten Gestaltung der Transformation bei.
"Fossile Brennstoffe in den Heizungskellern sind ein Auslaufmodell"
Grundsätzlich geht der Mannheimer Energieversorger davon aus, dass künftig weniger Gasnetze gebraucht werden und es deshalb auch um Stilllegungen geht. Die Planungen für den eigenen Gasausstieg laufen. Das hat in der Vergangenheit durchaus für Wirbel gesorgt, aber der MVV-Vorstandsvorsitzende Gabriël Clemens betont, dass daran auch die Verabschiedung des Gebäudemodernisierungsgesetzes nichts ändere. Fossile Brennstoffe in den Heizungskellern sind seines Erachtens ein Auslaufmodell.
Die Wärme der Zukunft kommt in Mannheim und vielen anderen Städten vor allem aus Fernwärme und Wärmepumpen.
Daran würden auch grüne Gase nichts ändern, so Clemens weiter, weil die ein erhebliches Kostenrisiko seien. Umso wichtiger sei es, dass sich die Verbraucher vor einem Heizungstausch umfassend und unabhängig beraten lassen.
MVV setzt unter anderem auf Flusswärmepumpen
Um künftig genug Fernwärme liefern zu können, baut die MVV gerade riesige Flusswärmepumpen auf dem Gelände des Mannheimer Großkraftwerks am Neckar. Die letzten Kohleblöcke sollen nach und nach abgebaut und so das Kraftwerk zu einem Ort werden, an dem man die Wende von der fossilen zu klimafreundlichen Energiegewinnung miterleben kann. 200 Millionen Euro betragen die Investitionskosten, ein Teil davon übernimmt der Bund. Gas hat in Mannheim keine Zukunft mehr.
Dass es rund 70 Kilometer neckaraufwärts, in Obrigheim, gerade Pläne für ein neues Gaskraftwerk gibt, hat damit übrigens nicht zu tun. Es soll gebaut werden, um die Versorgungssicherheit im Stromnetz zu erhöhen, wenn es zu wenig Wind oder Sonne gibt. Der angepeilte Standort ist das Gelände neben dem stillgelegten Atommeiler. Langfristig soll dann aber auch das Gaskraftwerk auf Wasserstoff umgerüstet werden.