Seit über zwei Jahren außer Betrieb

Warum es noch Telefonzellen in Mannheim gibt

Eigentlich sollten alle öffentliche Telefonzellen schon längst verschwunden sein. Doch im Mannheimer Stadtbild tauchen sie vereinzelt weiter auf. Die Bürokratie bremst den Abbau.

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Von Autor/in Vuk Dajović

Streng genommen sind es keine Telefonzellen, die an manchen Straßenecken in Mannheim zu finden sind - es sind Telefonstelen. Die geschützten Zellen mit Tür wurden schon ab der Jahrtausendwende abgebaut. Zu oft seien sie zweckentfremdet oder zerstört worden, so die Deutsche Telekom, die für die Stelen verantwortlich ist. Sie wurden im Januar 2023 abgeschaltet, die Münzzahlung bereits einige Jahre vorher. Seitdem wurden sie vorübergehend als Internet-Hotspot genutzt, um Funklöcher zu schließen.

Bis Anfang diesen Jahres wollte der Betreiber Telekom die letzten Anlagen abbauen - dafür wurde eine externe Firma beauftragt. Doch in ganz Deutschland findet man noch vereinzelt Telefonzellen. In Mannheim zum Beispiel am Toulonplatz in den Quadraten, am Neumarkt sowie an der Waldhofstraße im Stadtteil Neckarstadt-Ost.

Eine Telefonzelle in der Mannheimer Innenstadt
Eine der verbliebenen Telefonzellen am Mannheimer Toulonplatz.

12.000 Telefonzellen bei Abschaltung

Dass noch nicht alle der damals übrigen 12.000 Stelen verschwunden sind, liegt laut der Telekom vor allem an dem mit dem Abbau verbundenen Verwaltungsakt: "Bauämter müssen für jeden Tiefbau eine eigene verkehrsrechtliche Anordnung erstellen" und man benötige "Aufgrabe- und Absperr-Genehmigungen", heißt es laut einer Firmensprecherin auf dem Portal "t-online". Auf SWR-Anfrage bestätigt die Telekom das. Man müsse sich mit verschiedenen Ämtern, Baufirmen und dem lokalen Energieversorger koordinieren - "das brauche seine Zeit". Die Fundamente der Stelen reichen weit in den Boden, das mache den Vorgang aufwändig.

Telefonzellen - Ende in Sicht

Der Konzern geht davon aus, dass die letzten Exemplare Ende diesen Jahres wirklich verschwunden sind. Damit würde dann eine Ära enden, die 1881 in Berlin begonnen hat. Zu Hochzeiten waren es mehr als 160.000 Telefonzellen, die im Zeitalter vor Handys das Telefonieren von Unterwegs in Deutschland ermöglicht haben. Für die Abschaltung hat sich die Telekom nach eigenen Angaben wegen ausbleibenden Kunden bei zu hohen Energiekosten entschieden.

Doch nicht alle Zellen wurden verschrottet - manche leben weiter. Ein bekanntes Beispiel: Die Verwendung als Tauschbörse für Bücher. Solche Bücherschränke gibt es etwa in Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis) oder Neidenstein (Rhein-Neckar-Kreis).