Mannheim kämpft mit finanziellen Herausforderungen. Sinkende Einnahmen treffen auf wachsende Ausgaben. Besonders die Großbaustellen kosten die Stadt Millionen. Trotz schwieriger Lage sind die Investitionen für Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) essentiell. Am Montag hat er zu einer Baustellenführung durch die Stadt geladen. Manche Projekte liegen im Zeit- und Finanzierungsplan, andere wiederum nicht. Wichtig seien sie alle. Es geht unter anderem um Kunst- und Kulturstätten, Infrastruktur und Investitionen in Bildung und Kinderbetreuung.
In der Mannheimer Neckarstadt entsteht eine moderne Ganztagsschule
Baustellen gibt es in Mannheim überall: Brücken werden saniert und auch Haltestellen, wie der Karlsplatz im Mannheimer Stadtteil Rheinau. Die Stadt investiert auch in den Ausbau von Ganztagsschulen. Dazu zählt die Humboldtschule im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt. Der Neubau hat ein durchdachtes Konzept: hell, freundlich, mit viel grün und viel Platz. Die Kosten: 55,4 Millionen Euro. Ein Großprojekt, das sowohl im Zeit-, als auch im Kostenplan ist. Ähnliches gilt für den Mensa-Ausbau der Gerhart Hauptmann Schule im Stadtteil Rheinau.
Im Mannheimer Stadtteil Hochstätt entsteht eine Familien-Kita
Die neue Familienkita mit Krippen- und Kita-Plätzen in der Hochstätt soll Ende des Jahres fertig werden. Ursprünglich war die Eröffnung für September 2024 geplant. Hier entstehen rund 110 Plätze. Auf dem Gelände befindet sich bereits eine Interims-Lösung mit Containern, in denen rund 70 Kinder betreut werden. Betreuungsplätze werden in Mannheim dringend gebraucht. Nach Angaben der Abteilungsleiterin für Tageseinrichtungen in Mannheim, Daniela Krautz, warten aktuell rund 750 Kinder auf einen Platz.
Aufgrund der knappen Kassen und der laufenden Großbaustellen muss die Stadt Mannheim an vielen Stellen sparen. Sozialverbände schlagen Alarm. Die angespannte Lage ist Christian Specht bewusst und er zeigt auch Verständnis für den Unmut mancher Mannheimerinnen und Mannheimer.
Entscheidungen die damals getroffen wurden, sind heute, in einer Zeit, in der die Kassen leer sind und die Einnahmen einbrechen, natürlich schwer zu vermitteln.
Mannheimer Multihalle: "Wir sind als Stadt damit überfordert"
Die Multihalle sei Mannheims einziges Kulturdenkmal, betont Specht bei der Baustellenführung. Bei seiner jüngsten Reise nach Japan wurde er sogar darauf angesprochen. Die Multihalle sei ein wahrer "Denkmal-Schatz" und habe seiner Meinung nach auch ein touristisches Potenzial. Specht werde regelmäßig nach dem Gebäude gefragt, viele Mannheimerinnen und Mannheimer würden sich für den Erhalt aussprechen. Es fehlten allerdings weiterhin die Finanzierung und ein tragfähiges Konzept. Man sei als Stadt damit überfordert und hoffe, dass man es als nationales Kulturdenkmal anerkenne und weitere Fördermittel beantragen könne. Das Gebäude wurde 1975 als temporäres Gebäude geplant und soll zum dauerhaften Erhalt umgebaut werden. Das sei aufwendig und kostspielig, so Belinda Otremba, Projektleiterin für Dach und Tragwerk.
Für die Sanierung der Multihalle wurden 31,7 Millionen Euro veranschlagt. Das Geld reicht allerdings nicht. Deshalb wird derzeit nur die große Halle saniert. Planmäßig soll sie Ende 2027 fertig sein.
Mannheimer Kombibad soll im Herbst 2026 eröffnen
Das Kombibad am Herzogenriedpark in der Mannheimer Neckarstadt solle ein Bad für alle Generationen werden, so Oberbürgermeister Specht. Die Kosten seien allerdings "aus dem Ruder gelaufen." Ursprünglich waren 31,5 Millionen veranschlagt, aktuell belaufen sich die Kosten auf rund 65 Millionen Euro. Die Eröffnung musste verschoben werden und soll im Herbst 2026 nachgeholt werden. Ab dann müsse wohl auch das Herschelbad in der Mannheimer Innenstadt den Betrieb einstellen, so Specht. Zum einen aus Kostengründen und zum anderen brauche man die Mitarbeitenden dringend im neuen Kombibad.
Mannheimer Nationaltheater soll zur Spielzeit 2028/2029 fertig sein
Die Großbaustelle am Goetheplatz in Mannheim läuft auf Hochtouren. Bis zu 70 unterschiedliche Gewerke seien hier parallel am Arbeiten, so der technische Betriebsleiter Marcus Augsburger. Momentan liege man im Zeitplan, man müsse allerdings von Tag zu Tag schauen, so Augsburger weiter.
In dem Gebäude selbst seien die Zustände sehr unterschiedlich: Während im zukünftigen Backstage-Bereich schon gestrichen werde, sieht der zukünftige Orchestergraben immer noch aus wie eine Großbaustelle. Für die Fertigstellung des Baus fehlten laut Specht zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Je nachdem, ob man die Entsiegelung und Sanierung des umliegenden Goetheplatz mit berechne.
Das Mannheimer Nationaltheater sei ein Dilemma gewesen, so Specht. Die Entscheidungen seien bereits vor Jahren getroffen worden, die Sanierung und baulichen Veränderungen seien so weit voran geschritten, dass ein Baustopp eine Bauruine und auch die Rückzahlung von Fördergelder bedeutet hätte.