Großstadt mit den meisten Schulden in BW

Hohe Investitionen trotz leerer Kassen in Mannheim: Wie passt das zusammen?

Mannheim ist die am stärksten verschuldete Großstadt in Baden-Württemberg. Trotzdem wird gerade so viel gebaut wie nie. In was wird Geld investiert und wie laufen die Bauarbeiten?

Teilen

Stand

Von Autor/in Melanie Holstein

Mannheim kämpft mit finanziellen Herausforderungen. Sinkende Einnahmen treffen auf wachsende Ausgaben. Besonders die Großbaustellen kosten die Stadt Millionen. Trotz schwieriger Lage sind die Investitionen für Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) essentiell. Am Montag hat er zu einer Baustellenführung durch die Stadt geladen. Manche Projekte liegen im Zeit- und Finanzierungsplan, andere wiederum nicht. Wichtig seien sie alle. Es geht unter anderem um Kunst- und Kulturstätten, Infrastruktur und Investitionen in Bildung und Kinderbetreuung.

In der Mannheimer Neckarstadt entsteht eine moderne Ganztagsschule

Baustellen gibt es in Mannheim überall: Brücken werden saniert und auch Haltestellen, wie der Karlsplatz im Mannheimer Stadtteil Rheinau. Die Stadt investiert auch in den Ausbau von Ganztagsschulen. Dazu zählt die Humboldtschule im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt. Der Neubau hat ein durchdachtes Konzept: hell, freundlich, mit viel grün und viel Platz. Die Kosten: 55,4 Millionen Euro. Ein Großprojekt, das sowohl im Zeit-, als auch im Kostenplan ist. Ähnliches gilt für den Mensa-Ausbau der Gerhart Hauptmann Schule im Stadtteil Rheinau.

Man sieht eine Großbaustelle: viele Baugeräte, Krane und Baumaterialien. Hier entsteht eine Schule.
Noch ist der Neubau der Humboldtschule eine Baustelle. Bald sollen hier ein Garten und Schulhof entstehen. Bild in Detailansicht öffnen
Eine große Halle mit hohen Decken und offenen Fenstern.
Das ist eine von zwei neuen Sporthallen. Die zweite ist direkt obendrüber. Bild in Detailansicht öffnen
Man sieht eine abgerundete Wand. In der neuen Schule gibt es nur wenig Ecken.
Im Eingangsbereich wurden auf Ecken verzichtet. Die Wände sind abgerundet. Bild in Detailansicht öffnen
Man sieht ein Schulgebäude und davor eine große Baustelle. Hier entsteht eine neue Mensa.
Die neue Mensa an der Gerhart Hauptmann Schule ist größer und soll auch als Versammlungsstätte genutzt werden. Bild in Detailansicht öffnen

Im Mannheimer Stadtteil Hochstätt entsteht eine Familien-Kita

Die neue Familienkita mit Krippen- und Kita-Plätzen in der Hochstätt soll Ende des Jahres fertig werden. Ursprünglich war die Eröffnung für September 2024 geplant. Hier entstehen rund 110 Plätze. Auf dem Gelände befindet sich bereits eine Interims-Lösung mit Containern, in denen rund 70 Kinder betreut werden. Betreuungsplätze werden in Mannheim dringend gebraucht. Nach Angaben der Abteilungsleiterin für Tageseinrichtungen in Mannheim, Daniela Krautz, warten aktuell rund 750 Kinder auf einen Platz.

Man sieht ein hellgrünes Gebäude mit der Aufschrift: Familien-Kita Hochstätt
Die neue Familien-Kita ist zweistöckig. Oben gibt es eine Krippe und unten eine Kita. Bild in Detailansicht öffnen
Man sieht einen Garten mit Hochbeeten und Klettergerüsten.
Die Familien-Kita hat einen Garten: Mit Klettergerüsten, Hochbeeten und Grünflächen. Bild in Detailansicht öffnen
Ein grüner Raum mit kleinen Holz-Spinden und Garderoben.
Jede Gruppe hat einen eigenen Garderoben-Raum. Bild in Detailansicht öffnen
Man sieht ein Kinder-Badezimmer. Mit Wickeltisch und Waschbecken auf Kinderhöhe.
Die Toiletten sind rollstuhlgerecht und mit einem Wickeltisch versehen. Bild in Detailansicht öffnen

Aufgrund der knappen Kassen und der laufenden Großbaustellen muss die Stadt Mannheim an vielen Stellen sparen. Sozialverbände schlagen Alarm. Die angespannte Lage ist Christian Specht bewusst und er zeigt auch Verständnis für den Unmut mancher Mannheimerinnen und Mannheimer.

Entscheidungen die damals getroffen wurden, sind heute, in einer Zeit, in der die Kassen leer sind und die Einnahmen einbrechen, natürlich schwer zu vermitteln.

Mannheimer Multihalle: "Wir sind als Stadt damit überfordert"

Die Multihalle sei Mannheims einziges Kulturdenkmal, betont Specht bei der Baustellenführung. Bei seiner jüngsten Reise nach Japan wurde er sogar darauf angesprochen. Die Multihalle sei ein wahrer "Denkmal-Schatz" und habe seiner Meinung nach auch ein touristisches Potenzial. Specht werde regelmäßig nach dem Gebäude gefragt, viele Mannheimerinnen und Mannheimer würden sich für den Erhalt aussprechen. Es fehlten allerdings weiterhin die Finanzierung und ein tragfähiges Konzept. Man sei als Stadt damit überfordert und hoffe, dass man es als nationales Kulturdenkmal anerkenne und weitere Fördermittel beantragen könne. Das Gebäude wurde 1975 als temporäres Gebäude geplant und soll zum dauerhaften Erhalt umgebaut werden. Das sei aufwendig und kostspielig, so Belinda Otremba, Projektleiterin für Dach und Tragwerk.

Eine runde Holz-Halle mit organischen Formen. Darin steht ein großes Gerüst.
Aktuell stehen in der Multihalle rund 34.000 Kubikmeter Gerüst.

Für die Sanierung der Multihalle wurden 31,7 Millionen Euro veranschlagt. Das Geld reicht allerdings nicht. Deshalb wird derzeit nur die große Halle saniert. Planmäßig soll sie Ende 2027 fertig sein.

Mannheimer Kombibad soll im Herbst 2026 eröffnen

Das Kombibad am Herzogenriedpark in der Mannheimer Neckarstadt solle ein Bad für alle Generationen werden, so Oberbürgermeister Specht. Die Kosten seien allerdings "aus dem Ruder gelaufen." Ursprünglich waren 31,5 Millionen veranschlagt, aktuell belaufen sich die Kosten auf rund 65 Millionen Euro. Die Eröffnung musste verschoben werden und soll im Herbst 2026 nachgeholt werden. Ab dann müsse wohl auch das Herschelbad in der Mannheimer Innenstadt den Betrieb einstellen, so Specht. Zum einen aus Kostengründen und zum anderen brauche man die Mitarbeitenden dringend im neuen Kombibad.

Man sieht 50 Meter lange Schiwmmbahn.
Mithilfe einer hochklappbaren "Rückbank" in der Mitte lässt sich die 50 Meter Bahn teilen. So können parallel auch Schwimmkurse stattfinden. Bild in Detailansicht öffnen
Menschen mit Warnwesten und Helmen stehen in einem großen Raum. Hier entsteht bald ein Schwimmbad. Man kann die Schwimmbecken schon sehen.
Ein Blick in die Schwimmhalle: Hier entsteht ein 40 Quadratmeter großes Kinderbecken. Bild in Detailansicht öffnen
Man sieht ein Schwimmbecken mit einem Kletterturm.
Von einer Kletterwand kann man ins Becken springen. Gegenüber steht auch ein Sprungturm. Bild in Detailansicht öffnen

Mannheimer Nationaltheater soll zur Spielzeit 2028/2029 fertig sein

Die Großbaustelle am Goetheplatz in Mannheim läuft auf Hochtouren. Bis zu 70 unterschiedliche Gewerke seien hier parallel am Arbeiten, so der technische Betriebsleiter Marcus Augsburger. Momentan liege man im Zeitplan, man müsse allerdings von Tag zu Tag schauen, so Augsburger weiter.

In dem Gebäude selbst seien die Zustände sehr unterschiedlich: Während im zukünftigen Backstage-Bereich schon gestrichen werde, sieht der zukünftige Orchestergraben immer noch aus wie eine Großbaustelle. Für die Fertigstellung des Baus fehlten laut Specht zwischen 20 und 30 Millionen Euro. Je nachdem, ob man die Entsiegelung und Sanierung des umliegenden Goetheplatz mit berechne.

Die Außenfassade vom Mannheimer Nationaltheater - davor stehen Bagger und Baumaterialien
Die Bauarbeiten am Mannheimer Nationaltheater laufen auf Hochtouren. Bild in Detailansicht öffnen
Vor dem Mannheimer Nationaltheater ist ein riesiger Graben.
Tief unter dem Eingang entsteht der Orchestergraben. Bild in Detailansicht öffnen
Nationaltheater
Ein Blick unter das Mannheimer Nationaltheater. Bild in Detailansicht öffnen
Nationaltheater
Im Keller entstehen auch neue Werkstätten. Bild in Detailansicht öffnen

Das Mannheimer Nationaltheater sei ein Dilemma gewesen, so Specht. Die Entscheidungen seien bereits vor Jahren getroffen worden, die Sanierung und baulichen Veränderungen seien so weit voran geschritten, dass ein Baustopp eine Bauruine und auch die Rückzahlung von Fördergelder bedeutet hätte.

Mannheim

Viele Herausforderungen für 2025 und 2026 Fast vier Milliarden Euro: Mannheim beschließt Doppelhaushalt

Der Mannheimer Gemeinderat hat den Doppelhaushalt für 2025 und 2026 beschlossen. Die Stadt will mehr als 360 Millionen Euro investieren - trotz der hoher Belastungen.

Mannheim

62,5 Millionen Euro Mehrkosten - Bund lehnt weitere Förderung ab Sanierung des Nationaltheaters Mannheim: Gemeinderat mit Rücken zur Wand

Nächster Akt im Drama um die explodierenden Kosten für das neue Nationaltheater in Mannheim: Der Gemeinderat steht mit dem Rücken zur Wand, verhindert vorläufig einen Baustopp.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Melanie Holstein

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!