Jüdische Gemeinde Mannheim äußert Kritik

Vor Naidoo-Konzerten in Mannheim: SAP Arena sieht keinen Grund für Auftrittsverbot

Anfang 2026 will Naidoo in der Mannheimer SAP Arena auftreten. Die Jüdische Gemeinde fordert eine Tour-Absage, die SAP Arena sieht dagegen keinen Grund für ein Auftrittsverbot.

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Von Autor/in Monika Regelin

Ende Januar 2026 sind zwei Konzerte des umstrittenen Sängers Xavier Naidoo in der SAP Arena in Mannheim geplant. Die Comeback-Tour des Sängers startet Mitte Dezember mit zwei Konzerten in Köln.

In einem offenen Brief hatte die Jüdische Gemeinde Mannheim in der vergangenen Woche die Kölner Lanxess Arena und den Konzerveranstalter des Sängers aufgefordert, die Konzerte abzusagen. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim, Heidrun Deborah Kämper, hat ihren Protest gegen die angekündigte Naidoo-Konzerttour gegenüber dem SWR bekräftigt.

Zur Begründung erklärte sie schriftlich: Xavier Naidoo habe sich über so lange Zeit nicht gescheut, zutiefst antisemitische Stereotype und Verschwörungsmythen zu verbreiten. Er sei vor Reichsbürgern aufgetreten, sei im antisemitischen Milieu verankert. Deshalb sei man misstrauisch.

In Zeiten wie diesen ist die jüdische Gemeinschaft noch einmal sensibler geworden.

Jüdische Gemeinde fordert Absagen der Naidoo-Konzerte

Auch im offenen Brief der Jüdischen Gemeinde Mannheim heißt es: Es sei weithin bekannt, dass Naidoo sich in einer Reihe von Texten judenfeindlich geäußert und Verschwörungsmythen verbreitet habe. Die Wiederholungen judenfeindlicher Stereotype lasse eine "Distanzierung" Naidoos von diesen Texten nicht glaubhaft erscheinen.

Konzertveranstalter sieht bei Naidoo ernsthafte Selbstkritik

Der Konzertveranstalter, die Frankfurter Agentur "Live Nation", habe der Jüdischen Gemeinde Mannheim daraufhin geantwortet, es gebe keinen Grund, Xavier Naidoo eine zweite Chance zu verweigern, berichtet Kämper gegenüber dem SWR. Naidoo habe sich im April 2022 öffentlich zu Toleranz, Vielfalt und einem friedlichen Miteinander bekannt, heißt es in der Antwort des Veranstalters weiter. Gleichzeitig habe er Nationalismus, Rassismus, Homophobie und Antisemitismus auf das Schärfste verurteilt.

Mannheimer SAP Arena sieht keinen Grund für Konzertabsage

In Mannheim will Xavier Naidoo bei zwei Konzerten am 23. und 24. Januar 2026 in der SAP Arena auftreten. Diese sind laut Konzertveranstalter "restlos ausverkauft". Auf SWR-Anfrage hieß es von seiten der SAP Arena zur Kritik der Jüdischen Gemeinde Mannheim schriftlich: "Wir akzeptieren selbstverständlich eine andere Sichtweise, haben uns aber entschieden den Künstler und dessen Distanzierung beim Wort zu nehmen."

Wir sehen hierin eine klare Distanzierung von früheren Positionen.

Die SAP Arena sei ein "weltoffener Veranstaltungsort" und fühle sich "unverrückbaren Werten des freiheitlichen Rechtsstaates" verpflichtet. "Diese Haltung umfasse selbstverständlich den Schutz von Minderheiten und Religionen. Auch das Existenzrecht Israels ist ebenso unantastbar wie unverhandelbar," so die SAP Arena auf SWR-Anfrage weiter.

Xavier Naidoo habe in den vergangenen Jahren auf Grund vielfältiger umstrittener Äußerungen immer wieder "nachvollziehbare Kritik auf sich gezogen", die man bei der SAP Arena im Übrigen teile. Naidoo selbst habe mit Blick auf frühere Äußerungen von "Irrwegen gesprochen und sich davon klar losgesagt", so die SAP Arena weiter.

SAP Arena in Mannheim
Die SAP Arena in Mannheim Zoonar

Naidoo nach Pause wieder auf Tour

Nach langer Pause will Xavier Naidoo ab Mitte Dezember wieder in mehreren Städten auftreten. 2022 veröffentlichte er ein Video, in dem er sich für seine Äußerungen entschuldigte. Bis zuletzt wollten viele Städte Xavier Naidoo aufgrund seiner rechtspopulistischen und antisemitischen Aussagen keine Bühne mehr bieten - darunter auch seine Heimatstadt Mannheim.

Der SWR hat Naidoo über seine Firma "Naidoo records" um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der Jüdischen Gemeinde Mannheim gebeten. Eine Sprecherin seiner Firma lehnte das bisher ab.