Mehr als 300 Euro hat Kirstin Marx aus Koblenz allein für Schulbücher zum Schulstart ausgegeben. Um Geld zu sparen, kaufte sie möglichst viele Bücher gebraucht - über Online-Plattformen, auf Basaren oder von Bekannten. Doch mit den Büchern ist es längst nicht getan. Dazu kommen Arbeitshefte, Schreibhefte, Zirkel, Geodreieck, Stifte, Taschenrechner und Farbkasten. Am Ende waren es fast 400 Euro.
Das hätte auch ein guter Monatseinkauf für Lebensmittel oder sogar ein kleiner Urlaub sein können.
Familie unter finanziellem Druck
Das Geld kann die gelernte Malerin und Lackiererin nicht mal eben aus der Haushaltskasse bezahlen: "Das hätte auch ein guter Monatseinkauf für Lebensmittel oder sogar ein kleiner Urlaub sein können." Jetzt muss die Familie an anderer Stelle sparen: "Neue Kleidung kaufen wird jetzt erst mal hinten angestellt und beim Essen brauchen wir erst einmal die Vorräte auf, bevor wir neue Lebensmittel kaufen."
Den neuen Schulranzen für die jüngere Tochter, die von der Grundschule auf die Realschule wechselt, haben zum Glück die Großeltern gekauft. Die ältere Tochter kommt in die siebte Klasse. Ihr Ranzen müsse noch bis zum Schulabschluss durchhalten, sagt Kirstin Marx. Einen neuen kann sich die Familie nicht leisten. Denn Schulranzen haben ihren Preis: 150 bis 300 Euro oder auch mehr kosten sie inzwischen.
Nicht nur einkommensschwache Familien betroffen
Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für Schulbücher in diesem Jahr um 2,3 Prozent gestiegen. Anderes Material wie Füller, Stifte oder Farbkästen kosten sogar 3,5 Prozent mehr. Das erhöht den finanziellen Druck auf Familien, vor allem, wenn sie mehrere Kinder haben.
Das bestätigt auch der Landeselternbeirat Rheinland-Pfalz. Dabei seien inzwischen nicht nur einkommensschwache Familien betroffen. "Auch Familien mit durchschnittlichem Einkommen berichten, dass die Ausgaben zum Schuljahresbeginn zunehmend zur Belastung werden", sagt Landeselternsprecher Denis Scholz.
Besonders auf weiterführenden Schulen steige zusätzlich der Druck durch Markenprodukte. Kleidung, Schulranzen, Rucksäcke oder digitale Geräte würden unter den Schülerinnen und Schülern miteinander verglichen. Soziale Medien verstärkten diesen Effekt zusätzlich.
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Hilfe für Familien mit knapper Kasse
Verschiedene Initiativen versuchen deshalb, Familien beim Schulstart zu unterstützen. Sie sammeln gebrauchte Schulbücher, Schulranzen und Schulmaterialien und geben sie kostenlos weiter.
So wie Jessica Kersten aus Germersheim. Seit drei Jahren organisiert sie über soziale Medien Spenden für Familien. Sie vermittelt alles, was für den Unterricht gebraucht wird. Mit Erfolg: In diesem Jahr konnte sie bereits 47 Schullisten vollständig erfüllen.
Ich liebe es, den Menschen zu helfen. Ich mache das von Herzen gerne.
Besonders schade findet sie, dass sich viele Eltern schämten, um Hilfe zu bitten. "Es tut mit wirklich sehr leid, wenn Mamas mir schreiben, dass sie sich nicht trauen oder es ihnen peinlich ist, mich um Hilfe zu bitten." Kersten versichert, dass bei ihr alles ohnehin immer anonym laufe. "Ich liebe es, den Menschen zu helfen. Ich mache das von Herzen gerne", sagt sie.
Auch in Trier gibt es Unterstützung. Dort organisiert das Triki-Büro jedes Jahr eine Schulranzen-Aktion. Familien erhalten die Ranzen über Schulen, Kitas, Familienzentren oder Sozialarbeiter.
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Schulbuchausleihe soll künftig Geld sparen
Bisher ist Kirstin Marx mit dem Kauf gebrauchter Bücher immer gut gefahren. Doch im nächsten Schuljahr will sie die Schulbuchausleihe ausprobieren. Dabei muss sie nur einen Teil des Kaufpreises zahlen. Allerdings sind keine Arbeitshefte oder bestimmte Bücher wie Bibel oder Atlas darin enthalten. Außerdem hat sie Sorge, dass die geliehenen Bücher kaputt oder verloren gehen könnten. Und dann würde es richtig teuer, sagt sie.
Wenn man am Ende des Schuljahres sieht, dass mit den Schulbüchern gar nicht gearbeitet wurde, dann ärgere ich mich schon.
Die zweifache Mutter hat viel Geld und viel Zeit investiert, um alle Schulbücher und Materialien rechtzeitig zum Schulstart zu haben. Deshalb ärgert sie sich über eine Sache ganz besonders: "Wenn man am Ende des Schuljahres sieht, dass mit den Schulbüchern oder auch Arbeitsheften gar nicht gearbeitet wurde, dann ärgere ich mich schon."
Ihr Wunsch wäre eine kostenlose Ausleihe an der Schule für alle. Das gibt es etwa in Hessen oder in Baden-Württemberg. Dort werden Schulbücher und zum Teil auch digitale Lehrmittel und Arbeitshefte kostenlos zur Verfügung gestellt. Das wäre auch in Rheinland-Pfalz für Familien eine spürbare Entlastung - gerade in Zeiten, in denen der Schulstart jedes Jahr teurer wird.