Auf Spielplätzen in Heidelberg, Sinsheim, Brühl (letztere beiden Rhein-Neckar-Kreis) und weiteren Kommunen im Rhein-Neckar-Raum, stehen neben klassischen Spielgeräten wie Schaukel oder Wippe auch Kommunikationstafeln. Sie sollen helfen, sich zu verständigen, wenn einem das Sprechen schwerfällt. Seit kurzem gibt es eine solche Tafel auch in Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis). Die Verwaltung möchte damit einen Beitrag zu einer inklusiven und familienfreundlichen Stadt leisten. Doch wie funktionieren die Tafeln und wer nutzt sie?
Ohne Worte sagen, was man möchte
Hüpfen, schwitzen, Ball, Eis, lustig – Die Kommunikationstafeln auf Spielplätzen zeigen 66 Symbole. Es geht um Gegenstände oder Gefühle aus der Lebenswelt von Kindern. Das helfe, erklärt Karin Terfloth, Professorin für Pädagogik bei schwerer geistiger und mehrfacher Behinderung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. So könnten die Kinder ausdrücken, was sie gerne wie und mit wem erleben möchten:
"Die Gespräspartnerinnen und Partner stehen mit ihnen vor dieser Tafel und schauen sich das an. Und können dann nachfragen: 'Aha, du möchtest rutschen? Mit wem möchtest du rutschen?' 'Aha, du möchtest mit mir rutschen. Ok, dann rutschen wir mal." Und dann kann man danach wieder hingehen und fragen: 'War das schnell genug?'"
In Heidelberg-Rohrbach hat die dortige Kinderbeauftragte Barbara Pfeiffer festgestellt, dass die Tafel auf dem Spielplatz vor allem von Tagesmüttern genutzt wird. Für die Kommunikation mit Unter-Drei-Jährigen seien die selbsterklärenden Symbole sehr interessant: "Da kann man zeigen, was man will, was man braucht, wenn man die Sprache noch nicht hat." Zudem seien die Tafeln auch dann interessant, wenn man unterschiedliche Sprachen spricht und sich erst einmal mit Bildern behelfen will.
Wenn Bilder Brücken bauen: Einsatz im Alltag
Esra Sezer ist einer der Menschen, für die Kommunikationstafeln einen echten Mehrwert bieten. Die junge Frau, die in Heidelberg ihre Doktorarbeit schreibt, kann nur sehr eingeschränkt sprechen und ist im Alltag auf Unterstützte Kommunikation angewiesen. Bis sie ihren ersten Sprachcomputer bekam, war die Kommunikationstafel ihr wichtigstes Instrument, erzählt sie im SWR-Interview. "Vor allem im Klassenzimmer hat sie mir sehr geholfen. Mit ihrer Unterstützung konnte ich mit meinen Lehrkräften und Mitschülerinnen und Mitschülern kommunizieren, Fragen beantworten, Wünsche äußern oder um Hilfe bitten. Dadurch war ich nicht darauf angewiesen, dass andere meine Gedanken oder Bedürfnisse erraten mussten."
Kommunikationstafeln auf Spielplätzen hält Sezer für einen wichtigen ersten Schritt: "Je selbstverständlicher Kommunikationstafeln im öffentlichen Raum werden, desto mehr fördern sie Inklusion und Teilhabe für alle." Die Tafeln könnten Frustration abbauen und Konflikte entschärfen. Professorin Terfloth ist in diesem Punkt vorsichtig. Eine solche Tafel sei kein Mediator, sagt sie und spricht lieber von Prävention.
Kleine Tafeln, großer Effekt für Barrierefreiheit und Inklusion
Was vielen ohne Einschränkungen nicht klar ist: Für manche Menschen sind die Tafeln mit Metacom-Symbolen ihre Sprache. Die Kinderbeauftragte für Heidelberg-Rohrbach, Barbara Pfeiffer, erklärt: "Ganz viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene aus dem Autismusspektrum kennen diese Symbole und wenden sie an, um sich zu verständigen." So stehen die Tafeln zum Beispiel auch auf Pausenhöfen von Förderschulen. Letztendlich geht es darum, Betroffenen mit einfachen Mitteln das Leben zu erleichtern.