Warum das Versickerungsbecken in Ilvesheim (Rhein-Neckar-Kreis), das einem Biotop gleicht, zur Todesfalle geworden ist, wird jetzt ermittelt. Die Gemeindeverwaltung hat Wasserproben entnommen und die Tiere werden zurzeit obduziert.
Erste Untersuchungen weisen auf einen Salmonellenbefall hin. Das sagte Sandra Manier von der Wildtierauffangstation am Donnerstag dem SWR.
Anwohnerinnen und Anwohner hatten bereits vermutet, dass das Wasser im Versickerungsbecken in Ilvesheim umgekippt sei.
Gerettete Tiere zeigten neurologische Symptome
Innerhalb von vier Tagen wurden Mitte Juli ein Elternschwan, zwei Jungschwäne und fünf Enten tot geborgen. In einer Großaktion retteten Freiwillige Feuerwehr, Berufstierrettung, Polizei und Gemeindeverwaltung einen Elternschwan, vier Jungschwäne und drei Enten. Alle geretteten Vögel zeigen laut der Gemeinde Ilvesheim neurologische Symptome. Die Tiere werden gerade in der Pfälzer Wildtierauffangstation von Sandra Manier unter anderem mit Infrarotlicht und Elektrolyten aufgepäppelt. Für einen Jungschwan kam die Hilfe allerdings zu spät.
Anwohner warnten die Gemeinde im Mai
Bereits im Mai habe sie gemeinsam mit Anwohnern die Gemeinde darauf hingewiesen, dass die Wildvögel im Versickerungsbecken gefährdet sind, sagt die Ilvesheimer Biologin Ute Bieberstein. Der sinkende Pegelstand sei ungeeignet für Wildvögel und andere Tiere, da er zu viele Keime mit sich bringe. Das sei gefährlich für die Tiere. Der hohe Zaun um das Gelände verhindert, dass die Tiere flüchten können.
Sorge um junge Schwanenfamilie
Ute Bieberstein erzählt, dass sich zum ersten Mal seit rund 15 Jahren ein Schwanenpaar zum Brüten am Versickerungsbecken niedergelassen hatte. Daher war die Sorge um die junge Wildvogelfamilie besonders groß. Sie wandte sich an die Gemeinde Ilvesheim, die wiederum mit der Unteren Naturschutzbehörde Kontakt aufnahm. Die teilte dem SWR mit:
Wir wiesen die Gemeinde in unserer schriftlichen Rückmeldung im Mai darauf hin, dass es notwendig werden kann, dem Becken Wasser zuzuführen, sofern die vollständige Austrocknung des Beckens droht.
Mehr Wasser in Versickerungsbecken ist keine Option
Zunächst war der erste Impuls der Gemeinde gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr zusätzliches Wasser in das Versickerungsbecken zu leiten. Das sei aber nicht möglich, sagt Ilvesheims Bürgermeister Thorsten Walther (SPD): "Wir haben hier ein Versickerungsbecken mit einer klaren baulichen Funktion. Das ist eine Schutzfunktion, gerade bei Starkregen und langanhaltenden Regenperioden."
Umsiedlung für Jungschwäne ist zu stressig
Stattdessen sollten die Schwäne umgesiedelt werden. "Es ist ein Abwägungsprozess, ob ich die jungen Tiere entnehme und einem gewissen Stress aussetze", sagte Bürgermeister Walther dem SWR. Die Gemeinde Ilvesheim entschied sich dazu, die Wildvögel im Versickerungsbecken zu lassen. Die Hoffnung: Den jungen Schwänen die Möglichkeit zum Aufwachsen zu geben, bis sie fliegen können, um das Becken aus eigener Kraft zu verlassen. Das schaffte die Schwanenfamilie wegen des hohen Zauns um das Becken bislang nicht.
Einige Ilvesheimer sind erschüttert
Erst als der erste tote Schwan im Juli im Becken gefunden wurde, nahm die Gemeinde wieder Kontakt zur Unteren Naturschutzbehörde auf. Offenbar war das Tier unterernährt gewesen. Die Gemeinde Ilvesheim ließ nach Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde dann Futter bereitstellen und einen Bottich mit frischem Wasser. Die Umsiedlung der Vögel sollte eine Woche später folgen. Da war es allerdings schon zu spät. Die Tiere waren tot oder krank.
Einige Ilvesheimer, die die Situation um die Wildvögel schon seit Monaten beobachtet und in sozialen Medien dokumentiert hatten, sind erschüttert. Sie werfen der Gemeinde und der Unteren Naturschutzbehörde vor, nicht rechtzeitig reagiert zu haben und den Tod der Wildvögel in Kauf genommen zu haben.
Manche Anwohnerinnen und Anwohner machen sich außerdem Sorgen um ihre Haustiere. Gerüchte kursieren, dass mehrere Hunde aus der Nachbarschaft teilweise seit Wochen Durchfall haben. Das haben sie dem SWR berichtet.
Wir wissen, dass das Becken immer austrocknet. Spätestens als die Küken geschlüpft waren, hätte die Gemeinde reagieren müssen.
Dem SWR sagt Bürgermeister Walther, dass er bei der Debatte um Sachlichkeit plädiere: "Eins hat die Situation gezeigt: Das ist keine dauerhafte Lebensstätte für Wildtiere." Und weiter:
Das ist eine ökologische Falle.
Sein Appell: Gemeinsam mit den Fachbehörden zu überlegen, wie sich zukünftig eine Ansiedelung von Wildtieren beim Ilvesheimer Versickerungsbecken vermeiden lässt. Man könne beispielsweise Attrappen von Kunstschwänen im Wasser aufstellen.