Die Aula der Martin-Stöhr-Grundschule ist gut gefüllt. Etwa hundert Hirschberger sind am Montagabend gekommen, um sich über das geplante Neubaugebiet "Rennäcker" zu informieren und zu diskutieren. Die Stimmung ist aufgeheizt. Der Gemeinderat hat entschieden, dass dort eine Wohnsiedlung entstehen soll. Eine Bürgerinitiative will das verhindern und hat erreicht, dass es Ende November einen Bürgerentscheid geben wird.
Mehrheit des Gemeinderats ist für das Neubaugebiet "Rennäcker"
Eine große Mehrheit im Gemeinderat - Freie Wähler, CDU, SPD, FDP und der parteilose Bürgermeister Ralf Gänshirt - ist für das Neubaugebiet in Hirschberg-Leutershausen. Auf einer etwa fünf Hektar großen Grünfläche soll Wohnraum für bis zu 550 Menschen entstehen. Im März stellte der Gemeinderat einen ersten Testentwurf für einen Bebauungsplan des Gebiets Rennäcker vor. Es soll ein gemischtes Wohngebiet werden, mit Mehr- und Einfamilienhäusern. Der Entwurf sieht Grünflächen zwischen den Häusern vor, auch eine bereits bestehende Streuobstwiese soll erhalten bleiben.
Die Gemeinde hatte, unter anderem mit Unterstützung des Regionalverbands Rhein-Neckar, im Vorfeld an einem geförderten Modellprojekt für eine sogenannte flächensparende Siedlungspolitik teilgenommen. Dabei handelt es sich um ein Forschungsprojekt des Bundes für die innovative Nutzung von Flächen. In die Planung der Entwürfe sind also bereits Bundesmittel geflossen.
Bürgerinitiative erzwingt Bürgerentscheid
Doch schnell gab es Gegenwehr: Im Juni hat die Bürgerinitiative Hirschberg gegen Flächenverbrauch mehr als 860 Unterschriften gegen den Bau des Neubaugebiets gesammelt. Sie argumentiert unter anderem mit Umweltschutz, fehlender Nachfrage und wirtschaftlichen Gründen. Mit ihrem Bürgerbegehren hatte die Initiative Erfolg. Seit Juni steht die Planung im Gemeinderat still. Am 30. November soll ein Bürgerentscheid Klarheit schaffen.
Gemeinde lädt zu Infoveranstaltungen vor Bürgerentscheid
Vor dem Bürgerentscheid wollte die Gemeinde noch einmal ihren Standpunkt deutlich machen. Bei der ersten von insgesamt zwei geplanten Infoveranstaltungen erklärte Bürgermeister Ralf Gänshirt (parteilos) gleich zu Beginn, dass er sich missverstanden fühle. Mit dem ersten Planungsentwurf habe noch nichts festgestanden. Durch schlechte Kommunikation, aber auch durch Fehlinformation durch andere Personen, sei Verunsicherung entstanden. Die wolle er nun ausräumen. Doch eins stünde fest:
Es gibt in unserer Region eine große Wohnungsnot.
Aufgeladene Stimmung bei Fragerunde
Während der zweiten Hälfte der Veranstaltung konnten die anwesenden Bürger Fragen stellen. Hier wurde deutlich, wie aufgeladen die Stimmung in Hirschberg ist. Immer wieder gab es Zwischenrufe aus den unterschiedlichen Lagern, es wurde hämisch gelacht, ironisch applaudiert. Er fordere eine stärkere Innenentwicklung, sagte Vertrauensperson der Bürgerinititive Daniel Campagnolo, also eine stärkere Nutzung der bereits vorhandenen Flächen in der Gemeinde.
Eine weitere zentrale Frage war, warum es im Ort mehr Wohnraum brauche, wenn die Bevölkerung in Hirschberg doch sogar leicht zurückgegangen sei in den vergangenen zehn Jahren. Der Bevölkerungsschwund könne auch ein Symptom der schlechten Situation auf dem Wohnungsmarkt sein, entgegnete Gänshirt. Junge Familien fänden hier oft kein Zuhause und wanderten dann in andere Gemeinden ab.
Nächste Infoveranstaltung am 18. November
Die Hirschberger haben vor dem Bürgerentscheid im 30. November noch einmal am 18. November im Rahmen einer weiteren Infoveranstaltung die Möglichkeit, sich über die Umsetzung des Neubaugebiets zu informieren - diesmal über die konkrete Umsetzung und Nutzung der Wohnflächen.