Krebs gilt als zweithäufigste Todesursache bei Kindern. Nach Schätzungen des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ) erkranken jedes Jahr rund 2.000 Kinder neu an Krebs. Etwa vier von fünf könnten geheilt werden. Kommt es zu einem Rückfall, gleiche das aber meist einem Todesurteil, so die Experten des KiTZ.
Dieses Schicksal drohte auch dem heute 18-jährigen Mailo Grühn. Mit sieben Jahren bekam er die Diagnose Nierenkrebs. Eine lange Leidenszeit begann, Operationen, Chemotherapien, immer wieder Rückfälle. Trotzdem haben er und seine Familie stets versucht, ein möglichst normales Leben zu führen. Geholfen hat ihm dabei seine Leidenschaft, der Radsport.
Elf Jahre Leidenszeit: Mailos langer Weg zur Heilung
In den Jahren nach der Erstdiagnose breitete sich der Krebs aber immer weiter in Mailos Körper aus. Es waren zu viele Tumore, operieren war nicht mehr möglich. Auch die Chemotherapien schlugen nicht an. Letztes Jahr hieß es dann, Mailo sei austherapiert, man könne ihm also nicht mehr helfen. Doch auch da gaben er und seine Familie nicht auf. Riefen immer wieder im Heidelberger Kindertumorzentrum an, mit der Bitte um Hilfe.
Als die Ärzte die MRT-Bilder sahen, mit vielen unterschiedlich großen Tumoren in Leber, Lunge und Gehirn, waren sie skeptisch. Die Situation schien tatsächlich aussichtslos. Das Problem bei Kindern: Das Immunsystem erkennt das Tumorgewebe nur schwer, weil es dem gesunden Gewebe ähnelt. Deshalb werden Immuntherapien bei Kindern und Jugendlichen bisher nur bei Leukämie angewandt.
Immuntherapie als letzte Hoffnung
Die Ärzte wollten weder falsche Hoffnung wecken noch Leiden verlängern. Doch dann kam die gute Nachricht: Mailos Tumorgewebe war für eine Immuntherapie geeignet, weil sie den Immunzellen Angriffsfläche bot. Seine körpereigenen Abwehrzellen wurden daraufhin entnommen und so verändert, dass sie die Krebszellen erkennen und zerstören konnten.
Heidelberg: Neue Therapiemöglichkeit für krebskranke Kinder
Inzwischen hat Mailo keinen Tumor mehr. Für die Ärzte sei das ein sensationeller Erfolg. Doch noch ist er ein Einzelfall. Schon in diesem Jahr soll es aber am KiTZ neue klinische Studien geben.
Wir sind da auf einem guten Weg. Wir sehen es schon bei der Leukämie und bei Blutkrebs, dass das sehr erfolgreich auch bei vielen Kindern eingesetzt werden kann.
Das bedeutet: Hoffnung auf Rettung für krebskranke Kinder, die sonst austherapiert wären.