Gemeinsam gegen Jugendkriminalität

Haus des Jugendrechts in Heidelberg: Bis zu 2.000 Fälle pro Jahr erwartet

Im Haus des Jugendrechts arbeiten Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe unter einem Dach zusammen. 14 gibt es in ganz Baden-Württemberg, eines davon auch in Heidelberg.

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Von Autor/in Monika Regelin, Isabel Handrich

Bereits seit Mai 2025 gibt es in Heidelberg ein Haus des Jugendrechts. Am Freitag sind im Gewerbegebiet Rohrbach-Süd die Räumlichkeiten in einem Bürogebäude offiziell an die Verantwortlichen übergeben worden. Eine solche Einrichtung, in der straffällige Jugendliche möglichst schnell und an einem Ort betreut werden können, gibt es in Baden-Württemberg nun insgesamt 14 mal. Im Haus des Jugendrechts arbeiten Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe im Strafverfahren unter einem Dach zusammen. Die rund 50 Mitarbeiter sind für die Stadt Heidelberg und den gesamten Rhein-Neckar-Kreis zuständig.

Justizministerin: Haus des Jugendrechts eine "Erfolgsgeschichte"

Baden-Württembergs Justizministerin Marion Gentges (CDU) sprach zur Eröffnung am Freitag von einer "Erfolgsgeschichte der Einrichtungen", seit 1999 das erste Haus des Jugendrechts in Stuttgart-Bad Cannstatt eröffnet wurde. Dort werde "der gesamte junge Mensch in den Blick genommen", statt nur die Straftat.

Ziel: Weitere Straftaten vermeiden

Die Polizei rechnet mit bis zu 2.000 Fällen pro Jahr, an denen tatverdächtige oder beschuldigte Minderjährige beteiligt sind. Der Grundgedanke dabei: Kinder, Jugendliche und Heranwachsende, die straffällig wurden, sollen schnell und wohnortnah die Konsequenzen ihrer Taten spüren, damit es nicht zu weiteren Straftaten kommt. Dabei geht es laut den Behörden nicht nur um Bestrafung, sondern auch um Prävention. Schwerverbrechen wie Mord oder Totschlag sowie Staatsschutz-Delikte werden hier nicht bearbeitet.

Wir stellen fest, dass bei jüngeren Kindern und Jugendlichen das Maß der Gewalt zum Teil gestiegen ist.

Für die neue Einrichtung wurde ein Bürogebäude im Heidelberger Süden umgebaut. Über mehrere Ebenen verteilt haben dort die verschiedenen Einrichtungen ihre Büros. Es gibt aber auch Workshop-Räume für gerichtlich angeordnete Kurse, etwa zu Sozialverhalten.

Tischtennisplatte in einem der Räume
Hier darf Tischtennis gespielt werden: Neben den Büros gibt es auch Workshop-Räume für die Jugendlichen. (Bild entstand bei offizieller Eröffnung)

Haus des Jugendrechts: Jugendamt eingebunden

Die Jugendhilfe begleitet nicht nur das Strafverfahren, sondern: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen auch Gespräche mit den Jugendlichen, außerdem mit dem Umfeld - wie Elternhaus, Schule oder Freundeskreis. Wenn nötig, werden weitere Maßnahmen eingeleitet - von der Familienhilfe, bis hin zur Aufnahme in ein Heim. Am Ende entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob es zu einem Strafverfahren kommt. In der Mehrzahl könne man über Jugendhilfe-Maßnahmen eine Lösung finden, so dass eine Verhandlung abgewendet werden könne, sagte der Jugenddezernent des Rhein-Neckar-Kreises, Fabian Scheffczyk. Man könne frühzeitig eingreifen. Das sieht er als großen Vorteil des Hauses.

Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren geht leicht zurück

Laut Innenministerium ist die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren in Baden-Württemberg leicht zurückgegangen: und zwar auf rund 49.000. Die neuesten Zahlen stammen aus dem Jahr 2024. Den größten Teil - ungefähr ein Drittel - machen Diebstahldelikte aus. Das zeigt sich laut dem Jugenddezernenten auch bei den Fällen im Rhein-Neckar-Kreis. Weit vorne liegen die Eigentumsdelikte, gefolgt von Körperverletzung und Verkehrsdelikten.

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