In Dossenheim (Rhein-Neckar-Kreis) wohnen 20 Erwachsene und 15 Kinder gemeinschaftlich in drei nebeneinander liegenden Häusern zusammen. Der Clou dabei: Jeder hat seine eigenen Räume, aber vieles wird auch gemeinsam genutzt und geteilt - wie der große Garten und der Grillplatz, mehrere Wohnzimmer und andere Räume, Küchen, Terrassen, ebenso Waschmaschinen. Außerdem gibt es mehrere Zimmer, die bei Bedarf dazugemietet oder wieder abgegeben werden können. Die Bewohnerinnen und Bewohner entscheiden alles gemeinsam, sie helfen und unterstützen sich gegenseitig.
Dossenheim: Gemeinsam Wohnen gegen die Einsamkeit
Das Wohnprojekt "Feldwinkel" liegt idyllisch gelegen am Rande von Getreidefeldern, Bauernhöfen und Pferdeweiden. Blumen wachsen im Gemeinschaftsgarten, ein Planschbecken steht auf dem Rasen. Eine große Rutsche führt hinunter bis zu einem Grillbereich. Bei strahlendem Sonnenschein sind einige Bewohner im Garten, Kinder springen herum.
Genau das hat Bewohnerin Carmen Greither gesucht. Sie hat lange alleine gewohnt, irgendwann aber fühlte sie sich zu einsam. Jetzt lebt sie in dem ehemaligen Bauernhaus des Wohnprojekts "Feldwinkel" mit einer anderen Frau in einer WG, im anderen Teil des Hauses wohnt eine Familie mit zwei Kindern.
Es ist immer jemand da, es gibt immer Gesellschaft. Wir sind ein sehr lebendiges Projekt, weil wir wahnsinnig viele Kinder hier haben und das finde ich sehr schön.
Die Kinder haben viele Spielpartner
Clemens Horbach und seine Frau Theresa wohnen mit ihrem sieben Monate alten Baby und ihrer vierjährigen Tochter in einem Bungalow auf dem Gelände, einem Fertighaus aus dem Quelle-Katalog von 1965. Auch als junge Eltern mit Kindern könne man in einer Wohnung oder einem eigenen Haus isoliert sein, weil man nicht mehr so viel rausgehen und andere Menschen treffen könne, sagt er dem SWR. Auch für die Kinder müsse man aktiv Verabredungen mit anderen Kindern ausmachen. Hier im Wohnprojekt sei das anders.
Gemeinschaftlich Wohnen heißt, dass man sehr kurze Wege hat zu erwachsenen Freunden und für die Kinder zu ihren Freunden.
Aber das sei natürlich manchmal auch anstrengend, sagt seine Frau Theresa schmunzelnd. Teilweise stünden am Wochenende schon andere Kinder vor der Tür und suchten nach Spielpartnern, da hätten sie gerade erst angefangen zu frühstücken. Ihre Tochter lade auch wahnsinnig gerne andere Kinder zum Abendessen ein oder wird von anderen Kindern eingeladen. Das sei manchmal viel nach einem langen Arbeitstag. Aber dadurch lerne die Tochter auch, wie es in anderen Familien läuft, meint sie.
Das ist einfach wertvoll für die Kids, zu sehen, wie man die Dinge machen kann, auf wie viele verschiedene Arten.
Die Bewohner sind mehr als Nachbarn
Die Bewohner hier unterstützen sich gegenseitig. Sie kaufen für andere mit ein, fahren jemanden zum Bahnhof, passen auf die Kinder der anderen mit auf oder gehen mit dem Hund einer Bewohnerin Gassi. Bewohnerin Tatjana Višak erinnert das an das Leben in dem kleinen Dorf, in dem sie als Kind aufgewachsen ist, wo jeder jeden gut kannte, und wonach sie sich lange zurückgesehnt hat.
Einmal in der Woche treffen sich alle Parteien zum sogenannten Plenum, sprechen über Probleme, Organisatorisches aber auch Grillabende. Alles wird im Konsens entschieden. Es gibt verschiedene Arbeitsgruppen und einen rotierenden Hausmeisterdienst. Für Theresa Horbach geht das Zusammenleben im Wohnprojekt "Feldwinkel" weit über eine Nachbarschaft hinaus.
Das sind mindestens meine Mitbewohner und Mitbewohnerinnen, was für mich mehr ist, als Nachbarn. Und viele sind auch Freundinnen und Freunde geworden.
Das Wohnprojekt gehört dem Mietshäuser Syndikat an
Das Gelände und die Gebäude des Wohnprojekts "Feldwinkel" gehören einem Verein, den die Bewohner und Bewohnerinnen speziell dafür gegründet haben. Sie zahlen die Miete für die Wohnungen an den Verein. Finanziert wurde das ganze Projekt über Bankkredite, Förderungen und Darlehen von Privatpersonen. Das Wohnprojekt ist Teil des Mietshäuser Syndikats, einem Zusammenschluss aus selbstverwalteten Wohnprojekten. Dadurch ist es unverkäuflich und soll dauerhaft als bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehen.
Das Wohnprojekt "Feldwinkel" organisiert außerdem regelmäßig Veranstaltungen. An jedem ersten Sonntag im Monat ist offener Garten oder offenes Wohnzimmer mit Kaffee und Kuchen, zu dem jeder kommen kann. Es gibt Feste, Konzerte und Tanzveranstaltungen. Am 20. Juni steigt das diesjährige öffentliche Sommerfest.