"Hier ist immer was los"

Wohnprojekt in Dossenheim: Bollwerk gegen die Einsamkeit

Die Bewohner eines Wohnprojekts in Dossenheim sind mehr als nur Nachbarn. Sie leben mit 20 Erwachsenen und 15 Kindern zusammen. Mehrere Räume und der Garten werden geteilt.

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Von Autor/in Janina Hecht

In Dossenheim (Rhein-Neckar-Kreis) wohnen 20 Erwachsene und 15 Kinder gemeinschaftlich in drei nebeneinander liegenden Häusern zusammen. Der Clou dabei: Jeder hat seine eigenen Räume, aber vieles wird auch gemeinsam genutzt und geteilt - wie der große Garten und der Grillplatz, mehrere Wohnzimmer und andere Räume, Küchen, Terrassen, ebenso Waschmaschinen. Außerdem gibt es mehrere Zimmer, die bei Bedarf dazugemietet oder wieder abgegeben werden können. Die Bewohnerinnen und Bewohner entscheiden alles gemeinsam, sie helfen und unterstützen sich gegenseitig.

Dossenheim: Gemeinsam Wohnen gegen die Einsamkeit

Das Wohnprojekt "Feldwinkel" liegt idyllisch gelegen am Rande von Getreidefeldern, Bauernhöfen und Pferdeweiden. Blumen wachsen im Gemeinschaftsgarten, ein Planschbecken steht auf dem Rasen. Eine große Rutsche führt hinunter bis zu einem Grillbereich. Bei strahlendem Sonnenschein sind einige Bewohner im Garten, Kinder springen herum.

Zu dem Gelände des Wohnprojekts Feldwinkel gehört unter anderem ein ehemaliges gelbes Bauernhaus und ein kleiner Bungalow.
Bei dem gemeinschaftlichen Wohnprojekt in Dossenheim leben 20 Erwachsene und 15 Kinder zusammen. Zu dem Gelände gehört unter anderem ein ehemaliges Bauernhaus und ein kleiner Bungalow.

Genau das hat Bewohnerin Carmen Greither gesucht. Sie hat lange alleine gewohnt, irgendwann aber fühlte sie sich zu einsam. Jetzt lebt sie in dem ehemaligen Bauernhaus des Wohnprojekts "Feldwinkel" mit einer anderen Frau in einer WG, im anderen Teil des Hauses wohnt eine Familie mit zwei Kindern.

Es ist immer jemand da, es gibt immer Gesellschaft. Wir sind ein sehr lebendiges Projekt, weil wir wahnsinnig viele Kinder hier haben und das finde ich sehr schön.

Der weiße Neubau hat drei Etagen. In jedem Stock gibt es eine gemeinschaftlich genutzte Terasse.
Den Neubau hat das Wohnprojekt selbst errichten lassen. Hier lebt der Großteil der Bewohnerinnen und Bewohner. Die Terassen dürfen von allen genutzt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Eine Gemeinschaftsküche. Von dieser führt eine Tür in eine der Wohnungen.
Auf allen Etagen gibt es einen Gemeinschaftsraum, in den man direkt durch die Haustür gelangt. Hier ist eine Gemeinschaftsküche mit Gemeinschaftswohnzimmer zu sehen. Die allein genutzten Räume gehen von den Gemeinschaftsräumen ab. Bild in Detailansicht öffnen
Das Haus wurde aus Holz, Lehm und Stroh gebaut. In einem Gemeinschaftswohnzimmer ist eine Glasscheibe eingelassen, durch die man die dahinterliegende Strohwand erkennen kann.
Das Haus wurde aus Holz, Lehm und Stroh gebaut. Man erkennt es in einem der Gemeinschaftswohnzimmer. Durch eine Glasscheibe lässt sich die dahinterliegende Strohwand erkennen. Bild in Detailansicht öffnen
Auch die Terrassen auf jeder Etage des Neubaus werden gemeinschaftllich genutzt.
Auch die Terrassen auf jeder Etage des Neubaus werden gemeinschaftllich genutzt. Bild in Detailansicht öffnen
Das ehemalige Bauernhaus auf dem Gelände des Wohnprojektes Feldwinkel. Es gibt eine Gemeinschaftsterasse. Im Garten davor trocknet Wäsche.
In dem ehemaligen Bauernhaus auf dem Gelände des Wohnprojektes Feldwinkel leben zwei Frauen in einer WG und eine Familie mit zwei Kindern. Es gibt außerdem Gemeinschaftsräume, die geteilt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Der Bungalow ist ein Fertighaus aus dem Quelle-Katalog von 1965. Vor der Tür wird Wäsche getrocknet.
In dem Bungalow lebt eine Familie mit zwei Kindern. Es gibt einen Gemeinschaftsraum, in dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner ein Mal pro Woche treffen. Der Bungalow ist ein Fertighaus aus dem Quelle-Katalog von 1965. Bild in Detailansicht öffnen
Der Garten wird gemeinschaftlich genutzt. Die Terasse ist mit einem Sonnensegel überdacht. Außerdem gibt es einen Grillbereich.
Den Garten betreut eine der zahlreichen Arbeitsgruppen des Wohnprojekts. Bild in Detailansicht öffnen

Die Kinder haben viele Spielpartner

Clemens Horbach und seine Frau Theresa wohnen mit ihrem sieben Monate alten Baby und ihrer vierjährigen Tochter in einem Bungalow auf dem Gelände, einem Fertighaus aus dem Quelle-Katalog von 1965. Auch als junge Eltern mit Kindern könne man in einer Wohnung oder einem eigenen Haus isoliert sein, weil man nicht mehr so viel rausgehen und andere Menschen treffen könne, sagt er dem SWR. Auch für die Kinder müsse man aktiv Verabredungen mit anderen Kindern ausmachen. Hier im Wohnprojekt sei das anders.

Gemeinschaftlich Wohnen heißt, dass man sehr kurze Wege hat zu erwachsenen Freunden und für die Kinder zu ihren Freunden.

Eine große Rutsche führt hinunter in den etwas tieferliegenden Bereich, in dem ein großer Grill steht.
In dem Garten springen oft alle Kinder gleichzeitig rum. Auch wird öfters zusammen gegrillt.

Aber das sei natürlich manchmal auch anstrengend, sagt seine Frau Theresa schmunzelnd. Teilweise stünden am Wochenende schon andere Kinder vor der Tür und suchten nach Spielpartnern, da hätten sie gerade erst angefangen zu frühstücken. Ihre Tochter lade auch wahnsinnig gerne andere Kinder zum Abendessen ein oder wird von anderen Kindern eingeladen. Das sei manchmal viel nach einem langen Arbeitstag. Aber dadurch lerne die Tochter auch, wie es in anderen Familien läuft, meint sie.

Das ist einfach wertvoll für die Kids, zu sehen, wie man die Dinge machen kann, auf wie viele verschiedene Arten.

Die Bewohner sind mehr als Nachbarn

Die Bewohner hier unterstützen sich gegenseitig. Sie kaufen für andere mit ein, fahren jemanden zum Bahnhof, passen auf die Kinder der anderen mit auf oder gehen mit dem Hund einer Bewohnerin Gassi. Bewohnerin Tatjana Višak erinnert das an das Leben in dem kleinen Dorf, in dem sie als Kind aufgewachsen ist, wo jeder jeden gut kannte, und wonach sie sich lange zurückgesehnt hat.

Einmal in der Woche treffen sich alle Parteien zum sogenannten Plenum, sprechen über Probleme, Organisatorisches aber auch Grillabende. Alles wird im Konsens entschieden. Es gibt verschiedene Arbeitsgruppen und einen rotierenden Hausmeisterdienst. Für Theresa Horbach geht das Zusammenleben im Wohnprojekt "Feldwinkel" weit über eine Nachbarschaft hinaus.

Das sind mindestens meine Mitbewohner und Mitbewohnerinnen, was für mich mehr ist, als Nachbarn. Und viele sind auch Freundinnen und Freunde geworden.

Der Gemeinschaftsgarten von oben mit der Rutsche und einer Vorrichtung für eine Hängematte.
Der Gemeinschaftsgarten ist der Ort, an dem besonders viel los ist und gern alle Kinder herumspringen.

Das Wohnprojekt gehört dem Mietshäuser Syndikat an

Das Gelände und die Gebäude des Wohnprojekts "Feldwinkel" gehören einem Verein, den die Bewohner und Bewohnerinnen speziell dafür gegründet haben. Sie zahlen die Miete für die Wohnungen an den Verein. Finanziert wurde das ganze Projekt über Bankkredite, Förderungen und Darlehen von Privatpersonen. Das Wohnprojekt ist Teil des Mietshäuser Syndikats, einem Zusammenschluss aus selbstverwalteten Wohnprojekten. Dadurch ist es unverkäuflich und soll dauerhaft als bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung stehen.

Das Wohnprojekt "Feldwinkel" organisiert außerdem regelmäßig Veranstaltungen. An jedem ersten Sonntag im Monat ist offener Garten oder offenes Wohnzimmer mit Kaffee und Kuchen, zu dem jeder kommen kann. Es gibt Feste, Konzerte und Tanzveranstaltungen. Am 20. Juni steigt das diesjährige öffentliche Sommerfest.

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Janina Hecht
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