Tiere können große Schäden verursachen

Waschbärplage: Dachböden im Neckar-Odenwald-Kreis werden zu Toiletten

Immer mehr Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis melden Waschbären – oft sogar auf dem eigenen Dachboden. Der Wildtierbeauftragte wünscht sich deshalb mehr Stadtjäger in den Kommunen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Laura Kaltschmidt

Waschbären sehen zwar niedlich aus, können laut Experten aber ein echtes Problem werden. Die Zahl der Meldungen im Neckar-Odenwald-Kreis steigt nicht nur, sie explodiert, sagt der Wildtierbeauftragte Tobias Kuhlmann. Im Herbst könnte das Problem durch den Witterungswechsel noch größer werden.

Ganze Waschbärfamilien nisten sich auf Dachböden ein

Teilweise würden sich ganze Waschbärfamilien auf Dachböden einnisten und diese unter anderem als Toilette nutzen. Das würde nicht nur stark riechen, sondern sei auch laut, erklärt der Adelsheimer Stadtjäger Lukas Deimel.

Waschbären sind nachtaktiv und mit ihren fünf bis zehn Kilo hört man es dann im ganzen Haus, wenn sie sich austoben.

Vor allem ältere Häuser seien betroffen, weil die Tiere da oft leichter auf den Dachboden gelangen. Im schlimmsten Fall würden dann sogar Gebäudeschäden entstehen, beispielsweise an der Dämmung. Gerade diese sei allerdings oft nicht mitversichert, so Stadtjäger Deimel.

Ein Waschbär auf einem Dach
Waschbären nisten sich zum Beispiel auf Dachböden ein und können Schäden an Gebäuden verusachen. picture alliance/dpa | Britta Pedersen

Wildtierbeauftragter warnt vor Krankheitserregern

Der Wildtierbeauftragte des Neckar-Odenwald-Kreises Tobias Kuhlmann warnt außerdem davor, dass die Tiere sogar Krankheitserreger übertragen können. Besonders problematisch sei der sogenannte "Waschbär-Spulwurm". Der Erreger lebe im Darm der Waschbären, weshalb eine große Menge dieser Eier mit dem Tierkot ausgeschieden werden. Die Eier seien immer noch ansteckend. Der Mensch kann den Erreger versehentlich über den Mund aufnehmen, zum Beispiel durch ungewaschene Hände. Bislang infizieren sich Menschen demnach sehr selten mit dem Waschbär-Spulwurm - trotzdem hält Kuhlmann den Waschbären in vielerlei Hinsicht für ein größeres Problem als andere Tiere wie Mader.

Im Unterschied zum Mader sind die Waschbären außerdem anpassungsfähiger, was ihre Nahrung und den Lebensraum angeht. Der Adelsheimer Stadtjäger Lukas Deimel sagt, mit den kleinen Händen sind sie anatomisch und motorisch in der Lage, Futter aus jeglichen Ecken zu ziehen.

Mehr Stadtjäger könnten eine Lösung sein

Betroffene werden häufig an den Wildtierbeauftragten Tobias Kuhlmann verwiesen - er kann allerdings nur beratend zur Seite stehen. Nur sogenannte Stadtjäger dürfen die Tiere aktiv einfangen und aus den Wohnhäusern holen, wenn alles andere nicht hilft. Bisher haben aber nur sehr vereinzelte Gemeinden im Neckar-Odenwald-Kreis einen zuständigen Stadtjäger wie Lukas Deimel in Adelsheim – andere Landkreise seien da mittlerweile besser aufgestellt, findet Tobias Kuhlmann.

Die Waschbärpopulation steigt auch in anderen Teilen des Landes seit einigen Jahren stark an. Auch Großstädte sind von den Problemen betroffen.

Ein Waschbär in einem hohlen Stamm. Die Tiere verändern sich körperlich in der Nähe von Menschen. Ob wir sie bald als Haustiere halten?

Knopfaugen und süßes Geschmatze Eignen sich Waschbären als Haustiere?

Der Waschbär erobert unsere Städte und kommt uns Menschen immer näher. Vielleicht sogar so nah, dass wir ihn bald bei uns zu Hause wohnen lassen?

Karlsruhe
ein junger Waschbär auf einem Hausdach (Archivbild)

Invasive Arten Waschbären sind gekommen, um zu bleiben: Warum die Stadt Karlsruhe gegen sie vorgehen muss

In ganz Baden-Württemberg steigt die Population der Waschbären. Für Menschen und Tiere kann das gefährlich werden. In Karlsruhe hat man deshalb einen Plan - und Technik.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Laura Kaltschmidt

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!