In der Nähe von Heidelberg, Leimen und Reilingen (Rhein-Neckar-Kreis) werden jetzt sechs junge Steinkäuze ausgewildert. Vier der jungen Eulen sind im Heidelberger Zoo aufgewachsen und zwei stammen aus dem Alpenzoo Innsbruck. Mit dem Projekt "Gemeinsam für den Steinkauz" möchten der BUND Ortsverband Dossenheim und der Heidelberger Zoo gemeinsam den Bestand der Steinkäuze in der Rhein-Neckar-Region sichern.
Steinkauz-Rekord in der Rhein-Neckar-Region nach über sechs Jahren
Wie viele andere Vogelarten gilt auch der Steinkauz als gefährdet. Im Jahr 2020 gab es laut dem BUND Dossenheim nur noch ein einziges bekanntes Brutpaar in der Region. Durch das Projekt "Gemeinsam für den Steinkauz" konnten der BUND Dossenheim und der Heidelberger Zoo den Bestand wieder stärken, indem sie weitere Käuze aus dem Zoo ausgesetzt haben. Nach eigenen Angaben gibt es jetzt nach sechs Jahren 22 Brutpaare mit insgesamt 90 Jungvögeln in dem Gebiet. Bislang ein neues Rekordjahr – aber laut BUND Dossenheim wohl noch nicht ausreichend.
Das hört sich erstmal viel an, aber ist noch nicht genug, damit sich diese Population selbst erhalten kann.
Auswilderung mit der Soft-Release-Methode
Am Montag sind die jungen Steinkäuze in einen Nistkasten gesetzt worden, an dem vorne eine Voliere aus Draht den Ausgang versperrt. Dort bleiben die Käuze für 72 Stunden – natürlich mit ausreichend Futter, damit sie sich an die neue Umgebung gewöhnen können. Danach wird die Voliere abgebaut und die sechs Käuze können in die Freiheit fliegen. Diese Methode nennt sich "Soft-Release" und wird angewendet, wenn die Steinkäuze zu alt sind, um wilden Vögeln untergeschoben zu werden. Am Donnerstamorgen ist die Voliere entfernt worden. Die beiden Steinkäuze in der Nähe von Leimen sind aber erstmal im Nistkasten geblieben und haben sich nicht heraus getraut. Laut Michael Ziara kann man nur schwer sagen, ob die Tiere weiterziehen oder langfristig am Standort bleiben und dort Nachwuchs bekommen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wege der wilden Jungkäuze mit unseren ausgewilderten treffen, ist sehr hoch.
Zum ersten Mal österreichische Steinkäuze ausgewildert
Dieses Jahr werden zum ersten Mal zwei Käuze aus dem Alpenzoo Innsbruck im Rhein-Neckar-Kreis ausgewildert. Mit neuen Tieren aus Österreich soll die Gefahr von Inzucht reduziert werden. Die könne nämlich dafür sorgen, dass Bruten ausbleiben oder Eier nicht befruchtet werden.
Weniger Lebensraum für den Steinkauz
Dass sich der Bestand der Steinkäuze in der Vergangenheit so drastisch reduziert hatte, ist eine Folge von Flächenversiegelung und Bebauung. Normalerweise finden Steinkäuze auf Weiden und Streuobstwiesen Futter, wie etwa Mäuse oder große Insekten. Dort können die heimischen Eulen in der Regel auch optimal in Obstbäumen mit Höhlenstrukturen brüten. Mit immer weniger Streuobstwiesen gebe es aber zu wenig Nahrung und ungenügend Nistmöglichkeiten für die Vögel.
Wenn wir Steinkauzschutz betreiben wollen, müssen wir zunächst einmal die Flächen schützen.