Kerngeschäft: "Bezahlbaren Wohnraum schaffen"

"Wohnen wird man immer müssen": Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG feiert Jubiläum

Die Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG feiert ihren 100. Geburtstag am Samstag im Herzogenriedpark. Wie der GBG-Chef Kritik kontert und ob es die GBG auch 2126 noch geben wird?

Teilen

Stand

Von Autor/in Wolfgang Kessel

Die Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG wird in diesem Jahr 100 Jahre alt und steht laut der Geschäftsführung "wirtschaftlich stabil da". Aus der einst "Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft" (daher die Abkürzung GBG) ist mittlerweile eine ganze Unternehmensgruppe geworden. Die GBG betreibt unter anderem auch Altenpflegeheime, unterhält Kindergärten und Schulen und bietet Dienstleistungen wie Reinigung und Essensversorgung an.

Am Samstag lädt die GBG zum 100. Geburtstag zu einem großen Familienfest in den Herzogenriedpark ein. Neben Dosenwerfen, Kinderschminken, Essen und Trinken treten auf einer Bühne auch zahlreiche Künstlerinnen und Künstler auf, darunter der Musiker Gringo Mayer. Der Eintritt ist frei.

GBG-Wohnhäuser in den 1960er Jahren in der Mannheimer Neckarstadt
GBG-Wohnhäuser in den 1960er Jahren in der Mannheimer Neckarstadt. (Quelle: GBG) GBG Mannheim

GBG-Kerngeschäft: Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Das Kerngeschäft der GBG bleibe das Angebot von bezahlbarem Wohnraum in Mannheim, sagt Karl-Heinz Frings, Geschäftsführer der GBG-Unternehmensgruppe. Aktuell gibt es in der Stadt rund 20.000 GBG-Wohnungen. Diese Wohnungen sind "weiterhin deutlich günstiger als der Mannheimer Durchschnitt", so die GBG. "Damit leiste das Unternehmen "einen großen Beitrag zur Stabilisierung des Mannheimer Wohnungsmarktes".

Karl-Heinz Frings, Geschäftsführer der GBG-Unternehmensgruppe
Karl-Heinz Frings, Geschäftsführer der GBG-Unternehmensgruppe in Mannheim.

Kritik: GBG-Wohnungen verzerren Mannheimer Mietspiegel

Doch genau daran gab und gibt es auch immer wieder Kritik. Der Hauseigentümerverband "Haus & Grund" Mannheim kritisierte auf SWR-Anfrage, dass der Mannheimer Mietspiegel durch die GBG-Wohnungen verzerrt sei. Das sei für private Vermieter ein wirtschaftlicher Nachteil. Der Mietspiegel weise, so der Verband, "nicht die tatsächliche durchschnittliche ortsübliche Vergleichsmiete auf dem freien Mietwohnungsmarkt aus, sondern durch die Einbeziehung der gezielt günstig gehaltenen GBG-Wohnungen einen deutlich niedrigeren Betrag".

Karl-Heinz Frings bestreitet das auch gar nicht. Er sagte dem SWR, tatsächlich "liegen wir mit 90 Prozent unserer Wohnungen unterhalb des durchschnittlichen Mietspiegelwerts". Aber das sei "auch nur fair, denn wir sind Marktteilnehmer und insofern haben wie den Vorwurf nie teilen können. Wir konzentrieren uns darauf, preiswertes Wohnen anzubieten".

Mannheims neuer Stadtteil Franklin
Mannheims neuer Stadtteil Franklin (Archivbild)

Mieterverein: GBG zu engagiert bei "hochpreisigen Projekten"

Auch vom Mieterverein Mannheim gibt es zuweilen Kritik an der GBG. Dem Verein zufolge habe sich die GBG "in den vergangenen Jahren aus unserer Sicht zu viel in hochpreisigen Projekten engagiert, zum Beispiel bei den Buchstaben-Hochhäusern im Stadtteil Franklin". Dazu sagt GBG-Chef Frings, Aufgabe des Unternehmens sei es, "nicht mehr allein nur preiswerten Wohnraum zu schaffen, sondern ein Angebot für ganz viele Menschen - in unterschiedlichen Preissegmenten, mit anderer Wohnausstattung und anderen Wohnraumgrößen".

All das, so Frings, sei "Teil unserer Aufgabe". Bei Neubauten bewegten sich die Mieten "wie im Neubausektor üblich - aber nur in ausgesuchten Fällen." Eines der Unternehmensziele sei zudem, "im Neubau rund 50 Prozent aller Wohnungen öffentlich gefördert zu errichten". Das sind mietgünstige Sozialwohnungen; für den Bau erhält ein Vermieter (in dem Fall die GBG) eine staatliche Förderung.

100. Jubiläum: Meilensteine der GBG Mannheim

Die beiden wichtigsten Meilensteine in der 100-jährigen GBG-Geschichte sind für Frings zum einen, "dass wir seit der Gründung die Aufgabe haben, bezahlbares Wohnen in Mannheim zu sichern". Das war in den Gründungsjahren (den 1920er Jahren) schlicht notwendig, weil damals "die blanke Wohnungsnot" herrschte, ebenso wie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute gehe es um "Wohnungsknappheit", auch dies eine Herausforderung.

Zum anderen die Tatsache, dass die GBG ein städtisches Unternehmen sei, was Frings gut findet: "Die Stadt Mannheim ist nie der Versuchung erlegen, wie viele andere Städte in den vergangenen 20 Jahren, zu sagen: Der Markt wird es schon richten, wir brauchen keine kommunalen Wohnungsbaugesellschaften mehr."

GBG-Wohnsiedlung Erlenhof in der Mannheimer Neckarstadt
Historisches Bild der Wohnsiedlung Erlenhof in der Mannheimer Neckarstadt - 1926 das erste große Wohnungsbau-Projekt der Mannheimer GBG. (Bild: GBG) GBG Mannheim

Wohnen wird man immer müssen.

Wie die GBG in 100 Jahren aussehen wird, also im Jahr 2126? Karl-Heinz Frings ist sicher, dass es das Unternehmen dann noch geben wird. Denn: "Egal wie sich die Zukunft entwickelt - wohnen wird man immer müssen."

Weiterer Rückgang zum Vorjahr Immer weniger neue Wohnungen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg sind vergangenes Jahr knapp 25.000 neue Wohnungen gebaut worden. Dies ist ein enormer Rückgang vor allem bei sozialen Mietwohnungen, so der Branchenverband.

SWR Aktuell am Vormittag SWR Aktuell

Mannheim

Immobilien-Unternehmen investiert 100 Millionen Euro Mannheimer "HOME"-Hochhäuser bald komplett: Bau des "M"-Gebäudes ab Ende 2026

Die Buchstaben-Hochhäuser "H", "O" und "E" im Mannheimer Stadtteil Franklin gibts schon. Nach etwas Verzögerung kommt nun ein "M"-Hochhaus dazu - dann ist "HOME" vollständig.

Heilbronn

Wohnungen und Schulen kaum auf Hitze ausgelegt Werden unsere Gebäude zur Hitzefalle? Wie der Klimawandel das Bauen verändert

Gebäude wurden jahrzehntelang vor allem für Kälte und Energieeffizienz geplant. Mit dem Klimawandel wird Hitzeschutz wichtiger. Besonders ältere Gebäude heizen sich stark auf.

Neuwied

Hunderte neue Wohnungen bis 2040 nötig Sozialer Wohnungsbau: GSG fordert bessere Förderung für Neuwied

In Neuwied sollen bis 2040 rund 2.000 neue Wohnungen entstehen. Die soll unter anderem die Gemeindliche Siedlungsgesellschaft bauen. Sie fordert dafür mehr Unterstützung vom Land.

Lage verschärft sich noch Studie: In Baden-Württemberg fehlen rund 200.000 Wohnungen

Wohnraum wird in Baden-Württemberg immer knapper und die Lage dürfte sich in den kommenden Jahren zuspitzen. Die Folgen spüren zunehmend auch ältere Menschen.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Forum Bauen allein reicht nicht - Warum Wohnungsnot die Demokratie gefährdet

Mit dem sogenannten "Bau-Turbo" wollte die Regierung mehr und schnelleren Wohnungsbau fördern. Das Gesetzespaket wurde von vielen Seiten kritisiert. Gefährdet die Wohnungsnot zunehmend die Demokratie?

Forum SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Wolfgang Kessel
Wolfgang Kessel, Redakteur beim SWR in Mannheim

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!