Schulen, Pflegeheime, Wohnungen. In vielen Gebäuden ist die Hitze in diesem Sommer kaum zu ertragen. Die Zahl der Hitzetage ist über die Jahrzehnte deutlich angestiegen. Besonders in dicht besiedelten Städten wie zum Beispiel Heilbronn. Langfristig müssen Gebäude anders geplant werden, sagt etwa eine Sprecherin der Heilbronner Stadtsiedlung. Bedürftige und Menschen mit wenig Geld haben beim Thema Hitze oft schlechtere Karten.
Schulen müssen sich besser auf Hitzewellen vorbereiten
In der Peter-Bruckmann-Schule in Heilbronn heizen sich die Klassenzimmer stark auf. Während der Hitzewelle im Juni stiegen die Temperaturen in vielen Räumen auf bis zu 35 Grad. Das berichtet Schulleiter Christoph Franz dem SWR.
Man kann unter solchen Bedingungen 15 bis 20 Minuten Unterricht machen, danach ist die Konzentration eingeschränkt.
Als Vorsitzender des Berufsschullehrerverbands spricht Christoph Franz für alle Berufsschulen in Baden-Württemberg. Immer wieder klagen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte über Kopfschmerzen. Vereinzelt müssen sich Kinder aufgrund von Hitze übergeben. Es herrsche Handlungsbedarf an vielen Schulen, so Franz weiter.
Die Peter-Bruckmann-Schule steht noch verhältnismäßig gut da. Automatisch öffnende Fenster, die in der Nacht lüften und Außenjalousien zahlen sich aus. Doch bauliche Entscheidungen wie die großen Glasfronten rächen sich zunehmend. Ältere Schulgebäude stehen deutlich schlechter da. Aussichten auf bauliche Veränderungen gebe es nach Einschätzung des Schulleiters kaum. Die Kommunen sind finanziell am Limit. Das Thema Hitzeschutz an Schulen könne nur von Bund, Land und Kommunen gemeinsam bewältigt werden.
In Zeiten von Klimawandel: Hitzeschutz versus hohe Baukosten
Beim Wohnungsbau werden lange Hitzeperioden mittlerweile mitgedacht. Etwa durch bauliche Maßnahmen wie Sonnenschutzverglasung oder Möglichkeiten zum Querlüften. Auch die Stadtsiedlung Heilbronn passt ihre Bauten an das wärmere Klima an, erklärt Sprecherin Sara Furtwängler. Doch beim kommunalen Bauen müsse man Abstriche machen. Hitzeschutz treibe die Baukosten in die Höhe. Die kühle Wohnung wird somit auch eine Frage des Geldes. Viele Menschen können sich die Mietpreise in einem Neubau mit gutem Hitzeschutz nicht leisten.
Auch im Außenbereich gibt es mittlerweile Möglichkeiten, die Temperaturen zu senken. Klimawälder oder Dachbegrünung sorgen für Schatten und ein kühleres Klima durch Verdunstung. Ein Beispiel dafür ist das Quartier Hochgelegen in Heilbronn. Dort soll ein 11.000 Quadratmeter großer Klimawald die Hitze im Sommer erträglicher machen.
Hitzeschutzkonzept in Seniorenzentren überarbeitet
Beim Bau neuer Seniorenzentren gibt es mittlerweile verschiedene Ansätze, die Sommerhitze zu berücksichtigen. Die BBT-Gruppe betreibt mehrere Einrichtungen, zum Beispiel im Hohenlohekreis. Wie eine Sprecherin auf Anfrage erklärt, wird beim Neubau vor allem die Ausrichtung des Gebäudes berücksichtigt. Zudem werden Fensterflächen reduziert. In den alten Gebäuden ist Kreativität gefragt. An besonders heißen Tagen behelfe man sich etwa mit kühlen Getränken und Fußbädern.
Deutlich mehr Hitzetage als noch vor 50 Jahren
An sogenannten Hitzetagen steigen die Temperaturen über die 30 Grad-Marke. Der Klimaatlas des Landes Baden-Württemberg fasst die Wetterdaten der vergangenen Jahrzehnte zusammen. In der Stadt Heilbronn gab es zwischen 1961 und 1990 im Schnitt acht Hitzetage im Jahr. Mittlerweile ist der Wert auf 18 gestiegen. Die Hitzeperioden sind länger geworden. Das liegt unter anderem an der fortschreitenden Versiegelung der Böden.
Auch schwindende Grünflächen sorgen dafür, dass sich die Luft im Sommer stärker erhitzt. Dabei gehört Heilbronn zu den Problemzonen: Mit über 60 Prozent versiegelter Fläche landet die Stadt deutschlandweit auf Platz sieben im Ranking. Negativer Spitzenreiter ist Ludwigshafen am Rhein mit über 66 Prozent.