Mit Aktionen, Workshops und klaren Botschaften setzen Unternehmen am Diversity Day an diesem Dienstag ein Zeichen für Vielfalt. Initiiert wurde der Aktionstag von der "Charta der Vielfalt", einem Arbeitgeberbündnis, das sich für Anerkennung, Wertschätzung und die Beseitigung von Vorurteilen am Arbeitsplatz einsetzt. Seit 2012 steht der Tag dafür, Vielfalt in Unternehmen sichtbar zu machen und Diskriminierung entgegenzuwirken. Organisationen sind aufgerufen, sich aktiv für Chancengleichheit einzusetzen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Identität.
Diversity Day: Vielfalt als klares Signal
Der Anspruch geht inzwischen deutlich weiter. "Während früher vielleicht eine Regenbogenflagge ein Zeichen war, ist es mittlerweile ein Commitment", sagt Cawa Younosi, ehemaliger Personalmanager bei SAP und heute Geschäftsführer von "Charta der Vielfalt". Gerade angesichts politischer Entwicklungen und gesellschaftlicher Debatten sei das Thema wichtiger geworden: "Wenn man sich die Umfrageergebnisse anschaut, gerade die der AfD, zeigt sich, dass die Organisationen jetzt deutlicher Farbe bekennen müssen im Sinne der Demokratiestärkung", so Younosi. Er ist heute eine der bekanntesten Stimmen zum Thema Vielfalt in Deutschland.
Beispiel SAP: Anpassung in einem globalen Umfeld
Gleichzeitig hat sich der Alltag in vielen Betrieben verändert. Wirtschaftliche Unsicherheiten und Sparprogramme dominieren in zahlreichen Unternehmen. "In der Breite ist die Zustimmung und das Commitment da", sagt Younosi. " Auch wenn das Thema ein bisschen in den Hintergrund geraten ist, weil die Firmen aktuell andere Themen haben."
Wie schwierig der Umgang mit Vielfalt im internationalen Kontext sein kann, zeigt Younosis ehemaliger Arbeitgeber SAP. Der Walldorfer Softwarekonzern hat seine Zielmarke für den Frauenanteil in der Belegschaft aufgegeben. Younosi sieht darin jedoch keinen grundsätzlichen Rückzug: "In Deutschland stellen wir fest, dass sie committed sind und ihre Programme weiter aufrechterhalten." Das gelte ebenso für andere internationale Unternehmen, die ihre Strategien je nach Land anpassen müssten. Allerdings: Auch andere Konzerne mit großem US-Geschäft wie die Deutsche Telekom haben Teile ihrer Diversity-Programme über Bord geworfen, seit Donald Trump Vielfalt und Rechte von Minderheiten attackiert.
Mehr Kontrolle gegen Greenwashing
Mit der wachsenden Bedeutung von Vielfalt steigt auch die Kritik: Bleibt es bei schönen Worten? Younosi zufolge habe man bei "Charta der Vielfalt" Vorkehrungen getroffen, um sogenanntes Greenwashing zu verhindern. So müssten Unternehmen ihre Selbstverpflichtung regelmäßig erneuern und konkrete Schritte nachweisen. Zusätzlich seien Schulungen verpflichtend. "Dadurch sind die Hürden gestiegen – und damit auch das Commitment-Level", so Younosi.
Vielfalt im Alltag: Beispiel Mannheim
Ein Beispiel dafür, wie Vielfalt konkret aussehen kann, bietet ein Blick nach Mannheim. Hier engagiert sich das "Bündnis für ein Zusammenleben in Vielfalt", dem unter anderem die Mannheimer Bläserphilharmonie angehört. Das Orchester steht für kulturelle Vielfalt und setzt bewusst auf ein breites Repertoire – von klassischer Musik über Oper bis hin zu Klezmer, also traditioneller jüdischer Instrumentalmusik. Man identifiziere sich mit den Werten der "Charta der Vielfalt" und lebe sie im Orchesteralltag, erklärt Benjamin Grän, Vorsitzender der Bläserphilharmonie. Man wolle zu einem demokratischen vielfältigen Zusammenleben in der Stadt beitragen – jetzt und in Zukunft.
Auch der SWR und die gesamte ARD stellen am Diversity Day Vielfalt und Diversität gezielt in den Mittelpunkt ihrer Programme. Der Fokus liegt auf dem Thema Künstliche Intelligenz, das Motto lautet "re:code diversity – Gerechte KI in einer vielfältigen Demokratie".