Nach größeren Bränden, bei denen die Ursache unklar ist oder Menschen ums Leben gekommen sind, kommen speziell ausgebildete Kräfte der Kriminalpolizei zum Einsatz: sogenannte Brandermittler. Einer von ihnen ist Andreas Dietl. Der 55-Jährige arbeitet seit mehr als 25 Jahren bei der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg des Polizeipräsidiums Mannheim.
Seine Arbeit und die seiner Kollegen beginnt, wenn das Feuer gelöscht ist, wie etwa zuletzt bei einzelnen Bränden in den Mannheimer Quadraten, unter anderem in einer Shisha-Bar. Inzwischen ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Brandstiftung und sucht Zeugen. Ein weiterer Einsatz aus den vergangenen Wochen: der Dachstuhlbrand in Waldwimmersbach (Rhein-Neckar-Kreis), bei dem eine 92 Jahre alte Frau tot geborgen wurde.
Brandermittlung in alten Gebäuden schwierig
In diesem Fall dauern die Ermittlungen weiter an, erzählt Andreas Dietl im SWR-Interview, ohne dabei näher ins Detail zu gehen. Nur so viel: Gerade bei solch alten Gebäuden ist die Ermittlungsarbeit oft schwierig. Die Statik kann zum Problem werden: Denn die alten Baumaterialien - wie etwa Lehm und Stroh - saugen sich mit dem Löschwasser voll. Manche Bereiche können aus Sicherheitsgründen zunächst gar nicht betreten werden. "Dann können wir vielleicht erst im Rahmen von Abriss- oder Teilabrissmaßnahmen weitergucken", so Dietl weiter.
Ermittlungen nach Bränden: Subjektive und objektive Befunde
Die Brandermittler gehen bei der Ursachensuche nach dem "Eliminationsverfahren" vor. "Das heißt, wir prüfen zuerst, ob es eine natürliche Brandursache gibt." Das kann zum Beispiel ein Blitzeinschlag sein. Liegt keine natürliche Ursache vor, gibt es noch "den großen Bereich der technischen Brandursache", also zum Beispiel Elektrik. Wird auch dies ausgeschlossen, "bleibt nur ein Brandstiftungsdelikt". Dabei wird unterschieden in vorsätzliche oder fahrlässige Tat.
Bei Beginn der Ermittlungen steht die Suche nach der genauen Brandausbruchsstelle im Mittelpunkt. Diese, erklärt Dietl, lässt sich zum Beispiel durch Zeugenaussagen - den sogenannten subjektiven Befunden - oder durch objektive Befunde, also den Arbeiten am Brandort, eingrenzen. Diese Stelle zu finden ist aber gar nicht so einfach. "Der Brandort ist natürlich verändert und nicht mehr im Ursprungszustand", erzählt der Brandermittler. DNA, Fingerabdrücke, Faserspuren - vieles davon ist durch das Feuer zerstört worden.
Bei einem Feuer weiß man meistens nie, was eigentlich vorliegt. Haben wir eine Straftat oder haben wir keine Straftat?
Von Spürhunden bis zu Brandversuchen: Suche nach der Brandursache
Steht der Verdacht einer Brandstiftung im Raum, hat die Polizei mehrere Möglichkeiten. Zum Einsatz kommen beispielsweise Brandmittelspürhunde, die den Geruch von Benzin oder Spiritus an Brandorten aufspüren können. Die Hunde werden aber auch dort eingesetzt, wo Brandermittler selbst nicht mehr hinkommen - wenn zum Beispiel das Dach bereits eingestürzt ist. Die Polizei greift auch auf Drohnen zurück, um diese Bereiche von oben und aus der Nähe begutachten zu können.
Ist die Brandausbruchstelle schließlich gefunden, suchen die Ermittler nach der Ursache. "Das heißt, die Brandausbruchstelle wird schichtweise abgetragen und immer geschaut, ob wir irgendwas finden." Technische Geräte, die durch das Feuer geschmolzen sind, oder auch Proben werden sichergestellt und von Experten des Landeskriminalamtes (LKA) untersucht. Das LKA führt aber auch immer wieder Brandversuche durch, um zu klären, ob es überhaupt möglich ist, durch die vermutete Brandursache einen Brand auszulösen.
"Hinter jedem Brand hängt ein Schicksal"
In der Regel sind die Brandermittler ein, zwei Tage vor Ort, schätzt Dietl. Es gibt aber auch immer wieder Fälle, in denen die Klärung der Brandursache länger dauert oder ungeklärt bleibt, "weil das Feuer so viel zerstört hat, dass man manche Sachen nie mehr beurteilen kann". Am meisten bleiben dem Brandermittler neben diesen großen Einsätzen auch die kleineren Brände in Erinnerung - "weil hinter jedem Brand ein Schicksal hängt".