Die extreme Hitze in Baden-Württemberg hatte Auswirkungen auf die Gesundheit und das Leben vieler Menschen. Wie oft die Hitze in den vergangenen Tagen allerdings die Todesursache eines Menschen war, lässt sich nur schwer sagen. Oft steckt dahinter eine Kombination von Hitze und einer Vorerkrankung oder einem geschwächten Zustand.
Offizielle "Hitzetod-Zahlen" gibt es für diesen Zeitraum noch nicht. "Hitzeperioden führen in Deutschland regelmäßig zu einem Anstieg der Mortalität", heißt es im Wochenbericht des Robert Koch Instituts (RKI) für die Tage vom 15. bis zum 21. Juni (Vorwoche).
Schon vor der Hitzeperiode vergangene Woche hat es in Deutschland nach Schätzung des RKI in diesem Jahr mehr als 800 hitzebedingte Todesfälle gegeben. Rund 500 davon waren Menschen im Alter von 85 oder mehr Jahren.
Diese Beobachtung deckt sich mit den Eindrücken von Bestattern aus der Rhein-Neckar-Region. Gegenüber dem SWR sagten sie: Nach dem vergangenen Wochenende gab es so viel zu tun wie selten zuvor.
Heidelberger Bestatter: "Wir befinden uns in einer extrem hohen Auslastungssituation"
Oliver Glaser ist der Geschäftsleiter des Heidelberger Unternehmens "Bestattungshaus Kurz Feuerstein" - ein Bestattungsinsitut mit vier Standorten in der Rhein-Neckar-Region. Er spricht von einer extrem hohen Auslastung nach der Rekordhitze am vergangenen Wochenende. Und zwar vor allem, was die sogenannten "polizeilichen Bergungen" betrifft.
Das sind Situationen, in denen Bestattungsunternehmen Menschen abholen, die tot in ihren Wohnungen oder auch im Freien aufgefunden werden. In "nicht kontrollierten" Situationen, wie es weiter heißt. Also nicht im klassischen Sterbebett zuhause, im Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung.
Üblicherweise haben wir zwei bis vier polizeiliche Bergungen an einem Wochenende. Jetzt hat sich das nahezu verfünffacht.
Dass sie gerade extrem viel zu tun haben, bestätigen auch andere Bestatter aus der Rhein-Neckar-Region. Von einer Verdoppelung bis Verdreifachung ist auch hier die Rede. Die baden-württembergische Bestatter-Innung hingegen kann bisher "keine außergewöhnliche Überlastung" feststellen.
Hitze als Todesursache: Bestatter sehen "Muster"
Die Situation sei vergleichbar mit der in der Coronazeit, sagt Oliver Glaser vom "Bestattungshaus Kurz Feuerstein". So wie viele Menschen nicht "durch" sondern "mit" Corona starben, würden Menschen jetzt oft durch Hitze im Zusammenhang mit einer anderen Schwächung sterben. "Wir als Bestatter sehen ja Muster in den Sterbefällen", so Glaser. Betroffen seien vor allem ältere Menschen und "bei aller Pietät - übergewichtige Menschen".
Die Betroffenen seien der Hitze dabei meist schutzlos zuhause ausgeliefert gewesen. Eine ähnliche Häufung von Todesfällen habe er bisher auch nur in der Coronazeit erlebt, so der Bestatter. Doch nicht nur hier waren die Bestatter tätig. Hinzu kam die Bergung von jüngeren Personen im Schwimmbad sowie im Wald. Aus Sicht von Glaser und anderen zeige sich eines deutlich: Deutschland sei aktuell nicht auf solche Situationen vorbereitet.