Wenn die Spielzeiten in den Opern und Theatern des Landes enden und sommerliche Sonnenstrahlen auf Ötigheim im Kreis Rastatt herunterbrennen, beginnt für die Volksschauspiele die Saison. In diesem Jahr verwandelt sich die größte Freilichtbühne Deutschlands in das weiße Rössl am Wolfgangsee und die badischen Amateure und Profisänger tragen Dirndl und Lederhosen.
Dass die Volksschauspiele Ötigheim in diesem Jahr "Im weißen Rössl" auf die Bühne bringt, ist etwas besonders, sagt auch Schauspieler Reinhard Danner. Er spielt eine Hauptrolle im Stück.
Weil wir nicht jedes Jahr in unglaublich moralischen, ernsthaften Stücken unterwegs sein wollen.
"Im weißen Rössl": Tagsüber Wein, abends Leopold
Bei den Volksschauspielen Ötigheim spielen Profisänger und Amateure Seite an Seite. Reinhard Danner verkauft im echten Leben badische Weine, abends schlüpft er in die Rolle des unglücklich verliebten Leopolds. Seit drei Jahrzehnten opfert er seine Feierabende für Proben in Ötigheim.
Es gibt nicht viele Möglichkeiten, in denen man sich diesbezüglich ausbreiten kann und zeigen kann, wer man ist.
Er hat früher lange Zeit in Gesangsstunden, Schauspielunterricht und Sprechunterricht investiert und ist sehr glücklich, dass Ötigheim eine Bühne für sein Können bietet. Und zwar eine große.
Reinhard Danner spielt den Ober Leopold, der sich in die Rösslwirtin Josepha Vogelhuber verliebt. Sie wiederum erwartet sehnlichst die Ankunft ihres Lieblings-Stammgastes Rechtsanwalt Siedler, der nur Augen für Ottilie hat. Sie ist die Tochter eines Berliner Fabrikants, der in einem Prozess gegen eben diesen Rechtsanwalt schlechte Karten zu haben scheint.
Als wäre "Im weißen Rössl" gut gealtert
Die Operette ist nicht der Heimatfilm mit Peter Alexander und Waltraut Haas. Zumindest wirkt er weniger aus der Zeit gefallen. Keine veralteten Sprüche über "bockende Weibsbilder", sondern Nostalgie und bekannte Gefühle. Die Bühnenfassung von "Im weißen Rössl" ist Holger Hauer zuzuschreiben. Ein bisschen lustiger wollte er es haben und weniger Selbstmitleid.
Es gibt nichts Schlimmeres als Selbstmitleid auf Bühnen.
Zuschauen mag Leopold nicht, wenn seine Angebetete einen anderen liebt. Genauso könnte der Regisseur aus seiner Zuschauer-Rolle gerissen werden. Nämlich dann, wenn Reinhard Danner krank werden sollte. Sollte das passieren, spielt Holger Hauer nämlich den Leopold. Darauf haben sich die Verantwortlichen geeinigt, weil er die Rolle selbst schon einmal als Darsteller übernommen hatte. Eine Probe muss dem Regisseur genügen. Die sei aber zum Glück gut gelaufen. Im Ernstfall muss schließlich alles sitzen.
Da hab ich leichtsinnig wie ich bin zugesagt. Es ist dann doch ein großer Unterschied, vom Regiepult weg wieder auf der anderen Seite zu stehen.
Deutschlands größte Freilichtbühne ist auch eine Herausforderung
Die größte Freilichtbühne Deutschlands: Eine Chance, sich selbst zu verwirklichen, für einige Profis auch eine ganz besondere Herausforderung. Lisa Hähnel ist die Zweitbesetzung für Josepha Vogelhuber, die Rösslwirtin und ist eigentlich Konzert- und Opernhäuser gewohnt. Eine 270 Meter breite und auch sehr hohe Bühne im Freien hat seine ganz eigene Tücken. Je nach Wind und Wetter hört sie das Orchester auf der Bühne besser oder schlechter. Mit dem Wind hat das zu tun, aber auch mit der Luftfeuchtigkeit und Temperatur.
So muss man sich jedes Mal aufs Neue einstellen: Wie höre ich heute? Das ist echt spannend!
Überhaupt keine Umstellung ist das für Maximilian Tüg. Er übernimmt nicht nur regelmäßig Rollen auf der Freilichtbühne Ötigheim, sogar den schönen Sigismund hat er hier schon gespielt. 2009 haben die Ötigheimer das Weiße Rössl nämlich schon einmal aufgeführt und Tügs Probenvorbereitungen hatten es damals in sich.
Mit Freunden ist er an den Wolfgangsee gefahren und in einer zum Hotel gehörenden Ferienwohnung abgestiegen. Und seitdem alle Jahre wieder. "Mittlerweile sind wir vom Tourismusverband St.Wolfgang sogar geehrt worden", erzählt Maximilian Tüg und mehr noch: Die Reisegruppe hat die aktuelle Rösslwirtin sogar davon überzeugt, vom Wolfgangsee nach Ötigheim zur Premiere zu kommen.