Die hohen Temperaturen der vergangenen Tage verursachten Schäden an der Infrastruktur, brachten Rettungskräfte an ihr Limit und sorgten für eine Vielzahl an Badeunfällen. Diese Auswirkungen hatte die Hitzewelle auf Deutschland und Baden-Württemberg.
- Ein Temperaturrekord jagte den nächsten
- Zahlreiche Tote durch Badeunfälle
- Aufruhr und Überfüllung in Freibädern
- Notaufnahmen durch die Hitze am Limit
- Rettungskräfte durchgehend gefordert
- Infrastruktur leidet unter extremen Temperaturen
- Viele Veranstaltungen wegen Hitze abgesagt
Ein Temperaturrekord jagte den nächsten
Der vorläufige neue Temperaturrekord von 41,7 Grad in Deutschland wurde laut Deutschem Wetterdienst (DWD) am Sonntag in Neißemünde in Brandenburg gemessen - es war der dritte Tag in Folge, an dem in Deutschland ein neuer Temperaturrekord verzeichnet wurde. Am Freitag hatte der Wetterdienst in Saarbrücken-Burbach nach vorläufigen Angaben 41,3 Grad gemessen, am Samstag an derselben Station 41,4 Grad. Den nächsten vorläufigen Rekord registrierte der DWD dann ebenfalls am Samstagnachmittag mit 41,5 Grad in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt. Der vorherige Hitzerekord für Deutschland hatte sieben Jahre gehalten und bei 41,2 Grad gelegen.
Nicht nur am Tag fielen Rekorde: Die Nacht von Samstag auf Sonntag war nach vorläufigen DWD-Angaben die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Im ostsächsischen Kubschütz sank die Nachttemperatur nicht unter 29,4 Grad.
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Zahlreiche Tote durch Badeunfälle
Bei den hohen Temperaturen suchten viele Menschen Abkühlung im Wasser. Damit stieg auch die Zahl der Badeunfälle: In Baden-Württemberg kamen nach SWR-Informationen zum jetzigem Stand während der Hitzewelle fünf Menschen bei Badeunfällen ums Leben. Zwei Männer galten nach einem Badeunfall im Bodensee am vergangenen Donnerstag vorerst als vermisst. Die Polizei bestätigte dann am Freitag den Fund der Leichen.
Unter einer Autobahnbrücke bei Ettlingen (Kreis Karlsruhe) ist am Sonntag ein 73-jähriger Mann in der Alb entdeckt worden. Einsatzkräfte der DLRG bargen den Mann aus dem Wasser. Der Rettungsdienst konnte nur noch seinen Tod feststellen. Am Samstag war laut Polizei ein 27-Jähriger in Heidelberg-Wieblingen im Neckar ertrunken. Trotz schneller Rettungsaktion konnte der Mann nur tot geborgen werden. Außerdem ist ein 63-jähriger Mann nach einem Badeunfall in einem Freibad in Neckarbischofsheim (Rhein-Neckar-Kreis) im Krankenhaus gestorben.
Nach Angaben der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) sind in ganz Deutschland zwischen Donnerstag und Sonntag mindestens 33 Menschen beim Baden ums Leben gekommen. Die Statistik enthält demnach auch identifizierte Personen, nach denen noch gesucht werde.
Aufruhr und Überfüllung in Freibädern
Die große Hitze hat zu einem Ansturm auf die Freibäder in Baden-Württemberg geführt. So mussten zum Beispiel einige Bäder in der Ortenau wegen Überfüllung vorübergehend schließen.
Außerdem kam es in mehreren Freibädern zu Vorfällen, bei denen die Polizei einschreiten musste. Während in Obersulm (Kreis Heilbronn) ein Streit zwischen einem Mann und einer Bademeisterin in einem Tumult und mit einem Polizeieinsatz endete, mussten in Heilbronn Sicherheitskräfte am Mittwochabend einen Konflikt zwischen Jugendgruppen schlichten.
Die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen sorgen für Diskussionen. Einige Freibäder setzen inzwischen gezielt auf Security-Personal. Andere sehen dafür aktuell keinen Anlass.
Notaufnahmen durch die Hitze am Limit
Die Notaufnahmen vieler Kliniken in Baden-Württemberg sind am Wochenende an ihre Belastungsgrenze gekommen. Wegen der Hitze haben einige Stadt- und Landkreise sogar eine außergewöhnliche Einsatzlage ausgerufen - etwa in Stuttgart, Karlsruhe und Heilbronn.
Nach SWR-Informationen kamen in Stuttgart mehr als hundert Menschen in die Notaufnahmen. Die Zahl der Notfälle sei deutlich gestiegen, darunter schwerste hitzebedingte Störungen mit Organversagen, so der Medizinische Vorstand des Klinikums Stuttgart. Im Klinikum Stuttgart seien mehr als 100 Menschen mit Problemen rund um die Hitze in die Notaufnahme gekommen. Das Stuttgarter Marienhospital hat am Wochenende laut eigenen Angaben rund 50 Patientinnen und Patienten mit hitzebedingten Beschwerden behandelt.
Die Kinderklinik in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) mahnt, bei der Hitze mehr Rücksicht auf die Gesundheit von Kindern zu nehmen. Ärztin Saskia Wunderlich sagte dem SWR: "Ich denke, es wird genauso weitergehen, dass wir Kinder beim Hitzekollaps haben, dass wir Kinder mit Sonnenstich und Kinder mit Hitzeschlag versorgen müssen." Die Ärztin appelliert an Schulen, Kindergärten und Eltern, sich mit den Kindern bei einer solchen Hitze drinnen aufzuhalten und darauf zu achten, wie viel und was die Kinder trinken. "Sie sind einfach viel anfälliger für eine Austrocknung."
Rettungskräfte durchgehend gefordert
Die Branddirektion der Stadt Karlsruhe gab bekannt, dass am Wochenende deutlich mehr Einsätze als sonst an durchschnittlich warmen Sommertagen stattgefunden haben: Mehr als 2.500 Notrufe und rund 750 Einsätze pro Tag habe man verzeichnet. Das seien fast doppelt so viele wie an normalen Sommertagen.
Nach Angaben einer Polizeisprecherin war in Bad Friedrichshall (Landkreis Heilbronn) eine weggeworfene E-Zigarette die Ursache für ein Feuer am Sonntag. Am Freitag und Samstag kam es ebenfalls aufgrund von Bränden zu kurzzeitigen Sperrungen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Ausfälle bei S-Bahnen und im Fernverkehr waren die Folgen.
Infrastruktur leidet unter extremen Temperaturen
Die Hitze sorgte jedoch für Probleme im Nahverkehr: In Heidelberg mussten die Straßenbahn-Linien 23 und 24 den Betrieb einstellen. Die Unterbrechung sei laut Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) eine Maßnahme gewesen, um Schäden an den Bahnen sowie an privaten Fahrzeugen durch geschmolzenes Bitumen zu vermeiden.
Wegen der hohen Temperaturen hatte die Deutsche Bahn am Wochenende vor nicht notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr abgeraten. Und tatsächlich gab es Probleme: So strandeten am Samstagabend mehr als 600 Passagiere ohne Klimaanlage in einem Zug in der Prignitz in Brandenburg.
In Heilbronn zog die Hitze mehrere Fahrbahnschäden nach sich. Allein im Hohenlohekreis mussten auf über 15 Streckenabschnitten Sofortmaßnahmen ergriffen werden. Einige Straßen mussten gesperrt werden, darunter der Abschnitt zwischen Mulfingen-Eberbach und Simprechtshausen. Um die Sicherheit zu gewährleisten und größere Schäden zu vermeiden, wurde zudem auf einigen Straßen Splitt verteilt und Geschwindigkeitsbegrenzungen verhängt. Auch auf der A6 zwischen Kirchberg und Ilshofen löst sich an mehren Stellen die Mittelfuge, die die Asphalt- Fahrbahnteile verbindet. Deshalb gilt dort momentan statt 120 nun Tempo 80. Die Heilbronner Oststraße traf es gleich doppelt: Dort gab es einen Wasserrohbruch und die Straße wölbte sich. Am Dienstag sollen laut Polizei die Reparaturarbeiten beendet werden.
Laut ADAC kann es auch weiterhin durch die hohen Temperaturen der vergangenen Tage auf einigen älteren Autobahnen in der Region zu sogenannten „Blow-Ups“ kommen - Aufwölbungen oder Aufbrüche der Fahrbahndecke. Sie können plötzlich auftreten und stellen dadurch eine Gefahr für Verkehrsteilnehmer dar. Dennis Plischke - Verkehrsexperte des ADAC Nordbaden - gibt Tipps, was man als Auto- oder Motorradfahrer tun kann:
Viele Veranstaltungen wegen Hitze abgesagt
Wegen der Rekordhitze sind zahlreiche Veranstaltungen und Feste ausgefallen. So wurde das Stuttgarter Kinderfest wegen der Hitze abgesagt, ebenso der Bevölkerungsschutztag mit einer zentralen Veranstaltung in Freiburg. Der Württembergische Fußballverband hatte sämtliche Spiele für das vergangene Wochenende abgesagt.
Konsequenzen gefordert
Nach der Hitzewelle werden von vielen Seiten Konsequenzen gefordert. Grünen-Bundesfraktionschefin Katharina Dröge warf der Bundesregierung vor, nichts für den Hitzeschutz der Bevölkerung zu tun.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte im Deutschlandfunk, Länder und Kommunen seien selbst für den Hitzeschutz verantwortlich. Der Bund habe ihnen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die Länder könnten diese Summe frei investieren. Gleichzeitig wolle der Bund beim Hitzeschutz weiter unterstützen.