Immer mehr junge Menschen in der Region Heilbronn-Franken beginnen eine Ausbildung im Handwerk. Nach Angaben der Handwerkskammer Heilbronn-Franken wurden zum Jahresende 2025 insgesamt 1.667 neue Ausbildungsverträge registriert - ein Anstieg von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ausschlaggebend sind laut Kammer die guten Karrierechancen, vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten und die vergleichsweise hohe Krisensicherheit der Branche - und vielleicht auch die Angst vor Künstlicher Intelligenz?
Künstliche Intelligenz sorgt für Unsicherheit bei Bürojobs
Eine aktuelle Umfrage der Karriere-Plattform LinkedIn zeigt: Junge Menschen orientieren sich wieder stärker in Richtung Handwerk und technische Ausbildungsberufe. Viele sehen dort bessere Perspektiven als im Büro. 53 Prozent erwarten mehr finanzielle Stabilität, 49 Prozent eine bessere Work-Life-Balance und 57 Prozent empfinden die Arbeit als sinnstiftender. Gleichzeitig könnte dieser Trend helfen, dem Fachkräftemangel in diesen Bereichen entgegenzuwirken.
Ein wichtiger Treiber ist laut Umfrage die Verunsicherung durch Künstliche Intelligenz. Gerade Bürojobs gelten als stärker gefährdet, weshalb für über die Hälfte der 18- bis 28-Jährigen die "KI-Sicherheit" eines Berufs entscheidend ist - ein Vorteil für das Handwerk. Dennoch bleibt sozialer Druck: Viele junge Menschen fühlen sich von ihrem Umfeld weiterhin in Richtung Bürojob gedrängt.
Trend zu handwerklichen Berufen zeigt sich landesweit
Auch landesweit zeigt sich der Trend hin zum Handwerk: In Baden-Württemberg wurden 2025 nach Angaben von HANDWERK BW rund 18.900 neue Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen - ein Plus von 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit hat die Branche wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht. HANDWERK BW ist der Dachverband der Handwerksorganisationen im Land.
Gleichzeitig berichten Betriebe von wachsendem Interesse junger Menschen, die handwerkliche Berufe zunehmend als krisensicher und zukunftsfähig einschätzen - auch vor dem Hintergrund technologischer Entwicklungen wie Künstlicher Intelligenz.
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Haben junge Leute Sorge, dass KI Jobs wegnehmen könnte?
An den Hochschulen in Heilbronn zeigt sich ein anderes Bild: Eine ausgeprägte Angst vor Künstlicher Intelligenz unter Studierenden werde dort nicht beobachtet. Sowohl an der Hochschule Heilbronn als auch an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn werde KI vielmehr als Chance wahrgenommen. Die Nachfrage nach Studiengängen rund um Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sei hoch, während klassische Studiengänge weiterhin stabil nachgefragt bleiben, heißt es.
Eine nicht-repräsentative Umfrage des SWR auf dem Campus Sontheim der Hochschule Heilbronn zeigt, dass einige Studierende sehr wohl Sorge um ihre Jobaussichten haben.
Maximilian studiert Mechanik und Robotik und hat Künstliche Intelligenz am Anfang seines Studiums noch belächelt. Heute macht er sich schon ein wenig Sorgen um die Zukunft, sagt er. Trotzdem denkt er nicht, dass Künstliche Intelligenz einen fähigen Ingenieur ersetzen könne: "Es ist auf jeden Fall ein wichtiges Werkzeug und ohne das ist man irgendwann als Ingenieur abgehängt, wenn man sich dagegen weigert".
Man macht sich natürlich schon Gedanken darüber, dass Unternehmen immer mehr auf KI setzen.
Alina aus Heilbronn studiert BWL und interkulturelle Studien. Sie macht sich keine Sorgen darüber, dass man komplett durch KI ersetzt wird. Aber sie meint, dass es vielleicht nicht mehr so einfach sein wird, einen Job zu finden, weil in Zukunft eventuell viele Arbeitgeber sagen, sie setzen mehr auf KI und weniger auf "menschliche Arbeit".
Jonathan, ebenfalls aus Heilbronn, fand das Thema KI schon bei der Auswahl seines Studiengangs enorm wichtig. Er studiert Automotive Systems Engineering. Er glaubt an eine Umstellung in der Arbeitswelt, aber es werde im Technologie-Bereich immer noch Menschen geben, die die KI auch bedienen müssen. Miriam studiert Angewandte KI in Heilbronn, weil KI in Zukunft immer wichtiger wird, sagt sie. Sie sieht die Sorge vor KI als berechtigt an, es werden aber auch neue Stellen geschaffen, "da die KI gefüttert werden muss". Viele neue Job-Möglichkeiten würden dadurch hinzukommen.
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Fachkräfte weiter dringend gesucht
Dennoch bleibt der Bedarf hoch: Trotz steigender Zahlen waren zu Beginn des Ausbildungsjahres 2025/26 noch rund 6.000 Lehrstellen unbesetzt, insbesondere im Bau- und Nahrungsmittelhandwerk. Besonders groß ist in Heilbronn-Franken laut Handwerkskammer auch der Bedarf in den sogenannten Klimahandwerken, etwa Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder Elektronikern, die Photovoltaikanlagen in Betrieb nehmen. Sowohl die Handwerkskammer Heilbronn-Franken als auch HANDWERK BW betonen daher: Das Interesse wächst, reicht aber noch nicht aus, um den Bedarf vollständig zu decken.