Am 7. Januar 2025 sind bei der Firma Hänel in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) zwei Mitarbeiter während ihrer Pause erschossen worden. Ein dritter überlebte mit schweren Verletzungen. Noch am selben Abend wurde ein Arbeitskollege in Seckach (Neckar-Odenwald-Kreis) festgenommen. Das Landgericht Heilbronn hat den Mann am Mittwoch zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt. Damit ist eine Freilassung nach 15 Jahren in der Regel nicht möglich.
Urteil: Landgericht Heilbronn spricht Angeklagten schuldig
Das Landgericht hat den 53-Jährigen wegen zweifachen Mordes und zweifachen versuchten Mordes schuldig gesprochen. Es folgte damit der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, weil es nicht genügend Beweise gegeben habe. Der Angeklagte äußerte sich während der vielen Prozesstage nicht und schwieg sowohl zu den Vorwürfen als auch zu einem möglichen Motiv. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger des Angeklagten hat gegenüber dem SWR bereits angekündigt Revision einzulegen.
Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann im Januar 23 Mal innerhalb von 75 Sekunden auf drei seiner Arbeitskollegen geschossen hatte. Zwei Brüder starben. Ein Mann wurde schwer verletzt und ist wohl für immer blind. Ein vierter Kollege konnte noch rechtzeitig aus dem Pausenraum flüchten. Von dem Wagen des Verurteilten gibt es Aufnahmen, wie er nach Bad Friedrichshall fährt, obwohl er an dem Tag bei der Arbeit fehlte. Sein Verteidiger erklärte, er habe keine Erinnerung an den Tatzeitraum.
Laut Gericht hätten sich bei dem Mann Neid und Wut aufgestaut. Mobbing durch Kolleginnen und Kollegen hatte das Gericht als Motiv ausgeschlossen. Seine Opfer hatte der Mann laut der Kammer genau ausgewählt. Eine diagnostizierte psychische Erkrankung des Angeklagten bewerteten die Richter nicht mit einer verminderten Schuldfähigkeit.
Firma in Bad Friedrichshall um normalen Alltag bemüht
Über 120 Menschen waren in den vergangenen Monaten als Zeuginnen und Zeugen geladen. Laut eines Gutachters ist der Angeklagte voll schuldfähig. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagten aus, dass der Mann anfänglich ganz umgänglich gewesen sei, es danach aber immer mehr Probleme gab. Einen Mitarbeiter hätte er unvermittelt ins Gesicht geschlagen. Auch bei ehemaligen Arbeitgebern im Neckar-Odenwald-Kreis fiel der Mann durch ähnliche Vorfälle auf.
Die Firma Hänel versuchte nach eigenen Angaben, in den vergangenen Monaten so gut es ging den Alltag wiederherzustellen. "Das tragische Geschehen im Januar hat uns alle und das Unternehmen insgesamt hart getroffen. Als eine unserer wichtigsten Aufgaben betrachten wir immer noch, unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu unterstützen", erklärte Geschäftsführer Joachim Hänel dem SWR. Unter anderem wurde der Pausenraum komplett umgestaltet und es gab psychologische Betreuung.