Die Tat sorgte weit über die Region Heilbronn-Franken hinaus für Entsetzen: Im Januar dieses Jahres soll ein damals 52-jähriger Mann in einer Firma in Bad Friedrichshall-Kochendorf (Kreis Heilbronn) zwei Menschen erschossen und einen weiteren Mann schwer verletzt haben. Nun steht fest: Die Anklage ist zugelassen, der Prozess beginnt Ende Juli vor dem Landgericht Heilbronn. Das erklärte eine Sprecherin dem SWR.
Nach Tat in Bad Friedrichshall: Mutmaßlicher Doppelmörder vor Gericht
Zwei Leben ausgelöscht, ein drittes beinahe - zurück bleiben vor Ort Fassungslosigkeit und viele offene Fragen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zweifachen Mord und versuchten Mord vor. Ihm könnte eine lebenslange Freiheitsstrafe drohen. Das Gericht wird zudem prüfen, ob eine "besondere Schwere der Schuld" vorliegt. Sollte das der Fall sein, wäre eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.
Tat bleibt vor Ort unvergessen
Die Tat bewegte die Anwohnerinnen und Anwohner auch die vergangenen Monate. Unvergessen ist der Tag, an dem die Polizei mit einem Großaufgebot in dem Bad Friedrichshaller Stadtteil anrückte. Das Medieninteresse war riesig, die Verunsicherung groß. "Das hat den Ort aufgerüttelt ohne Ende", berichtet Anwohner Eberhard Lechner rund ein halbes Jahr nach den tödlichen Schüssen in Bad Friedrichshall. Erleichterung stellte sich dann kurze Zeit später ein, als ein Tatverdächtiger gefasst wurde, sagt auch Andrea Matera, die vor Ort wohnt. Nichtsdestotrotz - noch steckt der Schreck den Menschen in den Gliedern.
Eine Postzustellerin berichtet, dass die Tat weiter in den Köpfen der Menschen sei. Immer wieder ist das Geschehene Gesprächsthema, sagte sie. Mit dem Gerichtsprozess, so hofft sie, könnten der Stadtteil Kochendorf und die Anwohnenden endlich mit der Sache abschließen. Das bestätigt auch Anwohnerin Matera: "Schön ist es, wenn Ruhe einkehren wird und ein Knopf drankommt." Für die Familie aber, die ihre Angehörigen verloren hat, wird das wohl nie passieren, fügt sie hinzu. Dennoch werde das Geschehene im Ort wohl "leider auch einmal in Vergessenheit geraten".
Türen sind abgeschlossen - Menschen sind vorsichtiger
Anwohner Eberhardt Lechner erhofft sich Antworten durch den Gerichtsprozess, vor allem Hintergründe interssieren ihn. Noch heute werde viel im Ort spekuliert, keiner wüsste wirklich, was sich im Vorfeld abgespielt habe und warum die Tat im Januar geschah.
Auch die Postzustellerin denkt nach eigenen Angaben immer wieder an den Tag zurück, vor allem dann, wenn sie am betroffenen Betrieb vorbeikommt. Und sie fragt sich, warum die beiden Menschen sterben mussten und was einen anderen dazu bewegt, jemanden zu töten. Nicht nur sie sei vorsichtiger geworden - in einigen Betrieben seien die Türen jetzt verschlossen, akribisch werde nachgefragt, was das Anliegen sei.
Festnahme noch am selben Abend
Bei der Festnahme des Tatverdächtigen damals noch am selben Abend hatte die Polizei in dessen Wohnhaus in Seckach (Neckar-Odenwald-Kreis) mehrere Schusswaffen entdeckt. Die soll er legal besessen haben. Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er schweigt bisher zu den Vorwürfen. Der Prozess dürfte für öffentliche Aufmerksamkeit sorgen. Denn noch immer ist unklar, warum die Tat geschah.
Rund eine Woche war die Maschinenbaufirma Hänel nach dem Vorfall geschlossen. Bei den beiden Getöteten handelt es sich laut Polizei um zwei Brüder. Sie sollen den mutmaßlichen Täter gekannt haben.