Die jahrelange Ungewissheit am Schlachthof Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) hat ein Ende. Wie die niederländische Vion-Gruppe mitteilte, übernimmt das Unternehmen Boeser Frischfleisch aus Frechen bei Köln den Standort.
Für die knapp 600 Beschäftigten und die Landwirtschaft in der Region gilt dies als entscheidendes Signal der Stabilität. Das Einzugsgebiet des Betriebs reicht von Sinsheim bis in den Ostalbkreis und umfasst auch angrenzende Gebiete in Bayern.
Bauernverband: "Alles fein“ für die Region
Besonders für die lokalen Erzeuger ist der Verkauf eine gute Nachricht. Jürgen Maurer, Vorsitzender des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems zeigte sich gegenüber dem SWR erleichtert: Für ihn sei nun „alles fein“. Dass die Landwirte auch künftig einen regionalen Schlachthof in der Nähe haben, sichere kurze Transportwege und die Abnahme der Tiere. In Crailsheim werden jährlich rund eine Million Schweine und 95.000 Rinder geschlachtet.
Vion beugt sich Strukturwandel
Vion verfolgt bereits seit 2024 den Plan, seine deutschen Schlachtbetriebe zu veräußern. Hintergrund ist ein tiefgreifender Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft. Durch einen sinkenden Fleischkonsum und rückläufige Tierbestände sah das Unternehmen keine Basis mehr für den Weiterbetrieb in Eigenregie.
Während der Markt in Nordrhein-Westfalen als gesättigt gilt, suchte der neue Eigentümer Boeser Frischfleisch gezielt nach einem eigenen Schlachtbetrieb und wurde nun in Hohenlohe fündig.
Kartellamt verhinderte frühere Verkäufe
Der Weg zur Übernahme war steinig. Ursprünglich hatte der Branchenriese Tönnies Interesse an dem Standort Crailsheim angemeldet, doch das Bundeskartellamt untersagte den Kauf im vergangenen Sommer. Auch das Unternehmen Westfleisch aus Münster galt zeitweise als potenzieller Käufer. Jetzt liegen die Hoffnungen von Belegschaft und Landwirten auf Boeser Frischfleisch.
Auch Vion-Standort Waldkraiburg verkauft
Nicht nur in Crailsheim ändern sich die Besitzverhältnisse. Auch für den Vion-Schlachthof im bayerischen Waldkraiburg gibt es einen neuen Eigentümer. Der dortige Rinderschlachtbetrieb mit rund 338 Mitarbeitern und einer Kapazität von 163.000 Rindern pro Jahr geht an die OSI Europe Foodworks GmbH aus Gersthofen. Damit treibt Vion den angekündigten Rückzug aus dem deutschen Markt konsequent voran.