Im Landliebe-Werk in Heilbronn werden zurzeit nach und nach die Maschinen abgebaut. Im Dezember soll das Werk schließen, die aktuell noch rund 180 Beschäftigten verlören dann ihren Job, erklärte Betriebsratschef Achim Steinbach dem SWR. Der Müller-Konzern hatte den Standort gekauft und abgewickelt. So wie 2024 schon in Schefflenz (Neckar-Odenwald-Kreis). Die Marke Landliebe führt Müller weiter. Jetzt kommt nur noch die Landliebe-Milch aus Baden-Württemberg, genauer von Schwarzwaldmilch aus Freiburg.
Auch im bayerischen Polling-Weiding stehen 110 Mitarbeitende vor einer ungewissen Zukunft. Das Werk der Almil AG war mal das Herz der "Bärenmarke". Jetzt steht es massiv unter Druck. Der Versuch, im Zuge einer Insolvenz Milchpreise mit Landwirten neu zu verhandeln, scheiterte. Der Insolvenzantrag wurde zurückgezogen. Nun sucht die Eigentümerin Hochwald Foods aus Rheinland-Pfalz, bei der auch die Markenrechte liegen, nach neuen Lösungen.
Die Marke bleibt, nur produziert wird woanders
Mit Schwankungen von Angebot und Nachfrage auf dem Milchmarkt hätten Werkschließungen der großen Konzerne meist wenig zu tun, sagt Markus Albrecht vom Milchwirtschaftlichen Verein Baden-Württemberg. Hintergrund seien eher strategisch-strukturelle Entscheidungen. Großkonzerne wie Müller oder DMK/Arla schauten international, wo sie Produktion bündeln können und wo Werke vielleicht strategisch ungünstig liegen.
Wenn ein Standort nicht ins zukünftige Produktions- und Markenlayout passe, werde er aufgegeben - auch bei guten Marktbedingungen, so Albrecht. Das gelte insbesondere für Werke, in die viel investiert werden müsse. Die Marke bleibe, die Produktion aber werde verlagert auf besser passende Werke im In- oder Ausland.
Polling war früher Herz der "Bärenmarke"
Früher war der Standort Polling ein Kernstück der "Bärenmarke". Bis zur Verlagerung der Produktion an einen anderen Standort wurde hier die bekannte Kondensmilch der Marke produziert. Seit 2018 werden in Polling nur noch Dinge wie Milchpulver und Butteröl für die Industrie produziert.
In das Werk sei viel investiert worden, betont Hochwald gegenüber dem SWR. Doch Ende 2025 seien die Preise für Produkte vom Standort drastisch gefallen, dazu kämen ungünstige Verträge mit Landwirten und hohe Energiekosten. Am Ende sei das Werk nicht mehr wettbewerbsfähig. Derzeit würden unterschiedliche Möglichkeiten geprüft, vom Weiterbetrieb zu anderen Bedingungen bis hin zu Gesprächen mit Investoren, so eine Sprecherin. Eine Verlagerung der Produktion sei nicht geplant.
Gewerkschaft NGG: "Bei einer Insolvenz gingen die Mitarbeiter leer aus"
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vermutet noch einen anderen Grund für den Insolvenzantrag. In der Vergangenheit sei ein Versuch, das Werk zu schließen, an hohen Abfindungen gescheitert, berichtet Gewerkschafter Manuel Halbmeier. Bei einer Insolvenz wären die Menschen dagegen fast leer ausgegangen, sagt er.
Deutsche trinken weniger Milch
In Baden-Württemberg erwartet Milchexperte Markus Albrecht in naher Zukunft keine Schließungen wie in Heilbronn oder Fusionen. Die Konsolidierung in der Vergangenheit sei weitgehend abgeschlossen.
Insgesamt trinken die Deutschen deutlich weniger Milch als noch vor 30 Jahren. Gründe seien unter anderem der Zuzug von Menschen aus Kulturen, wo weniger Milch getrunken werde, die demografische Entwicklung und die Zunahme von pflanzlichen Milch-Alternativen.