Quereinsteiger für den mittleren Vollzugsdienst und für die Werkstätten sind in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heilbronn besonders gefragt. Einen großen Fachkräftemangel gibt es indes bei den Jobs hinter Gittern vor Ort nicht. Dennoch sind neue Mitarbeitende mit Vorerfahrung aus verschiedenen Berufen für die Anstalt besonders wertvoll.
Ob Neugierde oder eine neue Herausforderung - das Interesse an einem Arbeitsplatz im Heilbronner Gefängnis ist groß. Und so richtet die Behörde immer wieder Infoveransatltungen aus, um über die Möglichkeiten aufzuklären. Unlängst zog es rund 30 Interessierte in die JVA.
Oftmals falsche Vorstellungen vom Gefängnisjob
Der Heilbronner Anstaltsleiter Andreas Vesenmaier freut sich über das Interesse. Ein Arbeitsplatz in einer JVA sei aber auch voller Verantwortung. Man arbeite mit Straftätern zusammen, Ziel sei die Resozialisierung - ein herausfordernder und schwieriger Job.
Wir haben die Aufgabe, Gefangene auf den richtigen Weg zu bringen. Das gelingt nur, wenn man mit den Gefangenen spricht, arbeitet und Vorbild ist.
Lebens- und Berufserfahrung sind gefragt
Vesenmaier macht deutlich, dass ein Job in der JVA nicht nur darin bestehe, Gefangenen die Zelle zuzuschließen. Es seien sehr viele Charaktereigenschaften bei Bediensteten gefragt.
Die JVA freue sich besonders über Bewerberinnen und Bewerber, die schon etwas älter sind und Berufs- und Lebenserfahrung mitbringen.
Gefängnis-Tour sorgt für Emotionen
Die Interessierten bekommen eine Tour in kleinen Gruppen durch das Gefängnis. Kurz darf man auch mal in eine Zelle, um zu spüren, wie es sich anfühlt, wenn die Tür zugeht und man auf ein paar Quadratmetern eingeschlossen ist.
Für eine 31 Jahre alte Versicherungskauffrau, die sich für den Vollzugsdienst interessiert und anonym bleiben möchte, ist diese Tour entscheidend. Vor allem der Zellentrakt sei für sie beklemmend gewesen. Sie beschleichen danach "gemischte Gefühle". Bewerben will sie sich vorerst nicht. Das hat aber auch damit zu tun, dass hier in Schichten rund um die Uhr gearbeitet wird. Das passt der Mutter aktuell nicht ins Lebenskonzept
Job in der Werkstatt vorstellbar
Voller Erwartungen ist auch ein 34-jähriger Heizungsbaumeister, der seinen Namen ebenfalls nicht öffentlich machen möchte. Er könnte sich einen Job in einer Werkstatt in der JVA, etwa als Ausbilder für Gefangene, gut vorstellen. Die Bewerbungsunterlagen gibt er direkt am selben Tag ab.
Ich finde das Beschäftigungsfeld hier sehr interessant. Für mich ist es im Gefängnis nicht dramatisch schlimm. Ich habe keine Berührungsängste.
Job-Bewerber werden intensiv geprüft
Ein bestehender Eintrag im Vorstrafenregister sorgt bei einer Bewerbung für das sofortige Aus. Im Bewerbungsverfahren gibt es einen Auswahltest. Dabei geht es um Deutschkenntnisse und um die sportliche Fitness. Auch ein psychologischer Test gehört dazu, ebenso ein Medizincheck.
Wer im mittleren Vollzugsdienst arbeiten möchte, muss zuvor eine richtige Ausbildung durchlaufen. Diese dauert zwei Jahre und fünf Monate. Das gilt auch für Quereinsteiger. Auch wer als Handwerksmeister in einer Gefängniswerkstatt arbeiten möchte, muss eine Ausbildung von einem Jahr und fünf Monaten machen.
Wir sagen den Bewerbern klar, dass es bei uns auch brenzlige Situationen gibt. Wir erleben hier aber auch, wie sich Menschen positiv weiterentwickeln.
Kein großer Fachkräftemangel in Heilbronner Gefängnis
Den großen Fachkräftemangel gibt es in der Heilbronner Justizvollzugsanstalt allerdings nicht. Es werden immer mal wieder einzelne Stellen frei, wenn Beschäftigte in Rente gehen. Im Vollzugsdienst sind aktuell gerade mal drei Stellen unbesetzt, im Werkdienst erst ab 2026 zwei. 2025 gingen für den Vollzugsdienst beispielsweise 150 Bewerbungen ein. Eingestellt für den "uniformierten Dienst" wurden am Ende neun Personen, so die Personalabteilung der JVA im SWR.