"Viele waschen sich nicht die Hände"

Nicht nur im Sommer eklig: Warum eine Ärztin den Handschlag ablehnt

Schwitzige Hände im Sommer: Für viele ist Händeschütteln gerade jetzt unangenehm. Warum eine Ärztin selbst lieber darauf verzichtet, egal, bei welchem Wetter.

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Von Autor/in Aleyna Tas

Draußen ist es heiß, die Hände sind feucht und trotzdem gehört der Handschlag für viele in Heilbronn zur Begrüßung dazu - ob im Büro oder privat. Das zeigt eine SWR-Recherche. Gleichzeitig verzichten aber Menschen aus hygienischen Gründen weiterhin bewusst darauf.

"Gerade jetzt im Sommer finde ich das eklig", sagt Ayten Köksal (44). Verschwitzte Hände seien für sie ein Grund, Menschen möglichst nicht die Hand zu geben. Ähnlich sieht das Aysenur Ok. Sie verzichtet bei Unbekannten grundsätzlich auf den Handschlag. "Ich weiß ja nicht, wie die Körperhygiene bei anderen ist", sagt die 28-Jährige.

Ärztin rät vom Handschlag ab: "Höchstes Infektionsrisiko"

So sieht das auch Dr. Elisabeth Körber-Kröll, Hausärztin und Vorsitzende der Kreisärzteschaft Schwäbisch Hall. Schwitzige Hände seien allerdings ungefährlich. Schweiß sei kein Infektionsträger. Hände im Allgemeinen schon, sagt Körber-Kröll, wenn man sie sich beispielweise nach dem Toilettengang nicht wäscht - und zwar ordentlich, sodass die in der Seife enthaltene Lauge an jede Stelle kommt. Viele täten das tatsächlich nicht, sagt die Ärztin. Dazu gäbe es zahlreiche Studien. Deshalb verzichtet sie selbst möglichst auf den Handschlag. Aus gutem Grund: Laut Weltgesundheitsorganisation WHO werden 80 Prozent der Infektionskrankheiten über die Hände übertragen.

Händeschütteln nach Corona umstritten: So grüßt sich Heilbronn
Sina Schmitt, 40, aus Heilbronn verzichtet ungerne auf den Handschlag. Sie achtet allerdings auf regelmäßiges und gründliches Händewaschen.

Nach Corona wieder "selbstverständliche Unternehmenskultur"?

Während der Corona-Pandemie galt es als Tabu, sich die Hand zu geben. Bei der Bechtle AG in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) gehört Händeschütteln nach Angaben des Unternehmens mittlerweile aber wieder "selbstverständlich zur Unternehmenskultur". Anders sieht es bei dem Heilbronner Maschinenbauer Illig aus: Innerhalb der Belegschaft werde weitgehend darauf verzichtet. Im Kontakt mit Kunden oder Geschäftspartnern bleibe der Handschlag dagegen üblich. Bei Audi in Neckarsulm könne jeder selbst entscheiden, wie er andere begrüßen möchte.

"Der Handschlag hat uns gefehlt": Knigge-Expertin über die Corona-Zeit

Ihren Kundinnen und Kunden rät die Unternehmensberaterin und Knigge-Expertin Carolin Lüdemann aus Flein (Kreis Heilbronn) vom Händedruck nicht ab - im Gegenteil. Während der Corona-Pandemie habe sich keine echte Alternative etabliert. Der Handschlag schaffe Nähe und lasse Gespräche oft verbindlicher und vertrauter beginnen. "Ohne den Händedruck hat was gefehlt", erinnert sie sich an die Corona-Zeit zurück.

Heilbronner gehen unterschiedlich mit Berührung um

Während der Pandemie hat sich Sina Schmitt schwer getan, auf der Arbeit nicht die Hand zu geben. Heute freut sie sich darüber, dass Berührung kein Tabu mehr ist. "Ich gehe sehr gerne auf Menschen zu und umarme sie sogar", sagt die 40-Jährige, die in einem Friseurbetrieb arbeitet. Der 22-jährige Muhamet Durmisaj sieht im Handschlag ebenfalls kein Problem. "Das ist wie mit Geld", sagt er. Auch Geld werde ständig von anderen Menschen angefasst, Angst vor Keimen habe er keine.

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