Dorf in Oberschwaben wird zur Filmkulisse

Neue Staffel "Tschappel": Für die Dreharbeiten steht das kleine Zußdorf Kopf

Im oberschwäbischen Zußdorf wird aktuell wieder die ZDF-Serie "Tschappel" gedreht. Das ganze Dorf hilft mit - und manche Bewohner landen sogar selbst vor der Kamera.

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Von Autor/in Sabine Steinfurth

Bleiben oder aus dem Dorf wegziehen? Das ist die Frage für Carlo Brenner und seine Freunde Pia, Blabla und Aydin in der Serie "Tschappel". Erfinder und Mit-Produzenten sind die Cousins Paul und Marius Beck aus Zußdorf, einem Ortsteil von Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg). Sie wollen den Erfolg der ersten Staffel jetzt noch toppen. Dass "Tschappel" für den Deutschen Fernsehpreis nominiert und mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, hat die beiden überrascht.

Wir hätten nicht gedacht, dass unsere spontane Idee solche Wellen schlägt. Dass eine Serie im schwäbischen Dialekt, aus unserem Heimatdorf, so vielen Zuschauern gefällt. Das ist Wahnsinn.

Darum geht es in "Tschappel"

Wie der Titel schon verrät: Es geht um den "Tschappel" - auf Hochdeutsch: "liebevoll-verpeilter Trottel" , den 18-jährigen Carlo Brenner. Er und seine Freunde müssen sich nach dem Abi selbst finden - so wie viele Jugendliche auf dem oberschwäbischen Land. Einerseits lieben sie ihr Dorf, ihre Feste, ihren Freiraum. Andererseits zieht es sie in die weite Welt hinaus. Mit schwäbischem Humor und authentischen Dialogen überzeugten schon die ersten acht Folgen. Mit Spannung erwarten die Fans der Serie jetzt die nächsten.

"Ohne die Zußdorfer wäre diese Serie nie entstanden. Oder sie wäre doppelt so teuer geworden", sagt Marius Beck, der mit einem Münchener Produzenten die Idee für diese Jugend-Serie in seinem Heimatdorf ausgeheckt hat. Ein Beispiel: Die Güllegrube, die in der sechsten Folge der ersten Staffel aufwendig in einen Swimming-Pool verwandelt wurde. Das wäre laut Beck ohne Dutzende Ehrenamtliche nicht möglich gewesen.

Im Wilhelmsdorfer Ortsteil Zußdorf wird auch die zweite Staffel der Serie "Tschappel" gedreht.
In der Comedy-Serie "Tschappel" heißt das Dorfgasthaus einfach "Bären". Marion Kynaß

Oder das Gasthaus "Zum Bären": In der Realität ist es das "Zußdorfer Bräuhaus" und wird von Irene und Dieter Bauer-Storz betrieben. Für "Tschappel" wurde es zum Film-Set für die Familie Brenner gemacht. Auch dabei haben etliche Bürger mitgeholfen, unter anderem der Zußdorfer Zimmermann Leon Hagen. Inzwischen baut er nicht nur Bühnenbilder, sondern spielt als Matze in einer Nebenrolle mit.

Zußdorferin backt regelmäßig Kuchen für die Crew

Mehrere Dutzend Zußdorfer sind regelmäßig auf dem Set als Komparsen dabei. Maria Waltner aus Zußdorf ist pensionierte Lehrerin und backt regelmäßig Kuchen für die Crew. Inzwischen ist sie überzeugte Chronistin der Produktion, hat hunderte Fotos am Set gemacht und durfte sogar mit auf die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises.

Diese Serie ist für Zußdorf ein Geschenk. Denn sie zeigt unsere Dorfgemeinschaft, wie sie ist: den Zusammenhalt, den Witz, das Positive am Dorfleben in Oberschwaben.

Die meisten Zußdorfer, wie auch Ortsvorsteher Thomas Schädler, sind happy, dass "unser Dorf so groß rauskommt durch zwei Jungs von uns". Einige meckern zwar etwas über die großen Filmautos und mehr Verkehr. Aber ansonsten stößt auch das Filmvolk auf viel Wohlwollen.

Inzwischen gibt es Führungen für Fans durchs Dorf

Paul und Marius Beck empfangen täglich Mails von Fans, die Ideen für die Serie beisteuern oder gern mitspielen möchten. Marius' Vater tourt inzwischen sogar ein- bis zweimal pro Woche mit Fan-Gruppen durch Zußdorf. Auch die Wirtsleute vom "Bräuhaus" werden oft von Interessierten zu den Dreharbeiten befragt.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind schon ganz verliebt in das Dorf. "Wir spielen für das Dorf. Wir kennen sie alle mittlerweile", sagt Nina Gnädig, die in der Serie "Tante Gabi" spielt. Nach Drehschluss der ersten Staffel seien sie von den Dorfbewohnern mit selbstgemachtem Apfelmus überrascht worden.

Die nächsten zehn Folgen von "Tschappel" werden noch bis 7. August in Zußdorf gedreht. Ausgestrahlt werden sie voraussichtlich ab Januar 2027 bei ZDFneo.

Meet & Greet beim SWR PopUp Studio in Mengen

Am Donnerstag, 9. Juli, sind die "Tschappel"-Macher zu Gast im SWR PopUp Studio in Mengen (Kreis Sigmaringen). Beim Meet & Greet von 14:30 Uhr bis 16:30 Uhr mit dabei sind Produzent Paul Beck, Schauspielerin Bärbel Stolz und Schauspieler David Ali Rashed. Besucherinnen und Besucher sind herzlich willkommen.

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Autor/in
Sabine Steinfurth
SWR-Redakteurin Sabine Steinfurth Autorin Bild

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