Millionengrab oder dauerhafte Rettung des Lernorts?

Weil der Bund sparen muss: Von Terroristen entführtes Flugzeug "Landshut" steht vor unklarer Zukunft

Vor neun Jahren wurde die ausrangierte Maschine nach Friedrichshafen geholt - seitdem ist mit der "Landshut" wenig passiert. Der Sparkurs des Bundes bringt vieles durcheinander.

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Von Autor/in Jakob Wilking Fandrey

Ein Flugzeug als Symbol der Wehrhaftigkeit von Demokratie gegen Terrorismus und Extremismus - das aber für nur knapp ein halbes Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll? Eigentlich sollte die Lufthansa-Maschine "Landshut" ab Oktober 2027 zum 50. Jahrestag der Entführung durch palästinensische Terroristen im Deutschen Herbst 1977 lediglich für sechs Monate gezeigt werden. Ein Lernort in einem Hangar am Bodensee Airport in Friedrichshafen soll die Kulisse bieten. In die Debatte um das Flugzeug und dessen Nachnutzung kommt allerdings Bewegung.

Keine Option ist der Unternehmer und frühere Leiter des gleichnamigen Museums am dortigen Flughafen, David Dornier. Er hatte vor einigen Wochen seine Bereitschaft signalisiert, eine neue Stiftung zu gründen. Diese sollte sich dafür einsetzen, die 1977 von Terroristen entführte Maschine dauerhaft für das Publikum zugänglich zu machen. Jetzt machte Dornier aber einen Rückzieher und verabschiedete sich aus dem Projekt, wie er dem SWR schriftlich mitteilte.

1977 von Terroristen entführtes Flugzeug "Landshut" soll ausgestellt werden

Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), die mit der Errichtung des Lernorts in Friedrichshafen beauftragt ist, hatte vor einigen Wochen mitgeteilt, dass aufgrund der Haushaltslage des Bundes die Ausstellung lediglich bis April 2028 laufen soll. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte auf SWR-Nachfrage, dass der Lernort "Landshut" nur zeitlich begrenzt eingerichtet werde. Das habe man gemeinsam mit der BpB so entschieden. Mit dem temporären Betrieb stelle man zudem sicher, dass nur bislang zur Verfügung gestellte Mittel für das Projekt ausgegeben werden. Immerhin ein Betrag von über drei Millionen Euro, der unter anderem für Mietzahlungen und Umbaukosten der Halle, in der die "Landshut" steht, bereits angefallen ist.

Die kurze Ausstellungsdauer war in den vergangenen Wochen auf deutliche Kritik gestoßen. Der Friedrichshafener SPD-Politiker und frühere Landtagsabgeordnete Norbert Zeller betonte im SWR, dass nicht nur bereits viel Geld für die "Landshut" ausgegeben worden sei, sondern dass es auch einen langfristigen Mietvertrag über 15 Jahre für die Halle gebe. Demnach liege die monatliche Miete bei über 60.000 Euro. Dann nur sechs Monate eine Ausstellung zu bieten, mache keinen Sinn, so Zeller, der Teil des "Unterstützerkreises Landshut" ist. "Dies halten wir für inakzeptabel", so der SPD-Politiker. Auch aufgrund der bereits verplanten sowie ausgegeben Millionen bleibe gar nichts anderes übrig, "als das Projekt so zu verfolgen, wie es ursprünglich geplant war." Mit einem halben Jahr werde man sich nicht begnügen - entsprechend versuche er, seine Kontakte in die Bundespolitik zu nutzen.

Es wurde schon sehr viel Geld in die Hand genommen, der Mietvertrag geht über 15 Jahre und deswegen bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig, als dieses Projekt so zu verfolgen, wie es ursprünglich geplant war.

Die ausrangierte Lufthansa-Maschine "Landshut" steht in Friedrichshafen in einem Hangar. Das Flugzeug soll Teil einer Ausstellung rund um den Deutschen Herbst und den RAF-Terror werden.

Millionen Euro Investitionen für ein halbes Jahr Ausstellung?

Auf SWR-Nachfrage teilte die BpB unterdessen mit, dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit bestehe, dass die Ausstellung doch verlängert werden könne. Man sei generell bestrebt, einen Träger zu finden, der den Lernort dauerhaft betreiben werde: "Es finden viele Gespräche statt, um eine tragfähige Trägerschaft zu finden. Ob dies mit Herrn Dornier gelungen wäre, das lasse ich mal offen", sagte Zeller.

Auch Lothar Wölfle (CDU), ehemaliger Landrat des Bodenseekreises und Teil des Unterstützerkreises Landshut, betonte gegenüber dem SWR seine Zuversicht, doch noch eine Daueraustellung hin zu bekommen. Es gab in letzter Zeit "so ein bisschen ruppiges Gelände. Aber aktuell gibt es wieder ein paar zuversichtliche Aussagen von verschiedener Ebene", betonte Wölfe.

Was mit dem Flugzeug passieren würde, sollte wirklich nach einem halben Jahr Schluss sein? "Das weiß kein Mensch", so der ehemalige Landrat. "Anhand dieser Frage zeigt sich, wie unüberlegt dieser Gedanke ist, die Maschine nur ein halbes Jahr zu zeigen."

Man hat offensichtlich die Bedeutung dieser Maschine nicht erkannt. [...] Das wird höchste Zeit, dass wir das nachholen.

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Zeitzeugen, aber auch jungen Menschen, die Ereignisse um den Deutschen Herbst 1977 nahe bringen - dafür soll die "Landshut" im Mittelpunkt einer Ausstellung stehen. Dass diese nur zeitlich auf wenige Monate begrenzt werden soll, kann unser Redakteur nicht verstehen.

Ist-Zustand oder Rekonstruktion: Wie soll "Landshut" in der Ausstellung aussehen?

In den Zustand von 1977 wird das Lufthansa-Flugzeug dabei nicht zurückversetzt. Aber, so die BpB gegenüber dem SWR weiter, werde derzeit geprüft, ob an einigen Stellen wie der Außenhülle oder dem Innenraum Elemente von damals teilweise nachgestellt werden könnten. Eine völlige Rekonstruktion sei ohnehin nicht möglich, so Zeller und Wölfle.

Zum einen gebe es dafür viele benötigte Teile nicht mehr. Zum anderen symbolisiere der Ist-Zustand des Flugzeugs, dass sich die Bundesrepublik lange Zeit nicht ausreichend mit seiner Geschichte auseinandergesetzt hat. "Man hat offensichtlich die Bedeutung dieser Maschine nicht erkannt", so Wölfle. "Sie wäre sonst nicht weitergeflogen, sie wäre nicht 13 Mal verkauft worden, sie wäre nicht auf einem Flugzeugfriedhof im brasilianischen Urwald gelandet, wenn wir mehr Bewusstsein für unsere eigene Geschichte gehabt hätten. Das wird höchste Zeit, dass wir das nachholen."

Wir wollen jungen Leuten zeigen, wie gefährlich Terrorismus, egal ob von links oder rechts, ist. Das ist so top aktuell wie selten.

Geschichte der "Landshut": Wehrhafte Demokratie in Zeiten von RAF-Terror

Der Lernort "Landshut" in Friedrichshafen soll die wehrhafte Demokratie zeigen, der als Symbol für den Kampf gegen extremistische und terroristische Bedrohungen steht. Wie etwa auf den damaligen sogenannten Deutschen Herbst, in dessen Verlauf der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) seinen Höhepunkt erreichte - mit der "Landshut" in einer Hauptrolle. "Wir wollen jungen Leuten zeigen, wie gefährlich Terrorismus, egal ob von links oder rechts, ist. Das ist so top aktuell wie selten und deshalb muss es einfach weiter funktionieren", betonte Wölfle.

Vor 40 Jahren: Das Ende des "Deutschen Herbstes" | DW Deutsch

Die Lufthansa-Maschine war am 13. Oktober 1977 auf ihrem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt von palästinensischen Terroristen entführt worden. Ein Ziel der Geiselnehmer war es, RAF-Terroristen freizupressen, die in Stuttgart-Stammheim inhaftiert waren. Während der Entführung erschossen die Terroristen den Piloten Jürgen Schumann. In der Nacht auf den 18. Oktober stürmten schließlich am Flughafen in Mogadischu GSG-9-Männer die Maschine und befreiten alle 86 Passagiere sowie die Besatzungsmitglieder. Drei der vier Geiselnehmer wurden getötet.

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Es wird wohl nichts mit der dauerhaften Ausstellung des 1977 von Terroristen entführten Lufthansa-Flugzeugs. Die "Landshut" soll nur sechs Monate lang in Friedrichshafen gezeigt werden.

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Jakob Wilking Fandrey
SWR-Redakteur Jakob Wilking Fandrey

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