Im Bodensee breiten sich invasive Arten wie die Quagga-Muschel aus und gefährden Ökosystem und Trinkwasserversorgung. Die Internationale Bodensee-Konferenz arbeitet deshalb an neuen Regeln für Boote, um die Einschleppung zu bremsen. Die Wassersportverbände unterstützen die Pläne - sehen aber offene Baustellen bei Kontrolle und Praxis.
Wassersportgemeinschaft stellt sich hinter strengere Regeln
Die Internationale Wassersportgemeinschaft Bodensee (IWGB) vertritt nach eigenen Angaben über 30 Verbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Pläne für eine Melde- und Reinigungspflicht hält sie für durchaus angemessen. Man finde "grundsätzlich alles sinnvoll, was der Einschleppung invasiver Arten, wie beispielsweise der Quagga-Muschel, vorbeuge", heißt es vom Vorsitzenden Edgar Raff gegenüber dem SWR. Entsprechend begrüßt die Gemeinschaft die angekündigte Melde- und Reinigungspflicht für Schiffe.
Generell setzt sich die IWGB für alle Maßnahmen ein, die den Bodensee vor sogenannten Neobiota schützen - also vor eingeschleppten, invasiven Arten. Es geht dabei nicht um die Boote, die bereits im Bodensee schwimmen, sondern um jene, die zwischen verschiedenen Gewässern hin und her wechseln. Gleichzeitig sei die Umsetzung einer solchen Regelung schwierig. Das Hauptproblem: Noch sei völlig unklar, wer die Einhaltung einer solchen Reinigungspflicht überhaupt kontrollieren soll, so der Vorsitzende.
Eine Möglichkeit könnte sein, die Hafenmeister mit der Kontrolle zu beauftragen. Aber dann wäre die nächste Frage, ob diese die Kapazitäten dafür hätten. Großflächig sämtliche Boote zu überprüfen, die in den See gelassen werden, sei kaum möglich. Es sei daher besonders wichtig, parallel Aufklärungsarbeit zu leisten und Bootsbesitzer für das Thema zu sensibilisieren, so Edgar Raff.
IBK will Bodensee-Schifffahrts-Ordnung anpassen
Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) haben sich vergangene Woche im schweizerischen Horgen zu ihrem jährlichen Strategiegespräch getroffen. Im Mittelpunkt stand der Schutz des Bodensees vor der weiteren Einschleppung invasiver Arten. Die IBK beauftragte die Internationale Schifffahrtskommission für den Bodensee (ISKB) und die IBK-Kommission Umwelt, die nächsten Schritte für eine mögliche Schiffsmelde- und Schiffsreinigungspflicht im Einzugsgebiet des Bodensees vorzubereiten.
Sobald die Ergebnisse einer Neobiota-Studie vorliegen, sollen beide Gremien einen Vorschlag zur Anpassung der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung erarbeiten. Die Studienergebnisse werden bis Ende dieses Jahres erwartet, heißt es von der IBK auf SWR-Anfrage.
Quagga-Muschel und andere Neobiota als Risiko für den See
Hintergrund ist die zunehmende Ausbreitung sogenannter "aquatischer Neobiota" im Bodenseeraum. Eingeschleppte Arten wie die Quagga-Muschel können das Ökosystem erheblich beeinträchtigen und Auswirkungen auf Trinkwasserversorgung, Fischerei, Schifffahrt, Badebetrieb und Infrastruktur haben. Boote, die zwischen verschiedenen Gewässern wechseln, sowie nautische Veranstaltungen gelten als mögliche Verschleppungswege. Künftig sollen Boote länderübergreifend gereinigt werden müssen, bevor sie in den Bodensee gelassen werden.
Eine erste rechtliche Abklärung der IBK-Kommission Umwelt kommt zum Ergebnis, dass für eine einheitliche Regelung zunächst eine Änderung der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung hilfreich wäre. Dafür sei ein klarer politischer Auftrag notwendig.