Die Bekämpfung der Quagga-Muschel ist eines der Hauptthemen der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) bei der am Freitag anstehenden Tagung in Langenargen. In der IBK haben sich Regierungsvertreter aus allen Bundesländern und Kantonen, die an den Bodensee angrenzen, zusammengeschlossen.
Wir wollen ein Forschungsprojekt auf den Weg bringen mit dem Ziel, etwas über die natürlichen Feinde der Quagga-Muscheln herauszubekommen
Harald Hetzenauer, Chef des Institutes für Seenforschung Langenargen, greift, wenn er neugierige Gäste hat, gerne zu einem Glasbehälter, stellt den auf einen Tisch vor seine Zuhörer. Mit einem einzigen Handgriff holt er ein glitschiges Etwas heraus – ein Stück Seegrund mit einer Erhebung. Und die ist vollgepflastert mit Quagga-Muscheln.
2016 erster Fund von Quagga-Muscheln am Bodensee
Vor zehn Jahren war die Welt zwischen Bregenz und Konstanz – zumindest in Sachen Quagga-Muschel – noch in Ordnung. Dann kam das Jahr 2016: Taucher vor Wallhausen im Überlinger See bringen einen merkwürdigen Fund an die Oberfläche.
Die Taucher konnten seinerzeit nicht ahnen, was sie da in Händen hielten: Die erste am Bodensee nachweisbare Quagga-Muschel. Als die Fachleute vom Langenargener Seenforschungsinstitut den Fund zu Gesicht bekamen, schwante ihnen nichts Gutes: Denn die "Quagga" kannten die Experten bereits von anderen Binnengewässern weltweit, beispielsweise von den "Great Lakes", einem zusammenhängenden Seensystem in Nordamerika. Dort hatten die Quagga-Muscheln schon vor 20 Jahren damit begonnen, das ganze Öko-System zu ramponieren.
10.000 Larven der Quagga-Muschel in einem Kubikmeter Wasser
Den Gewässerforschern war ziemlich schnell klar, dass ähnliches dem Bodensee drohen könnte. Schon ein Jahr später taucht die Quagga-Muschel überall am Bodenseeufer auf – und vermehrte sich explosionsartig. Eine Quagga-Muschel kann bis zu einer Million Eier legen.
In einem Kubikmeter Wasser können wir um die 10.000 Quagga-Larven nachweisen
Die Folgen am Bodensee: Die Quagga-Muscheln befallen und verstopfen die Ansaugrohre von Wasserwerken; Badegäste verletzen sich immer häufiger, wenn sie auf eine der scharfkantigen "Quaggas" treten; Bootsrümpfe wachsen voll mit den eingeschleppten Muscheln.
Quagga-Muscheln bedrohen das Ökosystem im Bodensee
Doch am meisten macht Gewässerforscher Harald Hetzenauer die Bedrohung des Öko-Systems im Bodensee Sorgen: "Wir werden einen anderen See haben, wenn sich die Quagga-Muschel weiter so explosionsartig vermehrt." Denn die eingeschleppte Muschelart habe mächtig Appetit auf Plankton. Und das wiederum gilt indirekt als Nahrungsgrundlage vieler Bodensee-Fische. Und damit drohe die Gefahr, dass der Fischbestand noch weiter zurückgeht.
Schwimmringe und Tauchermasken reinigen!
Zusätzlich soll über eine Reinigungspflicht für Boote gesprochen werden, die von einem Gewässer ins nächste eingesetzt werden. "In einigen Schweizer Kantonen gibt es das schon", sagt Harald Hetzenauer vom Seenforschungsinstitut Langenargen.
Wichtig sei auch, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Jeder Freizeitkapitän, jeder Taucher, jeder Badegast müsse sich angewöhnen, Schiffskörper, Schwimmringe, Badeutensilien, aber auch Schwimmflossen, Tauchermasken und Taucheranzüge gründlich zu reinigen. Denn die Quagga-Muschel verstecke sich gerne genau dort, wo man sie eigentlich nicht vermutet.