Marie Wetz und David Ilie sind in der 8. Klasse der Sonnenlugerschule Mengen (Kreis Sigmaringen) und gehören zur sogenannten Schwedengruppe. Sie laufen während der Heimattage Mengen bei gleich zwei Festumzügen mit. Und damit stehen sie vor derselben Herausforderung wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Festumzügen dieser Tage in der Region Bodensee-Oberschwaben, sei es das Seehasenfest in Friedrichshafen (Bodenseekreis), das Rutenfest in Ravensburg oder das Schützenfest in Biberach: Wie trotze ich im historischen Gewand beim Zug durch die Innenstadt der Sommerhitze?
Festumzug im Kostüm: Sonnenschutz, viel Wasser und vorher aufs Klo
Marie und David ziehen sich vor dem großen historischen Festumzug in der Sonnenlugerschule um - gemeinsam mit über hundert weiteren Schülerinnen und Schülern. Sie brauchen eine Weile, bis das Kostüm komplett sitzt: Jacke, lange Hose, Stulpen, Hut, Handschuhe und eine Trommel. Ganz wichtig, sagen beide: Am Morgen ausreichend trinken. Am besten einen Liter Wasser, ergänzen ihre Mitschüler. Bevor man ins Kostüm schlüpft, ein letztes Mal aufs Klo, denn während des Umzugs kann man nicht einfach mal austreten. Sonnencreme spielt an dem Tag eine große Rolle. Der Hut ist zwar warm, schützt aber auch gegen die Sonne.
Wenig Schatten auf der Umzugsstrecke in Mengen
Um 14 Uhr am Sonntagnachmittag beginnt dann der große historische Festumzug. Marie und David müssen, wie alle anderen, schon vorher am Startpunkt sein. Mit ihrer Schwedengruppe sind sie etwa in der Mitte des Zugs, heißt also: erst noch warten - am besten im Schatten. Denn der ist auf der Umzugsstrecke Mangelware.
Am schlimmsten ist es, stehen zu bleiben. Solange man in Bewegung ist, ist es zwar auch warm, aber man konzentriert sich aufs Laufen.
Rund einen Kilometer lang ist die Umzugsstrecke. 90 Gruppen, dazu viele Gespanne und Kutschen, die Strecke gesäumt von tausenden Zuschauerinnen und Zuschauern. Marie und David trommeln mit den anderen aus der Schwedengruppe sauber im Takt. Die Gruppe stellt die Geschichte der Stadt während des Dreißigjährigen Krieges dar. Ab 1632 waren die Schweden auch in Süddeutschland unterwegs und sorgten in den Siedlungen für Angst und Schrecken. Die Mengener aber hatten Glück. Der Legende nach, weil wegen der Gebete der Frauen und Kinder plötzlich Nebel aufkam und die Schweden an der Stadt vorbeizogen. Dieses sogenannte Maiwunder war laut Björn Breimaier, Geschichtslehrer der Sonnenlugerschule, vor vielen Jahrzehnten die Initialzündung für die Gründung der Schwedengruppe.
Durchgeschwitzt, aber glücklich: Die Umzugsstrecke ist geschafft
Am Ende der Umzugsstrecke läuft bei Marie und David der Schweiß. Aber sie haben es geschafft, der Kreislauf hat mitgemacht, und auch beim Trommeln hat alles geklappt. Auch wenn Marie zu Beginn Sorge hatte, dass die Trommelstöcke durch die schweißnassen Hände rutschen könnten. Dann geht's zurück zur Schule, wo sommertauglichere Kleidung auf die beiden wartet. Erstmal. Denn am Montagvormittag laufen die zwei die Strecke gleich noch einmal.
Schülerfestumzug am Montag: Alle Mengener Schulen und Kindergärten mit dabei
Direkt am Montagmorgen hieß es wieder: rein ins Kostüm. Um 10 Uhr startete der Schülerfestumzug. Mit dabei waren rund 1.200 Kinder und Jugendliche aus allen Mengener Schulen und Kindergärten. Zu sehen waren auch wieder die historischen Gruppen - darunter die Schwedengruppe, bei der Marie und David mitliefen. Ganz eigene bunte Kostüme trugen die Kindergartenkinder und Grundschüler. Sie liefen als Marienkäfer, Regenbögen, Spatzen oder Störche durch die Straßen. Wie am Sonntag begleiteten zahlreiche Musikgruppen den Umzug - und begeisterte Zuschauer säumten die Straßen.
Heimattage Mengen: Historisches Volksfest mit langer Tradition
Die Heimattage Mengen haben eine lange Tradition: Das historische Volksfest findet nur alle vier Jahre statt und wird gefeiert, um an die Geschichte der Stadt, die Traditionen und die überlieferten Bräuche zu erinnern. In diesem Jahr wird zudem der Verleihung der Stadtrechte vor 750 Jahren gedacht sowie 60 Jahre Städtepartnerschaft mit dem französischen Boulay gefeiert. Die Heimattage gelten auch als großes Kinder- und Jugendfest.