Ralf Eisenhut aus Bodolz (Kreis Lindau) will ukrainischen Soldaten wieder helfen: Am 22. März fährt er in Richtung Cherson, um dort in Frontnähe zu kochen. Schon vergangenes Jahr, zwischen Oktober und Dezember 2024, kochte er für ukrainische Soldaten. "Ich wollte das tun, was ich am besten kann", sagt Eisenhut, im Hauptberuf Koch und Gastronom.
Jeden Tag kochte er warme Mahlzeiten mit guten Zutaten. Denn die Versorgung der kämpfenden Einheiten mit Nahrungsmitteln sei schlecht, sagt er. "Für die Soldaten war das natürlich ein Genuss, ein warmes Essen zu bekommen."
Ein warmes Essen an der Front ist eine Seltenheit
Eisenhuts Aufenthalt in Frontnähe war nicht ungefährlich. Besonders wenn er täglich um 13 Uhr die warmen Mahlzeiten nach vorne zu den kämpfenden Soldaten brachte. Je näher er der Kampflinie kam, umso lauter hörte er den Gefechtslärm. Häufig flogen russische Drohnen und Raketen über ihn hinweg.
"Die Angst ist immer da", sagt Eisenhut. "Aber ich war dauernd sehr im Stress und deshalb verdrängt man das dann irgendwann." 150 Soldaten versorgte Eisenhut sechs Wochen lang, es gab etwa Gulasch mit Semmelknödeln oder Geschnetzeltes mit Pfifferlingen.
Die Angst ist immer da, aber man verdrängt das irgendwann.
Seit Jahren organisiert Eisenhut Hilfe für Menschen in Not, unterstützte schon Geflüchtete oder Kinderkrankenhäuser. Doch die Zeit, in der er für die Soldaten kochte, sei das Beeindruckendste gewesen, was er je gemacht habe.
Warum wollte er ins Kriegsgebiet, um dort zu kochen? "Die Soldaten stehen wirklich ganz vorne. Und ich wollte in die Augen dieser Menschen schauen und ihre Gefühle und Erfahrungen kennenlernen." Bei den Soldaten an der Front habe er wenig Angst um das eigene Leben gespürt. Aber ihre Sorge um die Familien und Angehörigen in den zum Teil von Russland bombardierten Städten sei groß gewesen.
Eisenhut bringt auch Sachspenden in die Ukraine
Bevor es jetzt wieder in die Ukraine geht, hat Eisenhut jeden Tag viel zu tun. In einem ehemaligen Lebensmittelgeschäft in Lindau-Zech haben er und der Verein "Lindau hilft" ein Lager für die vielen Sachspenden eingerichtet: Lebensmittel, Getränke, Batterien, Rollstühle, Schulmöbel, Inkontinenz-Matratzen oder Tierfutter - denn die ukrainischen Soldaten an der Front füttern Katzen und Hunde, deren Besitzer geflohen sind.
Einen Teil der Spenden bringen Eisenhut und drei Mitstreiter nun in die Ukraine und verteilen sie in verschiedenen Städten. Der Verein "Lindau hilft" sei auch auf Geldspenden angewiesen, sagt Eisenhut: zum Beispiel für ein gebrauchtes Feuerwehrauto, das 10.000 Euro kostet und das sie in die Ukraine bringen wollen.
Ein alter Kleintransporter dient als Unterschlupf
Eisenhut selbst wird in der Ukraine in einem umgebauten Kleintransporter unterwegs sein, außen in den Farben der ukrainischen und der deutschen Flaggen lackiert. Das Fahrzeug ist sein Zuhause, wenn er wieder in der Nähe von Cherson für Soldaten kocht: "Da ist eine Standheizung drin, eine Toilette drin, eine Dusche, ein Waschbecken und da wohne ich dann." Eigentlich ist Eisenhut Gastronom in Bodolz am Bodensee. Doch seinen Betrieb hat er seinem Sohn übergeben, damit er Zeit für seine Hilfsprojekte hat.
Wenigstens wir müssen die Flagge der Menschlichkeit hochhalten.
Sorgen bereitet Eisenhut die aktuelle Ukrainepolitik der USA. Präsident Trump habe die Ukraine massiv unter Druck gesetzt, um einen Frieden zu erzwingen – auch wenn dieser zum Nachteil des überfallenen Landes ausfallen würde. Das bedrücke ihn sehr, sagt Eisenhut, doch er ist überzeugt: Die Hilfe muss weitergehen: "Gerade jetzt sind wir gefragt. Wenn die Politik versagt, ist es wichtig, dass wenigstens wir die Flagge der Menschlichkeit hochhalten."